Nach Regen, Tristesse und bitteren Pleiten haben Nicolas Kiefer und Thomas Haas im „herbstlichen“ Wimbledon für einen Sonnentag des deutschen Tennis gesorgt. Die beiden Rekonvaleszenten, die es nach langer Verletzungszeit bei den All England Championships „einfach nur versuchen“ wollten, kämpften sich am Donnerstag mit eisernem Willen und erstaunlicher Spielstärke in die dritte Runde.
Dort sind die beiden Aushängeschilder die Alleinunterhalter der 14- köpfigen deutschen Equipe, weil sich am Donnerstag in London auch Florian Mayer, Debütant Michael Berrer und die verletzte Martina Müller vom „Heiligen Rasen“ verabschiedeten. (Siehe auch: Tennis: Ergebnisse von den ATP-Turnieren).
Kiefer abwechslungsreich
Überlegt und doch aggressiv setzte sich der Hannoveraner Kiefer mit 6:4, 6:3, 6:4 gegen „Schnibbel-König“ Fabrice Santoro durch. „Fabrice ist mein Lieblingsgegner“, hatte Kiefer vor seinem dritten Match nach 373 Tagen Verletzungspause angekündigt. Er habe gegen den Franzosen, der auch die Vorhand im Bedarfsfall beidhändig spielt, von sieben Partien zwar nur die letzte 2006 in Miami gewonnen, doch „es waren immer intelligente Spiele.“
Ob die Begegnung auf dem unruhigen Nebenplatz Nummer acht diesen Ansprüchen genügte, sei dahingestellt. Abwechslungsreich und vor allem erfolgreich für den starken Kiefer war sie allemal. „Es wird immer besser“, sagte der Hannoveraner. „Heute habe ich schon viel besser aufgeschlagen und returniert. Und auch mein Aufschlag war sehr gut.“ Nächster Gegner wird nun am Samstag der an Nummer vier gesetzte Serbe Novak Djokovic sein, der als Aufsteiger des Jahres auf der ATP-Tour gilt.
Becker-Hechte von Haas
Haas, der nach siebenwöchiger Verletzungspause erst sein zweites Match überhaupt bestritt, kam gegen den Tschechen Tomas Zib zu einem 6:3, 7:6 (7:5), 6:4-Erfolg, der die rund 2000 Zuschauer streckenweise zu Beifalls-Stürmen hinriss. In bester Becker-Manier hechtete der top-motivierte Hamburger nach Bällen, die er in früheren Jahren noch hätte passieren lassen. „Ich habe einen tierischen Muskelkater in der Schulter“, sagte Haas. „Aber ich habe keine Schmerzen mehr; das ist das Wichtigste.“ Nur eine kurze Schwächephase zu Beginn der Partie, die tags zuvor im Dauerregen nach dem ersten Durchgang unterbrochen worden war, leistete sich der beste deutsche Tennisprofi - doch dann lief alles wie geschmiert.
Der Weltranglisten-Zehnte Haas erwartet in der dritten Runde an diesem Freitag ein Duell mit Dimitri Tursunow, der Michael Berrers Debüt mit einem 4:6, 6:4, 6:4, 6:4-Erfolg ein Ende bereitete. „Er ist unberechenbar, da muss ich auf der Hut sein. Wenn er einen guten Tag erwischt, kann er einen auch vom Platz schießen. Ich darf ihn nicht in seinen Rhythmus kommen lassen“, sagte Haas, der sich vorgenommen hat, „cool zu bleiben und die sich bietenden Chancen zu nutzen“.
Federer könnte auf Haas treffen
Sollte er die Hürde Tursunow meistern, käme es aller Voraussicht nach zum Duell mit Titelverteidiger Roger Federer aus der Schweiz, der nach einem 6:2, 7:5, 6:1 gegen den Argentinier Juan- Martin del Potro nun auf den Russen Marat Safin trifft. (Siehe auch: Wimbledon: Federerleicht auf Rasen ).
Florian Mayer enttäuschte bei seiner 6:3, 3:6, 6:7 (3:7), 6:2-Niederlage gegen den Finnen
Jarkko Nieminen. Die an Nummer 32 gesetzte Martina Müller gab ihre Zweitrundenpartie gegen die Polin Agnieszka Radwanska beim Stand von 1:6, 0:4 wegen Schmerzen im linken Oberschenkel auf.
Alarmstufe Rot wegen Golovin
Als Nebenschauplatz zwang die Unterhose der Französin Tatiana Golovin die Schiedsrichter bei dem traditionsbewussten Turnier zu einem ausführlichen Blick ins Regelbuch. Doch der aufblitzende Farbtupfer unter ihrem Tennis-Dress verletzt die Vorschrift der „überwiegend weißen“ Bekleidung nicht - da das Höschen oberhalb des Rocksaumes endet und damit als Unterwäsche und nicht etwa als Shorts gilt.
In den englischen Boulevardmedien tauchte Golovin nach ihrem Erstrundensieg gegen Hsieh Su-wei (Taiwan) prompt in den Schlagzeilen auf. „Rot steht für Stärke und Selbstbewusstsein“, erklärte sie entspannt in der Pressekonferenz. Sie wolle die rote Hose weiterhin tragen und versicherte, mehr als eine dabei zu haben. Allerdings erledigte sich das Problem in der zweiten Runde: Die an Nummer 17 gesetzte Französin unterlag am Donnerstag überraschend der Österreicherin Tamira Paszek mit 2:6, 6:3, 1:6.
Paarungsbereit
(Gaenger)
- 28.06.2007, 18:34 Uhr