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Tennis in Wimbledon Von wegen Murray-Mania

 ·  2009, 2010, 2011 und nun 2012: Andy Murray steht bei seinem Heimspiel in Wimbledon zum vierten Mal im Halbfinale. Trotzdem halten sich die englischen Zeitungen vor dem Duell gegen Jo-Wilfried Tsonga zurück, sie kennen ihren Landsmann.

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© REUTERS 2009, 2010, 2011 und 2012: Andy Murray steht bereits zum vierten Mal im Halbfinale von Wimbledon

Sie sind merkwürdig zurückhaltend geworden, die englischen Tageszeitungen. Von einer „Murray-Mania“ wie in den vergangenen Jahren ist rund um dieses Wimbledonturnier so gut wie nichts zu spüren. Dass könnte daran liegen, dass es sich als wenig hilfreich erwiesen hat, gleich vom ersten Tag an seitenweise über die Finalchancen von Andy Murray zu schreiben und den Druck noch zu erhöhen. Die etwas dezentere Art der Berichterstattung könnte aber auch einen ganz anderen Ursprung haben - dass im Grunde jeder überzeugt ist, dass es ja doch wieder nichts wird mit einem britischen Wimbledonsieger.

Statistisch gesehen ist die Chance, dass Andy Murray im Halbfinale an diesem Freitag am Franzosen Jo-Wilfried Tsonga scheitert, allerdings auch sehr hoch. Der letzte Brite, der das Finale erreichte, spielte noch in langen Hosen, hieß Bunny Austin, und man schrieb das Jahr 1938. Zwei Jahre zuvor hatte Fred Perry in Wimbledon gewonnen, und niemand hätte geahnt, dass dessen Name so lange in den Geschichtsbüchern des Sports unter der Rubrik letzter britischer Wimbledonsieger verharren würde.

Leichter Favorit

Murray aber steht nun zum vierten Mal nacheinander im Semifinale an der Church Road, und diesmal ist die Ausgangsposition günstiger als bei den anderen drei vergeblichen Versuchen. 2009 verlor er gegen Andy Roddick, 2010 und 2011 scheiterte er jeweils an Rafael Nadal. Nun hat er gleichgezogen mit dem Londoner Tim Henman, der 1998, 1999, 2001 und 2002 jeweils das Halbfinale erreichte.

Gegen Tsonga ist Murray leichter Favorit, aber was heißt das schon, wenn ein Brite in einem Wimbledon-Halbfinale antritt. Selbst dass Murray diesmal Nadal als unüberwindbarer Gegner erspart bleibt, weil der Spanier in der zweiten Runde überraschend scheiterte, hat die Phantasien nur kurz angeheizt. „Wir wagen gar nicht erst, daran zu denken“, schreibt so die „Times“, die auch den 6:7-, 7:6-, 6:4- und 7:6-Erfolg im Viertelfinale über den Spanier David Ferrer typisch britisch einordnete: „Das war knapper, als es das Ergebnis aussagt.“ Den Humor haben sie sich also behalten, auch die Fans. Einer von ihnen hielt beim Damen-Viertelfinale ein Plakat hoch mit der Aufschrift „C’me on Tim!“ Darunter stand in Klammern „we still believe“.

Es wartet ein Schwergewicht

Daran zu glauben, dass Murray diesmal sogar die ganze Strecke zu Ende gehen könnte, fällt trotzdem einigermaßen schwer, denn in einem möglichen Finale würde auf jeden Fall ein Schwergewicht auf ihn warten - entweder der Titelverteidiger und Weltranglistenerste Novak Djokovic oder der sechsmalige Wimbledonsieger Roger Federer, dem sich im Herbst seiner Karriere noch einmal eine Chance bietet, die viele vor nicht allzu langer Zeit für absolut ausgeschlossen hielten.

Sollte der Schweizer dieses Turnier zum siebten Mal gewinnen, würde er wieder auf den ersten Platz der Weltrangliste zurückkehren. Zuletzt stand er am 7. Juni 2010 ganz oben in der Branchenhierarchie - und nur eine einzige Woche hatte ihm gefehlt, um mit Pete Sampras (286 Wochen als Nummer eins) gleichzuziehen.

Es gibt nicht viele Bestmarken in diesem Sport, die nicht von Roger Federer gehalten werden, und jetzt kommt noch eine hinzu. Diese Partie gegen Djokovic wird das 32. Grand-Slam-Halbfinale in der Karriere des Schweizers sein, womit er Jimmy Connors (31) endgültig übertrumpft hat. Es gibt nur wenig, woran Federer arbeiten könnte - Connors (84) und Boris Becker (71) haben etwa mehr Spiele in Wimbledon gewonnen als er (63), und Connors, der allerdings auch erst im zarten Alter von 43 Jahren seine Karriere beendete, erreichte auch häufiger ein Grand-Slam-Viertelfinale (41), als es Federer bislang (37) geschafft hat. Ein Sieg über Djokovic auf Rasen wäre allerdings eine Premiere für Federer - auch das gibt es noch. Es ist nämlich ihr erstes Aufeinandertreffen auf diesem Untergrund.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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