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Tennis in Wimbledon Frust und Freude

Angelique Kerber und Tommy Haas sind die beiden besten deutschen Tennisspieler, aber ihre Gefühlslagen sind an diesem Freitag größtmöglich voneinander entfernt. Die Traumreise von Dustin Brown endet.

© REUTERS Häufchen Elend: Angelique Kerber

Sie wird ein paar Tage brauchen, um diesen Nachmittag zu verarbeiten, er dagegen am nächsten Morgen nur ein paar Minuten. Angelique Kerber und Tommy Haas sind die beiden besten deutschen Tennisspieler, aber ihre Gefühlslagen waren am Freitag größtmöglich voneinander entfernt. Die Kielerin, im vergangenen Jahr erst im Halbfinale gescheitert, hatte daran zu knabbern, dass sie drauf und dran gewesen war, die dritte Runde zu erreichen, aber dann noch strauchelte. Gegen die Estin Kaia Kanepi unterlag sie 6:3, 6:7 und 3:6, hatte aber im Tiebreak des zweiten Satzes schon 5:1 geführt und war nur noch zwei Punkte vom Sieg entfernt gewesen.

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Haas dagegen, der ebenfalls wegen Regens einen Tag auf den Beginn seiner Partie hatte warten müssen, ließ von Beginn an keinen Zweifel aufkommen. Er besiegte Jimmy Wang aus Taipeh 6:3, 6:2, 7:5 und war mit sich und der Tenniswelt zufrieden: „Es geht mir so gut wie schon lange nicht mehr.“ Nur am Morgen danach dauere es eben immer ein wenig, bis er wieder „rund“ laufe. Gescheitert ist dagegen Jan-Lenard Struff (Warstein), der gegen Jeremy Chardy 2:6, 7:6, 6:7 und 6:7 unterlag.

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Die Erfolge von Haas wecken Begehrlichkeiten, und wenn es nur welche von Journalisten sind. Die amerikanischen Kollegen müssen seit Donnerstag ja ohne einen Landsmann auskommen - zumindest fast. Keiner in der dritten Runde, das hatte es seit 1912 (als aber gar keiner teilgenommen hatte) nicht mehr gegeben. Was lag da näher, als Haas als letzten Amerikaner im Herren-Feld von Wimbledon zu begrüßen - der gebürtige Hamburger, der seit dem 13. Lebensjahr beständig in den Vereinigten Staaten lebt, hat seit dem vergangenen Jahr ja auch einen amerikanischen Pass. Deutscher ist er aber geblieben, und natürlich muss er auch in Wimbledon stets die Fragen beantworten, wie das so sei, sich im vergleichsweise hohem Alter von 35 Jahren noch mit der Weltspitze zu messen.

Der Wahl-Amerikaner war nicht immer ein entspannter Plauderer bei solchen Gelegenheiten, mittlerweile aber scheint er selbst diesen Teil des Profigeschäfts zu genießen. „Nur weil ich der älteste Spieler bin, steht es nicht gleich 30:15 für mich“, sagte Haas, und überhaupt könne man sich Punkte für die Rangliste ja nicht kaufen: „Wenn das wäre, hieße der Weltranglistenerste vermutlich Ernests Gulbis.“ Der Vater des Letten gilt als einer der reichsten Männer seines Landes.

Wimbledon Championships © dpa Vergrößern Entspannter Jungsenior: Tommy Haas bleibt in London am Ball

Die lange Karriere mit einigen Höhepunkten und vielen Rückschlägen machte Haas tiefenentspannt. Es gibt vermutlich nicht mehr viel, was ihn auf dem Tennisplatz so beeindrucken könnte, das es ihn komplett aus der Bahn werfen würde. Das war nicht immer so. Aber Dinge wie Regen in Wimbledon und die damit verbundene ungewisse Wartezeit irritieren ihn ebenso nicht mehr wie nun gegen Wang die drohende Spielunterbrechung aufgrund aufziehender dunkler Wolken oder das aktuelle Dauerthema namens „rutschige Plätze“. Am Ende sei es eben immer noch Rasentennis, sagt er, und da müsse man mit so etwas rechnen. Er selbst hat den Halt unter den Füßen in diesen Tagen nicht verloren, „außerdem“, sagte er mit einem Augenzwinkern, „trete ich normalerweise ja eher auf einen Ball und muss deshalb aufhören“. Das war 2005, als er vor seinem Erstrundenspiel gegen den Serben Janko Tipsarevic beim Einspielen auf einen im Feld liegenden Tennisball getreten war und sich dabei verletzte, was ihm eine sechswöchige Pause bescherte.

Acht Jahre später ist er nun nur noch eine Begegnung von einem Auftritt auf der ganz großen Bühne entfernt, die seine Welt bedeutet. Gewinnt er an diesem Samstag sein Drittrundenspiel gegen den Spanier Feliciano López, winkt ihm am Montag im Achtelfinale ein Treffen mit dem Weltranglistenersten Novak Djokovic. López aber hat in Wimbledon schon dreimal in seiner Laufbahn das Viertelfinale erreicht und ist ein dementsprechend gefährlicher Gegner. „Da werde ich extrem gut spielen müssen“, sagte Haas, aber das traut ihm derzeit auch jeder zu.

Wimbledon Championships © dpa Vergrößern Durchpusten, ausatmen: Für Dustin Brown ist das Turnier zu Ende

Und er ist dann der letzte Deutsche, denn Dustin Brown konnte nur kurz darauf hoffen, seinen Traum weiter zu leben. Die Partie des Deutsch-Jamaikaners gegen den Franzosen Adrian Mannarino wurde beim Stand von 3:4 im ersten Satz wegen Regens unterbrochen, ehe er 4:6, 2:6, 5:7 unterlag.

Brown war einer der beiden Akteure, die mit ihrem Angriffsspiel viele verzaubert hatten. Der andere war Sergei Stachowski, doch der Federer-Bezwinger aus der Ukraine schied gegen den Österreicher Jürgen Melzer aus. Manche Träume enden ganz abrupt.

Quelle: FAZ.NET

 
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