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Tennis in Deutschland : Fall für Entwicklungshilfe

Mit dem deutschen Tennis geht es immer weiter bergab: Michael Stich unter schwarz-rot-goldenem Dach Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Man mag es kaum noch glauben: Deutschland war einst der Tennismarkt schlechthin. Turniere in allen großen Städten en vogue. Längst passé, nun hat auch Düsseldorf aufgegeben, der World Team Cup ist Geschichte.

          Wann hat es eigentlich die letzte richtig gute Nachricht für das deutsche Tennis gegeben? Wenn man nach einer Antwort sucht, fallen einem nur die negativen Schlagzeilen ein – und am Montag folgte die jüngste: Auch der World Team Cup, das seit 33 Jahren etablierte Mannschaftsturnier im Düsseldorfer Rochus-Club, ist nun Geschichte. Nach dem Ausstieg des langjährigen Turnier- und Titelsponsors Arag, dessen Vertrag in diesem Jahr endete, hat die Rochusclub Turnier-GmbH keinen Nachfolger gefunden. Die Finanzierungslücke in Höhe von 1,5 Millionen Euro ließ sich nicht schließen, und den stets seriös wirtschaftenden Kaufleuten im Rochusclub war das Risiko letztlich zu groß.

          Daran, dass es selbst den emsig und mit viel Herzblut arbeitenden Düsseldorfer Veranstaltern nicht gelang, ihr Turnier zu vermarkten, mag man ermessen, wie schlecht es um den Tennis-Standort Deutschland bestellt ist. Den jüngeren Anhängern dieses Sports mag es da aberwitzig vorkommen, dass Tennis Ende der achtziger und zu Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts drauf und dran war, zum Marktführer Fußball aufzuschließen.

          Turniere in Deutschland waren nach den Erfolgen von Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich en vogue – neben den bestehenden Großveranstaltungen in Berlin (Damen), Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart (Herren) wurde auch noch der Grand-Slam-Cup in München erschaffen, die Hallenturniere in Stuttgart (Herren) und Leipzig (Damen) schossen aus dem Boden, das Rasenturnier in Halle/Westfalen kam hinzu. Deutschland war der Tennismarkt schlechthin, mit dem Höhepunkt des ATP-Finales der acht weltbesten Herren, das in knapp einem Jahrzehnt in Frankfurt (und später Hannover) zu neuer Blüte geführt wurde.

          Der Rote Baron auf roter Erde: Becker Ende der 90er Jahre auf Düsseldorfer Boden im Einsatz für Deutschland
          Der Rote Baron auf roter Erde: Becker Ende der 90er Jahre auf Düsseldorfer Boden im Einsatz für Deutschland : Bild: picture-alliance / dpa

          Auch Hamburg kämpft ums Überleben - das Interesse sinkt und sinkt

          Die Zeiten, als jeder Sportinteressierte die Weltranglisten so gut kannte wie die Tabelle der Fußball-Bundesliga, sind lange vorbei. Bis auf das weiterhin florierende Turnier in Halle sind mittlerweile alle Veranstaltungen entweder Geschichte, stecken immer mal in Schwierigkeiten wie das neu belebte Weißenhofturnier in Stuttgart oder sind von der ATP abgewertet worden wie das ehemalige Masters-Turnier in Hamburg. Um dessen alten Status hatte der Deutsche Tennis-Bund (DTB) in mehreren Instanzen gekämpft und Ende November endgültig verloren. Auch Hamburg ringt als Veranstaltung zweiter Klasse nun ums Überleben.

          Den Tennismarkt in Deutschland hat die ATP mittlerweile entweder aufgegeben oder nicht bemerkt, dass der einstige Gigant längst ein Fall für Entwicklungshilfe wäre. Stattdessen aber sorgt die Vereinigung der Turnierveranstalter und Tennisprofis dafür, dass deutsche Fernsehsender wegen überzogener Forderungen für die Übertragungsrechte von ausländischen Herrenturnieren abwinken.

          Weil Deutschland aber keine Spitzenspieler mehr hat und im Fernsehen auch keine mehr sieht, sinkt und sinkt das Interesse. Selbst in Düsseldorf, einst ein Zuschauermagnet, musste deshalb um jeden Kartenkäufer gekämpft werden. Doch das Ende des World Team Cup muss nicht das Ende der schlechten Nachrichten sein. Die ATP verlangt vom DTB weiterhin die Erstattung der Anwaltskosten im Rechtsstreit um das Hamburger Turnier in Höhe von rund 17 Millionen Dollar. Verliert der DTB, ist er ein Fall für den Insolvenzverwalter.

          Quelle: F.A.Z.

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