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Tennis in Wimbledon Lisicki und Kerber furios

 ·  Sabine Lisicki gewinnt gegen Maria Scharapowa, Angelique Kerber besiegt Kim Clijsters - die deutschen Frauen schlagen sich beim Rasenspektakel in Wimbledon bestens. Eine von ihnen wird ins Halbfinale einziehen.

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© dpa „Es ist unglaublich“: Sabine Lisicki auf dem Rasen von Wimbledon

Es hat sich ja herumgesprochen, dass es einen gewissen Aufschwung im deutschen Damentennis gegeben hat, auch wenn es ausgerechnet im Fed Cup, dem Pendant zum Davis Cup, so gar nicht klappte, und Deutschland mit der stärksten Mannschaft seit ewigen Zeiten aus der Weltgruppe abstieg. Der Fed Cup aber, das wäre die eine Gelegenheit gewesen, so richtig auf sich aufmerksam zu machen, und die andere Bühne bieten die vier Grand-Slam-Turniere.

Da schaut der deutsche Sportfan nämlich aufmerksam hin, und unter den vier Saisonhöhepunkten in Melbourne, Paris, London und New York nimmt das Rasenspektakel in Wimbledon eine Sonderstellung ein. So gesehen haben die deutschen Damen am Montag die bestmögliche Chance zur Eigenwerbung genutzt, die ihr Sport bietet.

Erst zog Sabine Lisicki durch einen 6:4- und 6:3-Sieg über die Weltranglistenerste Maria Scharapowa in das Viertelfinale ein, dann folgte ihr Angelique Kerber nach ihrem 6:1 und 6:1 gegen die frühere Branchenführerin Kim Clijsters. Damit stehen erstmals seit 1987 wieder zwei deutsche Spielerinnen in der Runde der letzten Acht, und dass sie dort gegeneinander spielen, mag mancher bedauern. „Aber immerhin wird eine Deutsche im Halbfinale sein“, sagte Sabine Lisicki.

Große Chancen hatte Sabine Lisicki wohl niemand eingeräumt, aber manchmal lassen die letzten Ergebnisse im Sport eben keinen Schluss die nächste Partie zu, im Guten wie im Schlechten. Besonders aufregend aber waren die Ergebnisse der Deutschen ja nicht gewesen, seit sie im Januar im Viertelfinale der Australian Open nach einer sehr guten Partie in drei Sätzen an eben jener Maria Scharapowa gescheitert war.

Auf Rang 14 der Weltrangliste war sie damals vorgerückt und hatte sich eine vielversprechende Position erarbeitet – bis Wimbledon, wo sie im vergangenen Jahr das Halbfinale erreicht hatte (und an Scharapowa gescheitert war), musste sie kaum Punkte verteidigen. Vorwärts aber war es danach nicht mehr gegangen, sie reihte Erstrundenniederlage an Erstrundenniederlage, hier und da reichte es noch einmal für eine zweite Runde, aber spätestens dort war immer Schluss.

„Meine Ergebnisse waren nicht so toll“, sagte Sabine Lisicki, also war es nach den French Open, bei denen sie auch bei erster Gelegenheit gescheitert war, heim nach Florida gegangen. „Ich habe mich gründlich vorbereitet“, sagt sie, und wer es nicht besser weiß, könnte meinen, danach sei es ein Spaziergang durch die folgenden Turniere geworden. Stimmt nicht so ganz. Beim Rasen-Vorbereitungsturnier in Birmingham, das sie im Vorjahr gewonnen hatte, war gleich nach der ersten Partie wieder alles vorbei.

Plötzlich war alles wieder da

Dann kam Wimbledon, dieses Turnier, das sie mehr schätzt als jedes anderes, und wo sie nach ihrem Halbfinaleinzug im vergangenen Jahr für immer die Vorzüge eines Mitglieds im „Last-eight-Club“ genießen. Nur auf dem Platz zeigte sich das zunächst nicht – sie spielte sich durch drei wacklige Runden, stand beim 3:6, 6:2 und 8:6 gegen die Serbin Bojana Jovanowski dicht vor dem Aus, benötigte danach auch gegen die Amerikanerin Sloane Stephens drei Sätze.

Wenn es also stimmte, als sie sagte, dass sie mit viel Selbstvertrauen in dieses Achtelfinale gegen Scharapowa gegangen war, dann ist es einigermaßen rätselhaft, wo diese Zuversicht hergekommen war. Aber zumindest war es kein Irrglaube – plötzlich war nämlich alles wieder da, womit sie im vergangenen Jahr so beeindruckt hatte. Ihr gefürchteter erster Aufschlag, der an guten Tagen der beste in der Damenwelt ist, hatte plötzlich wieder jene Kontinuität, die zusätzliche Sicherheit verschafft, was sich auch in den kraftvollen Grundlinienschlägen und spektakulären Returns ausdrückte.

„Das war ein fast perfektes Spiel

„Wenn sie so spielt, gehört sie definitiv zu den besten Spielerinnen der Welt. Aber es geht darum, dass nicht nur bei einem Turnier zu zeigen“, sagte Scharapowa. Die Russin hätte wissen können, was ihr möglicherweise bevorstehen würde, denn im Grunde wiederholte sich nur Geschichte. 2009 hatte Sabine Lisicki die French-Open-Siegerin Svetlana Kuznetsowa besiegte, 2011 dann Li Na, die ebenfalls als gefeierte Paris-Siegerin in Wimbledon antrat, und nun folgte Maria Scharapowa kurz nach Vollendung ihres Karriere-Grand-Slams.

Vielleicht sollte Sabine Lisicki allerdings auch bei ihrer Gegnerin darauf hoffen, dass man aus der Leistung aus dem vorherigen Spiel nicht automatisch auf die Schaffenskraft im nächsten schließen kann. Denn Angelique Kerber, die sich kontinuierlich bis auf den achten Platz der Weltrangliste vorgearbeitet hat, setzte ihren Weg nach oben mit einer beeindruckenden Partie fort. Mit Kim Clijsters, die nach den US Open ihre Karriere ein zweites Mal beenden wird, musste sie ausgerechnet gegen ihr einstiges Idol antreten. Das Vorbild von früher fand nach dem 1:6 und 1:6 in nur 50 Minuten nur lobende Worte für die Kielerin. „Das war unglaublich, das war ein fast perfektes Spiel.“

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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