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Tennis Hingis bestreitet Kokain-Konsum

02.11.2007 ·  Das selbst gewählte Outing von Martina Hingis in Wimbledon positiv auf Kokain getestet worden zu sein, sorgt trotz deren Unschuldsbeteuerung für Fassungslosigkeit im Tennis. Es bleiben viele Fragen.

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Nach Wettbetrugsvorwürfen nun auch noch eine Doping-Affäre der ehemaligen Nummer eins: Die Tennisprofis beschädigen ihren Sport durch einen Skandal nach dem anderen.

Das selbst gewählte Outing von Martina Hingis, Ende Juni in Wimbledon positiv auf Kokain getestet worden zu sein, sorgt trotz deren Unschuldsbeteuerung - „Ich habe nie Drogen genommen“ - für neue Fassungslosigkeit im weißen Sport (Siehe auch: Martina Hingis: Rücktritt unter Doping-Verdacht).

In Hingis' Schweizer Heimat melden sich kritische Stimmen. „Ich finde es eine bodenlose Frechheit, dass sie erst Monate später informiert. Warum hat Swiss Tennis nicht informiert?“ schimpfte Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancelara in der Schweizer Boulevard-Zeitung „Blick“.

Kritik von Schweizer Sportkollegen

Als Radsportler bestens mit der Doping-Problematik vertraut, ging der Schweizer auch die Tennis-Funktionäre an: „Ist jemand an der Tour de France positiv, ist es spätestens nach 14 Tagen bekannt. Offensichtlich nehmen es nicht alle Verbände gleich ernst mit der Doping-Bekämpfung.“

Die Anti-Doping-Politik im Tennis sieht vor, erst bei Abschluss eines entsprechenden Verfahrens den Namen des betroffenen Sportlers zu veröffentlichen. Der Damentennis-Organisation WTA war nach eigener Aussage kein Doping-Verdacht gegen Hingis bekannt. „Wir haben keine offiziellen Informationen von einer positiven Doping-Kontrolle erhalten“, sagte WTA-Präsident Larry Scott.

Routinetest in Runde drei

Hingis selbst hatte nach Aussage ihres Managers Mario Widmer erst Mitte September von der positiven A-Probe erfahren und weitere „zwei oder drei Wochen“ später von der ebenfalls positiven B-Probe. Bei ihrer Beichte auf einer Pressekonferenz am Donnerstagabend bemühte Hingis wie schon öfter in der Doping-Szenerie den großen Unbekannten: Die 27-Jährige schloss nicht aus, dass ihr jemand in bösartiger Absicht das Kokain untergemischt habe.

Der Routinetest des bei Grand-Slam-Turnieren verantwortlichen Internationalen Tennisverbandes (ITF) wurde bei Hingis nach deren Drittrunden-Niederlage gegen die Amerikanerin Laura Granville vorgenommen. Die ehemalige Nummer eins bemängelte „Unregelmäßigkeiten“ bei der Urinprobe: „Mein Anwalt ist zudem überzeugt, dass die Kontrolleure im Verfahren Fehler gemacht haben und nicht beweisen können, dass der Urin mit den Kokainspuren auch tatsächlich das Urin ist, den ich in Wimbledon ablieferte.“

Eine ITF-Kommission entscheidet nun, ob es zu einer Doping-Anklage kommt. Nach Ansicht des Hingis-Anwalts ist aber die Möglichkeit groß, dass der Fall fallen gelassen werde.

Haarprobe belegt gar nichts

Eine von Hingis abgelieferte und nach eigenen Angaben „natürlich“ negative Haarprobe hilft der fünfmaligen Grand-Slam-Siegerin nicht weiter. Haarproben werden von Sportverbänden und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nicht anerkannt. Nach Ansicht des Schweizer Olympia-Arztes Beat Villiger widerlegt „das Resultat der Haarprobe die positive Kontrolle in keiner Weise“.

Eine positive Urinprobe bedeutet, dass ein Kokainkonsum innerhalb der letzten drei bis vier Tage vorher erfolgt sei, so Schweizer Gerichtschemiker.

Kokain kann im Tennissport durchaus leistungsfördernd sein: Es hilft bei Zeitumstellungen, fördert das Selbstbewusstsein und kann beim Spiel zwischen den weißen Linien eine künstliche Euphorie erzeugen. Mats Wilander (Schweden), der wie Hingis ebenfalls die Nummer eins der Tenniswelt war, wurde 1995 wegen Kokain-Dopings gesperrt.

Im Fall von Hingis aber wäre das Kokain alles andere als stimulierend gewesen: Gegnerin Granville war damals nur die Nummer 77 der Welt. Seit Oktober 2002 hatte Hingis nicht mehr gegen eine so schlecht plazierte Konkurrentin verloren.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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