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Tennis Der Tank ist leer

Angelique Kerber verliert auch ihr drittes Gruppenspiel bei der Tennis-WM in Istanbul und scheidet aus. Maria Scharapowa und Serena Williams erreichen das Halbfinale.

© dpa Vergrößern Nicht mehr genug Kraft zum Finale: Angelique Kerber

Am Ende sah es so aus, als wolle sie den Wagen, der mit leerem Tank stehengeblieben war, den Berg hinauf schieben. Doch der Berg war zu steil, und der Wagen war zu schwer. Mit müden Knochen, aber sehenswerter Moral verlor Angelique Kerber ihr letztes Spiel bei den WTA Chamionships in Istanbul gegen Chinas Li Na (4:6, 3:6), und damit ist die Saison für Deutschlands Nummer beste Tennisspielerin des Jahres 2012 nun offiziell vorbei.

Die Anstrengungen des spektakulären Spiels am Abend zuvor, in dem sie gut drei Stunden auf einer Ebene mit Victoria Asarenka gespielt und das sie schließlich in drei Sätzen nach 3:06 Stunden 7:6, 6:7, 4:6 verloren hatte, machten ihr weniger als zwanzig Stunden später noch sichtlich zu schaffen.

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Was in den aufregenden Stunden zum Sieg gegen die Weltranglistenerste gefehlt hatte? Schwer zu sagen. Bei zwei Matchbällen kann es nicht allzu viel gewesen sein. Nicht sie hatte diese Matchbälle vergeben, Asarenka hatte sich mit aller Kraft und einer sehenswerten Portion Mut gewehrt – im Stil einer wahren Nummer eins. Kerber hatte völlig Recht, als sie hinterher meinte, sie habe alles versucht, sie müsse sich nichts vorwerfen.

Es wäre ihr erster Sieg gegen die Weißrussin gewesen, aber sie bekam auch so Lob von allen Seiten für ihren Beitrag zu einem Spiel, das zu den besten des Jahres gehörte und auf schnörkellose, aber dennoch mitreißende Art Werbung fürs Frauentennis machte. Es besser und deutlich billiger als jede in Hochglanz inszenierte Werbekampagne der WTA.

Tennis WTA Championships in Istanbul Spiel 2 war so anstrengend, dass in Spiel 3 nicht mehr viel ging © dpa Bilderstrecke 

Zu den Erkenntnissen, die Angelique Kerber im kommenden Jahr helfen könnten, gehört sicher, was ein starker Aufschlag wert sein kann. Der Aufschlag, vor allem der zweite, gehört gewöhnlich nicht zu ihren Stärken, aber acht Asse wie gegen Asarenka wären in jedem Spiel eine große Hilfe.

Der neue Tag hatte längst begonnen, als sie den Sinan Erdem Dome nach einer langwierigen Doping-Kontrolle schließlich erst um 4 Uhr verließ, und bis sie einschlafen konnte, war die Sonne über dem Bosporus fast schon wieder aufgegangen. Es wäre eine große Überraschung gewesen, wenn ihr das Spiel und die kurze Nacht in der Begegnung mit Li Na nicht noch in den Knochen gesteckt hätte. Die Konstellation war klar: Nur ein Sieg gegen die Chinesin konnte ihr helfen, um das Halbfinale zu erreichen, und selbst damit wäre sie auf die Hilfe der anderen angewiesen gewesen.

Obwohl sie relativ schnell in Führung ging, war es nicht zu übersehen, dass sie sich diesmal nicht auf ihren Aufschlag verlassen konnte. Es fehlte ihr die Frische, um sich vom Boden abzustoßen, und so wurde die Sache ziemlich schwer. Mit dem sechsten Doppelfehler kassierte sie das entscheidende Break zum 4:6, im ersten Satz, geriet danach im zweiten schnell in Rückstand, und obwohl sie beim Stand von 1:5 noch mal alle Kraft bündelte und sich wehrte, nützte all das nichts mehr. Mit einem Ass zum 6:4, 6:3 beendete Li Na das Spiel, Kerber gratulierte, packte zum letzten Mal in diesem Jahr die Tasche und machte sich auf den Weg zum Ausgang.

Am Abend zuvor hatte sie gesagt: „Ich glaube, dass die Gegnerinnen jetzt Respekt vor mir haben. Und ich glaube auch, ich habe bewiesen, dass ich hierher gehöre.“ Alles richtig, kein Widerspruch. Im kommenden Jahr werden die WTA-Championships noch einmal in Istanbul stattfinden, und nachdem sie nun weiß, wie es sich anfühlt, Mitglied dieses elitären Kreises zu sein, wird sie alles daran setzen, wiederzukommen.

Scharapowa und Williams weiter

Zu denen, die noch ein paar Tage am Bosporus bleiben werden, gehört Maria Scharapowa. Die Russin zog mit ihrem Sieg in drei Sätzen gegen Agnieszka Radwanska (5:7, 7:5, 7:5) nach 3:25 Stunden ebenso ins Halbfinale ein wie Serena Williams, die am Donnerstag auch ihr drittes Match gegen Asarenka mit 6:4, 6:4 gewann.

Nachdem Scharapowa den Matchball verwandelt hatte, war es Viertel nach zwei in der Nacht, und passender Weise verabschiedete sie sich von den letzten treuen Fans in der Halle mit den Worten: „Guten Morgen, Istanbul“.

Quelle: FAZ.NET

 
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