Weil alle Welt gebannt auf die Rasenplätze in Südafrika blickt, gehen die Ergebnisse auf den anderen Grüns derzeit etwas unter. Das ist aus Sicht der deutschen Tennisprofis ein wenig bedauerlich, haben sie sich doch in den vergangenen Tagen auf den Rasenplätzen von Halle und London recht respektabel geschlagen.
Drei deutsche Spieler standen am Samstag in Ostwestfalen und England im Halbfinale, was eine Woche vor dem Start des Wimbledon-Turniers eine erfreuliche Bilanz ist. Für einen Endspieleinzug hat es allerdings für Benjamin Becker und Philipp Petzschner in Halle sowie Rainer Schüttler in London nicht gereicht. Allerdings zeigten die drei ansprechende Leistungen und unterlagen allesamt Spielern, die in der Weltrangliste deutlich besser eingestuft werden.
29 Stunden bevor die Mannschaften aus Deutschland und Australien in Durban im Fußball aufeinandertrafen, gewann Lleyton Hewitt zunächst den Ländervergleich im Tennis. Allerdings machte ihm der Mettlacher Benjamin Becker das Leben 143 Minuten lang ziemlich schwer, bis der 29 Jahre alte Australier das erste Halbfinalspiel in Halle 6:7 (4:7), 7:6 (7:3) und 6:2 gewann. „Der zweite Tiebreak hat den Unterschied gemacht. Dort habe ich zwei ,Big Points‘ verloren“, sagte Becker: „Im dritten Satz hat er dann seinen Rhythmus gefunden. Wenn er sich in ein Match zurückkämpfen kann, wird es gegen Lleyton immer schwierig.“
Federer will in Halle das 30. Spiel in Folge gewinnen
Im zweiten Halbfinale wusste Petzschner beim 6:7 (3:7) und 4:6 mehrfach den Weltranglistenzweiten Roger Federer mit seinem Service und seiner wuchtigen Vorhand in Bedrängnis zu bringen. Im ersten Durchgang schlug der 26 Jahre alte Bayreuther beim Stand von 5:4 sogar zum Satzgewinn auf, gab aber seinen Service ab und verlor kurz danach den Tiebreak. Am Ende des 92 Minuten dauernden Matches hatte Federer sein 29. Spiel nacheinander in Halle gewonnen. Nummer dreißig könnte für den Schweizer an diesem Sonntag im Finale gegen Hewitt folgen.
Beim Rasenturnier im Londoner Queens Club konnte Schüttler als Weltranglisten-82. das Match gegen den Amerikaner Sam Querrey lange offenhalten, musste sich aber dem 59 Plätze höher eingestuften letztlich 7:6 (11:9), 5:7 und 3:6 geschlagen geben. Immerhin hatte der Korbacher, mit 34 Jahren der älteste Profi auf der ATP-Tour, erstmals seit einem Jahr wieder ein Halbfinale erreicht.
Das letzte Mal war es ihm im niederländischen ’s-Hertogenbosch gelungen – ebenfalls auf Rasen. Querrey hat nun die Chance, seinen dritten Titel der Saison zu gewinnen. Dafür muss der Zweiundzwanzigjährige aber seinen Landsmann Mardy Fish schlagen, der durch einen 6:3- und 6:4-Erfolg über den Nadal-Bezwinger Feliciano Lopez (Spanien) ins Endspiel von Queens einzog.