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Tennis Chinesische Revolution in Roland Garros

 ·  Historischer Triumph in Paris: Die Chinesin Li Na gewinnt die Damen-Konkurrenz der Offenen französischen Tennismeisterschaften und holt den ersten Grand-Slam-Titel nach China. Im Finale besiegt sie Titelverteidigerin Francesca Schiavone aus Italien.

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An diese Bilder und Töne wird sich die Welt erst gewöhnen müssen: Eine Chinesin hält eine der wichtigsten Tennistrophäen in die Höhe, die chinesische Hymne erklingt in einem der größten Tennisstadien der Welt. Li Na, seit Jahren die beste asiatische Spielerin und Vorreiterin des Sports in ihrer Heimat, hat beim kurios verlaufenen Damenwettbewerb der French Open den passenden Schlusspunkt gesetzt und als erste asiatische Spielerin eines der vier Grand-Slam-Turniere gewonnen. Mit einem 6:4 und 7:6 (7:0) entthronte sie die Vorjahressiegerin Francesca Schiavone.

So ganz aus heiterem Himmel kam der Coup nicht, hatte Li Na doch schon bei den Australian Open 2010 im Halbfinale und 2011 im Finale gestanden. Als Bonus durfte die Neunundzwanzigjährige nicht nur 1,2 Millionen Euro an Siegprämie mit nach Hause nehmen, sondern sie wird am Montag in der Weltrangliste auf Platz vier vorrücken. „Ich war sehr nervös, wollte es aber nicht zeigen“, sagte Li Na nach ihrem Triumph von Roland Garros.

„Danke für die Unterstützung“, rief sie in ihrer Siegerrede all jenen Chinesen zu, die daheim millionenfach vor den Fernsehgeräten saßen. Schon ihren Halbfinalsieg gegen die Russin Maria Scharapowa hatten im Schnitt vierzehn Millionen Landsleute aus der Ferne verfolgt, den Matchball sahen sogar 25 Millionen. „Als ich jung war, hatte ich kaum Gelegenheit, Turniere im Fernsehen zu schauen“, sagte die Neunundzwanzigjährige, die sich als Botschafterin fühlt: „Ich wünsche mir, dass Tennis in China immer wichtiger wird.“

So ganz ohne internationale Hilfe kam ihr Erfolg aber nicht zustande, hatte Li Na doch kürzlich ihrem Ehemann den Trainerjob gekündigt und den Dänen Michael Mortensen angeheuert (siehe: French-Open-Finalistin Li Na: Laufpass für den Trainergatten). „Sie hat sehr gut gespielt und verdient gewonnen“, sagte die fast 31 Jahre alte Italienerin Francesa Schiavone, die im Duell der reifen Tennisdamen unterlegen war.

Historischer Triumph

Beide Spielerinnen versuchten, ihre Stärken gewinnbringend einzusetzen: auf der einen Seite die Chinesin, die den Ball gerne hart und flach spielt, auf der anderen Seite die Italienerin, die Taktik und Tricks des Sandplatztennis auf dem Effeff beherrscht. Li Na, die in ihrer Heimat auf Hardcourts groß geworden ist, hat sich zwar den Gegebenheiten des europäischen Kontinents erfolgreich angepasst und kurz vor ihrem Pariser Triumph schon die Halbfinals von Rom und Madrid erreicht - aber angenehm findet sie die Spielweise der anderen nicht: „Mal Topspin, mal einen Stopp - ich hasse es, wenn ich laufen und schlagen muss“, sagte die Chinesin.

So weit ließ es Li Na am Samstag aber nur selten kommen. Sie versuchte meistens erfolgreich, die Ballwechsel so kurz und damit das Gerenne so gering wie möglich zu halten. Ihre ersten beiden Breakbälle musste sie sich dennoch erkämpfen, nach einem Stopp der Italienerin. Zwei Ballwechsel später hatte Li Na ihrer Gegnerin den Aufschlag abgenommen, das genügte, um den ersten Satz zu gewinnen.

Gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs durchbrach die Chinesin wieder den Service ihrer Gegnerin, diesen Vorteil verspielte sie aber, so dass erst nach dem Tiebreak der historische Triumph feststand.

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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