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Tennis am Rothenbaum Fast wunschlos glücklich

 ·  Das ATP-Turnier am Rothenbaum wird dank der Zugpferde Federer und Haas zum Publikumsrenner. Im Finale stehen sie zwar nicht. Turnierdirektor Stich ist dennoch zufrieden. Nur eine „kleine Baustelle“ gibt es noch.

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© dpa Vergrößern Turnierdirektor Michael Stich freut sich mit Sieger Fabio Fognini

Nur ein einziger Wunsch blieb Michael Stich verwehrt - das Finale sah anders aus als erhofft. Statt Roger Federer und Tommy Haas standen sich Federico Delbonis aus Argentinien und der Italiener Fabio Fognini am Sonntagnachmittag im Endspiel des ATP-Turniers in Hamburg gegenüber. Ausverkauft war das Stadion trotzdem, wieder strömten rund 7500 Zuschauer auf die Anlage am Rothenbaum. Der Turnierdirektor strahlte mit der Sonne um die Wette, wie die ganze Woche.

„Ich empfinde totale Erleichterung und auch Stolz“, sagte Michael Stich zum Abschluss des sportlich bedeutendsten und traditionsreichsten deutschen Tennisturniers, „wir hatten ein Topfeld und in Roger Federer und Tommy Haas zwei Zugpferde, die dazu beigetragen haben, dass die Wahrnehmung noch größer war.“ Im Endspiel setzte sich schließlich Fognini durch, der im zweiten Satz drei Matchbälle abwehrte und eine Woche nach seinem Sieg in Stuttgart durch das 4:6, 7:6 (10:8), 6:2 schließlich auch in Hamburg gewann.

Für das Finale, so einfach ist es im Sport manchmal, waren die beiden Stars nicht gut genug. Haas war schon am Freitag im Viertelfinale an Fognini gescheitert. Der Italiener wird an diesem Montag erstmals unter den besten 20 Spielern der Welt stehen, und hinter Rafael Nadal ist er in diesem Jahr der erfolgreichste Sandplatzspieler. Die Niederlage von Haas war deshalb keine große Überraschung, das Ausscheiden von Federer dagegen schon.

Er war am Samstag im Halbfinale am Qualifikanten Delbonis, auf Rang 114 der Weltrangliste plaziert, durch ein 6:7 (7:9) und 6:7 (4:7) gescheitert. Damit verlor der langjährige Weltranglistenerste nach dem Aus in Wimbledon gegen Sergej Stachowski (Rang 116) zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen gegen einen Spieler jenseits der Position 100 im ATP-Ranking. Und wieder kam natürlich auch in Hamburg das Gerede von der „Götterdämmerung“ auf. Federer betonte: „Ich habe das Gefühl, dass ich noch einmal zurückkehre.“

„Immerhin konnte ich vier Matches spielen“

Natürlich war er enttäuscht, sein Spiel mit dem neuen Schläger war aber zu fehlerhaft, er strahlt nicht mehr die Aura der Unbesiegbarkeit aus. Die Gegner treten ihm mit dem Willen gegenüber, das Spiel zu gewinnen - undenkbar noch vor wenigen Monaten. Dennoch ist der bald 32 Jahre alte Schweizer entschlossen, die Kurve zu kriegen.

In der nächsten Woche schlägt er in Gstaad auf, also versuchte er, Positives aus der Hamburg-Woche mitzunehmen: „Immerhin konnte ich vier Matches spielen und drei enge Partien gewinnen, das hilft mir sehr.“ Er scheiterte an einem Spieler, der in der Hansestadt das beste Tennis seines Lebens spielte und mit seiner extremen Topspin-Vorhand und starkem Aufschlag wie in einem irrealen Traum von Sieg zu Sieg eilte.

Die Rückkehr von Federer nach Hamburg, wo er zuletzt 2008 gespielt hatte, war ein entscheidender Bonus für Michael Stich, der mit seinem Partner Detlef Hammer das Turnier seit 2009 ausrichtet. Erstmals nach der Rückstufung vom einstigen 1000er-Status und der Terminverschiebung in den Sommer fand ein absoluter Topstar der Weg in die Hansestadt, natürlich dem frühen Aus in Wimbledon geschuldet.

Federer gab den zusätzlichen Push, das Wetter tat ein Übriges. 75.000 Zuschauer kamen auf die Anlage, 20.000 mehr als im Vorjahr. „Das Schöne war, dass sie sich wirklich alles angeguckt und auch die Leistungen der anderen Spieler gewürdigt haben“, sagte Stich, „wir haben wirklich Topleistungen gesehen.“

„Ich sehe nur noch eine kleine Baustelle“

Die Woche bot beste Werbung für die Veranstaltung. Zum Abschluss verkündete auch noch der Hauptsponsor (bet-at-home), dass er seinen Vertrag um zwei Jahre bis 2015 verlängert und sich auch in Zukunft am Antrittsgeld für einen Topspieler wie in diesem Jahr Federer finanziell beteiligen wird. Dann ließ der Unternehmenssprecher Claus Retschitzegger noch eine Überraschung raus: „Ich sehe nur noch eine kleine Baustelle, und das ist die europäische und nationale TV-Präsenz“, erklärte er, „aber es gab sehr gute Gespräche mit dem Sender Eurosport, der seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt hat, das Turnier in Zukunft live zu übertragen“.

Angesichts all dieser Erfolgsmeldungen gerieten die Streitereien mit dem Deutschen Tennis-Bund (DTB) weitgehend in den Hintergrund. Der DTB ist zwar Lizenzinhaber des Turniers, trat aber offiziell nicht auf, Präsident Karl-Georg Altenburg wollte sich auch auf Anfrage nicht äußern. In der Turnierwoche war er mal in Hamburg, es gab auch ein Gespräch mit Stich, doch dabei soll es keinerlei Annäherung gegeben haben.

Das Verhältnis bleibt irgendwo zwischen angespannt bis nicht existent. Zuletzt war der Streit im Frühjahr eskaliert, nachdem sich der DTB ohne Rücksprache mit Stich bei der ATP mit Hamburg um ein Rasenturnier ab 2015 beworben hatte. Auch die vergleichsweise niedrige Lizenzgebühr, die das alte DTB-Präsidium in seiner finanziellen Not 2008 vereinbarte, ist Altenburg ein Dorn im Auge. Bis 2018 jedenfalls haben Stich und Hammer das Austragungsrecht, und sie sind entschlossen, es wahrzunehmen und das Turnier weiterzuentwickeln: „Wir wollen immer besser werden.“

Bei der ATP, die regelmäßig alle Turniere und ihren Status überprüft, haben sie jedenfalls in diesem Jahr deutlich gepunktet. Altenburgs Amtszeit endet im Herbst 2014, sollte der Konflikt bis dahin weiter eskalieren, ist es nicht ausgeschlossen, dass Stich selbst in den Wahlkampf um den Präsidentenposten eingreift. Hinter den Kulissen jedenfalls sollen schon Mehrheiten gesucht und Meinungen gebildet worden sein. So oder so bleibt es spannend im deutschen Tennis.

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