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Tennis Heimat auf Platz Nummer sieben

10.05.2006 ·  Alexander Waske schlägt als Tennisprofi in aller Welt auf. Seine Wurzeln beim SC 1880 Frankfurt hat er deshalb nicht vergessen. Seine Heimat ist Platz sieben.

Von Daniel Schleidt
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Die Erinnerung ist noch nicht eingeschlafen. Alexander Waske hat seine Tennistasche wie einen Rucksack auf die Schultern geschnallt und spaziert über die Tennisanlage des Sportclubs 1880 Frankfurt. Allzuoft ist er nicht mehr hier, jedenfalls nicht mehr annähernd so häufig wie früher. Doch wenn er, der Tennisprofi, der das Jahr über die ganze Welt bereist, so an den Tennisplätzen seines Heimatklubs vorbeischlendert, dann wird schnell klar:

Alexander Waske hat seine Wurzeln nicht vergessen. „Hier“, sagte Waske und zeigt mit dem Finger auf einen der roten Sandplätze, „hier hat immer mein Laufstall gestanden.“ Schon als kleines Kind haben ihn seine Eltern mitgenommen auf die Anlage der „Achtziger“. „Mein Vater wollte Tennis spielen, also hat er mich in dieser Zeit in den Laufstall gesetzt.“

Seit mehr als 30 Jahren Tennisspieler

Sein Vater Andreas spielt auch an diesem sonnigen Tag Tennis. „Und, wie läuft's?“ ruft ihm sein Sohn zu. „4:5 im ersten Satz“, antwortet der Vater. „Das drehst du noch“, erwidert der Filius. Andreas Waske ist seit mehr als 30 Jahren aktiver Tennisspieler beim Sportclub, schlägt dieses Jahr mit den Herren 60 in der Hessenliga auf. Die Frage der Herkunft des Tennistalents von Sohn Alexander, 31, wäre somit geklärt. Natürlich bekam der kleine Alexander seinerzeit selbst schnell Lust aufs Tennis. Mit zwei Jahren hatte er zum ersten Mal den Schläger in der Hand, und die Geschichte von damals erzählt er immer wieder gern:

Er ging mit seinem Vater auf den Platz, und der wollte ihm auf einer Platzhälfte einige Bälle zuwerfen. „Doch ich weigerte mich zu schlagen“, erzählt Waske, und ein Lächeln huscht über sein braungebranntes Gesicht. Der Junge wollte „richtig“ Tennis spielen, und erst, als der Vater von der anderen Seite des Netzes die Bälle warf, schlug Klein-Alexander zu. Das war der Anfang einer Karriere, die ihn zu einem bekannten Mann gemacht hat.

Inzwischen ist Alexander Waske ein etablierter Spieler auf der ATP-Profitour, aktuell wird er in den Einzelweltrangliste auf dem 91. Platz geführt. Bundesweit hat er vor allem durch sein couragiertes Auftreten in den Reihen der Davis-Cup-Mannschaft für Aufsehen gesorgt und sich dank starker Leistungen im Doppel einen Stammplatz im Davis-Cup-Kader von Teamchef Patrik Kühnen erspielt. Überhaupt ist 1,87 Meter große Waske ein starker Doppelspieler. So hat er kurz vor Ostern in Houston an der Seite von Michael Kohlmann sein erstes ATP-Turnier gewonnen.

„Mach weiter so“

Doch Alexander Waske ist kein Mensch, der deshalb Starallüren hätte. Beim Gang über die Anlage des Sportclubs 80 grüßt er hier, hält dort ein Schwätzchen oder schaut beim Jugendtraining zu. In der Gaststätte im mondänen Klubhaus kommen immer wieder Menschen an den Tisch, die ihm die Hand schütteln wollen. Teilweise sind das Tennisfans, die sich freuen, den Tennisstar hautnah erleben zu dürfen. Doch teilweise handelt es sich auch um Weggefährten aus alten Tagen. Manch einer von ihnen wundert sich, wenn Waske sie mit Namen begrüßt.

„Viele Menschen glauben, ich hätte sie vergessen. Doch das ist nicht so“, sagt Waske und liefert innerhalb einer Stunde zahlreiche Beispiele dafür. Gudrun Klotzek ist eine Frau, die er in Erinnerung behalten hat. „Sie hat damals unsere Jugendmannschaft betreut“, erzählt er - und wenige Augenblicke später steht sie vor ihm. „Mein Zögling“, ruft sie strahlend. „Ich bin sehr zufrieden mit dir, mach weiter so“, und Waske bedankt sich freundlich für die guten Wünsche.

Die Wurzeln zum Heimatverein sind Waske wichtig. „Viele der Leute hier kennen mich seit 30 Jahren, die haben mich schon als Baby auf dem Schoß gehabt.“ So manch einer habe eine Menge Zeit investiert, um die Jugendlichen des Klubs im allgemeinen und ihn im speziellen zu fördern. „Vor diesen Leuten habe ich unheimlich viel Respekt“, sagt er, deshalb versuche er, etwas zurückzugeben, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Wenn ein Jugendlicher danach fragt, dann stellt er sich auch schon mal zehn Minuten mit ihm auf den Tennisplatz. „Ich durfte selbst als Kind mal mit Horst Skoff oder Patrik Kühnen spielen, als die noch hier waren“, erinnert er sich, „das war Motivation für Wochen.“

Erholungswochen in Frankfurt

Als Weltreisender mit Tennisgepäck kehrt er nicht häufig nach Frankfurt zurück. Doch Waske, dessen Elternhaus weniger als einen Kilometer von der Tennisanlage entfernt ist, braucht die Erholungswochen in Frankfurt. „Das hier ist meine Homebase, hier kann ich meinen Akku aufladen“, sagt er. Als er zu College-Zeiten in der Vereinigten Staaten spielte, hingen immer zwei Poster in seinem Zimmer, eines zeigte die Alte Oper, eines die Frankfurter Skyline. Und schon damals galt: Eine Nacht bei Muttern, das ist mehr wert als eine Woche im Hotel. Hier ist seine Familie, hier hat er Zeit für seine Freundin, hier kann er Kumpels treffen. Kumpels, die zu einem Großteil aus dem Tennis stammen.

Schließlich hat er auf der weitläufigen Anlage der Achtziger wohl mehr Zeit seiner Kindheit verbracht als zu Hause. Alexander Waske steht auf der Tribüne des Klubheims und schaut hinüber zu dem kleinen Tor, das zu einem Fußweg Richtung Miquelallee führt. Dieses Tor ist Teil seiner Erinnerung. Jeden Tag schwang er sich nach der Schule auf sein Fahrrad und fuhr hierher. Als er das kleine Tor erreichte, sah er Denis Holy, Sohn des damaligen Klubwirtes, schon auf dem Balkon des Vereinsheims stehen.

„Dann sind wir auf den Acker gegangen, erster Doppelfehler frei, und haben ohne Einspielen direkt losgelegt“, immer das gleiche Spiel, und immer auf dem „Siebener“. Platz Nummer sieben, das war damals seine zweite Heimat. Heute liegt der „Siebener“ immer noch dort und hält Waskes Erinnerung am Leben - als sei das alles erst gestern gewesen.

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