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Tennis in Hamburg Tommys geplatzter Traum

 ·  Es sollte die Krönung einer bis dato eindrucksvollen Saison sein. Ein Turniersieg in der eigenen Geburtsstadt. Doch Tommy Haas scheitert im Finale am Rothenbaum am Argentinier Juan Monaco mit 5:7 und 4:6.

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© dpa Frustbewältigung: Haas schimpft nach eigenen Fehlern immer wieder über sich selbst

Tommy Haas hatte während der letzten Turniertage am Hamburger Rothenbaum eine gewisse Anspannung gespürt, doch es war eine andere, innere Unruhe, als er sie von seinen letzten 16 Jahren auf der Tennistour kannte. „Das wird jetzt spannend, ob ich es noch schaffe oder nicht“, kündigte Haas an. Und er meinte damit den Besuch des Hauses in der Weidenallee 45 in Eimsbüttel, jenem Ort, an dem er aufgewachsen ist und den er unbedingt noch einmal wiedersehen wollte. Besonders sein altes Kinderzimmer.

Dass Haas den kleinen Abstecher in die Vergangenheit bisher immer weiter aufschieben musste, lag einzig daran, dass ihm die Gegenwart dafür keine Zeit ließ. Er spielte einfach zu gut am Rothenbaum, sogar so gut, wie nie zuvor beim größten deutschen Turnier. Zum ersten Mal hatte es Haas in seiner Geburtsstadt bis ins Finale geschafft, und dieser Moment hatte ihn „tierisch stolz und glücklich“ gemacht. Doch überbieten vermochte Haas dieses Hochgefühl nicht mehr, denn am Sonntag traf er mit Juan Monaco auf einen, der derzeit auf Sand noch stärker spielt als er selbst. Haas unterlag dem Argentinier in einer bissig geführten Partie 5:7 und 4:6, und so bleibt Michael Stich weiterhin der letzte Deutsche, der am Rothenbaum gewinnen konnte.

Er wirkt nicht wie ein Verlierer

Dennoch wirkte Haas nicht wie ein Verlierer, so fühlte er sich auch nicht. Er hatte alles versucht, und die 6.500 Fans im Hamburger Stadion hatten ihn in jeder Phase so lautstark gefeiert, als wollten sie ihn mit ihrer Begeisterung zum Sieg tragen. „Ich bin so unmenschlich glücklich“, sagte Haas später in Richtung Publikum, „ihr wart Spitzenklasse. Ich habe nicht gedacht, dass ich das noch einmal erleben darf.“ Mit seinen 34 Jahren ist Haas inzwischen fast schon milde geworden, und er genießt die Momente auf dem Platz weit mehr, als ihm das früher gelang. Besonders jene vor heimischer Kulisse, 13:3 Siege lautet Haas‘ Bilanz in dieser Saison bei deutschen Turnieren.

Sein Ehrgeiz ist weiterhin ungebrochen, genau wie seine Leistungsstärke. Seit der Verletzungsgeplagte vor einem Jahr nach einer Hüft- und Ellbogenoperation abermals auf die Tour zurückkehrte, hat er seinen Ruf als „Stehaufmännchen“ wie kein Zweiter untermauert. Mit seinem furiosen Sieg über Roger Federer in Halle war Haas vor vier Wochen in die Top 50 zurückkehrt, und auch im Finale von Hamburg hatte zunächst alles danach ausgesehen, als könne Haas seiner Titelsammlung noch den 14. Erfolg hinzufügen. Er kam gut in die Partie, spielte selbstbewusst und ging sogar mit 4:1 im ersten Satz in Führung.

Kluger Spielaufbau

Haas variierte clever, streute immer wieder sehenswerte Stoppbälle ein und demonstrierte mit seinem klugen Spielaufbau, warum er einmal die Nummer zwei der Weltrangliste gewesen ist. Doch Monaco, nach seinem Triumph nun in den Top Ten, zählt zu den wohl besten Sandplatzspielern der Branche. In der Vorwoche stand der 28-Jährige im Endspiel von Stuttgart und hatte im Halbfinale mit Nicolas Almagro aus Spanien den gefährlichsten Konkurrenten im Feld bezwungen. Und auch wenn Monacos Spielzüge nicht immer spektakulär wirken, so verfügt er doch über eine zermürbende Konstanz und sehr flinke Beine. Fast jeden Ball brachte Monaco im Hamburger Finale zurück, hatte meist die bessere Antwort und frustrierte Haas im Laufe der Partie zunehmend, was nicht ohne Wirkung blieb. Der Hamburger motzte sich an, verstrickte sich zwischen den Ballwechseln in Selbstbeschimpfungen.

Die Zuschauer leiden mit Haas

Das gehört einfach zu Haas, wie seine verkehrt herum getragene Baseballmütze. Und seine emotionale Art kommt an bei den Zuschauern. Sie fühlen stets mit Haas, leiden mit ihm. „Tommy ist der letzte Charakter im deutschen Tennis“, hatte auch sein Kollege Florian Mayer unter der Woche festgestellt. Haas hat eben jene Aura, die der aktuellen Spielergeneration der deutschen Profis ein wenig fehlt. Und er ist ein leidenschaftlicher Kämpfer, einer, der sich nicht aufgibt, egal wie es steht. So ließ sich Haas auch nicht nach dem Verlust des ersten Durchgangs hängen, spielte weiter bissig, schaffte das Break zum 2:0. Die Zuschauer taten ihr Übriges, doch Monaco kämpfte ebenso unnachgiebig um den größten Sieg seiner Karriere. Einmal konnte Haas noch ein Break wieder ausgleichen, doch Monaco spielte weiter wie beseelt und nahezu fehlerlos. „Das war eine ganz starke Partie, gratuliere, Juan“, sagte Haas anerkennend, ganz Sportsmann und fairer Verlierer. Und auch Turnierdirektor Michael Stich sah etwas Positives in der Niederlage: „Schade Tommy, aber so hast du ja einen Anreiz, nächstes Jahr wiederzukommen.“ Und wenn es nur für einen Abstecher in die Weidenallee 45 wäre.

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