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Veröffentlicht: 18.06.2017, 22:16 Uhr

America’s Cup Das große Rätsel des Teams Oracle

Auch am zweiten Finaltag im Duell um die älteste Sporttrophäe der Welt segelt der Titelverteidiger aus Amerika hinterher. Neuseeland gewinnt vor Bermuda die dritte und vierte Regatta – und übersteht eine Schrecksekunde unbeschadet.

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© EPA Schnell, aber nicht schnell genug: Das Team Oracle steht beim America’s Cup vor einem Rätsel

Auf der offiziellen Pressekonferenz etwa eine Stunde nach dem zweiten Zieleinlauf des Tages hatte sich Jimmy Spithill bereits wieder etwas gefangen. Ruhig und geduldig beantwortete der Skipper des Oracle-Teams aus den Vereinigten Staaten die Fragen der wartenden Journalisten – und verbreitete sogar etwas Optimismus: „Wir haben jetzt fünf ganze Tage Zeit, uns neu aufzustellen. Das ist ziemlich lang. Ich verspreche, wir werden sie nutzen“, erklärte der 37 Jahre alte Australier nach der vierten Niederlage des Titelverteidigers im vierten Finalrennen gegen das Team New Zealand um den 35. America's Cup.

Sebastian Reuter Folgen:

Dabei wirkte Spithill kurz zuvor an Bord des Oracle-Katamarans noch ziemlich ratlos. Abermals hatte ihn sein elf Jahre jüngerer Kontrahent – der erst 26 Jahre alte Olympiasieger Peter Burling – als Steuermann der Neuseeländer im Duell um die begehrteste Silberkanne im Segelsport gleich doppelt deklassiert und den Amerikanern auch in der dritten und vierten Regatta vor der Küste Bermudas keine Chance gelassen. Nachdem Oracle die vor zwei Wochen ausgetragene Qualifikationsrunde für sich entschied und dadurch das Team New Zealand mit einem Minuspunkt belegten, liegt er Titelverteidiger derzeit also „nur“ 0:3 zurück.

Neuseeland zieht wieder zweimal früh davon

Zwar lagen Spithill und seine Crew – die am ersten Finaltag am Samstag einen Frühstart produziert und den zweiten Start verloren hatte – am Sonntag beim Überqueren der Startlinie beide Male zumindest gleichauf mit den Neuseeländern. Genutzt hat es ihnen dennoch nichts. In beiden Rennen zogen die Neuseeländer, welche die Energie für ihre hydraulisch betriebenen Steuerungssysteme im Gegensatz zu den anderen Teams tretend statt kurbelnd erzeugen, bereits auf dem Weg zur ersten von sieben zu umrundenden Tonnen den Amerikanern davon. Bei etwas stärkerem Wind als noch am Tag zuvor baute die Burling-Crew ihre Vorsprünge zeitweise auf mehr als eine Minute aus und brachte ihre beiden Siege – anders als noch am Samstag – auch nicht mehr durch Unkonzentriertheiten kurz vor dem Ziel, in Gefahr. Für eine Schrecksekunde sorgte lediglich die Fast-Kollision der beiden kreuzenden Katamarane, als die Neuseeländer erst kurz vor dem Crash noch ausweichen konnten.

© Twitter

Im Vergleich zum Oracle-Team hat der Herausforderer jedoch fast immer die höhere Endgeschwindigkeit und verliert auch bei den zahlreichen zu segelnden Manövern deutlich weniger an Tempo. Es wird deutlich – die Neuseeländer haben ihre Hausaufgaben gemacht: Während sie in den vergangenen zwei Wochen sowohl bei fast völliger Flaute als auch bei starkem Sturm – welcher sie in einem Rennen gar zum Kentern brachte – ihre Erfahrungen sammeln und sich stetig verbessern konnten, lag der letzte Wettkampf des Titelverteidigers bis zu diesem Samstag fast zwei Wochen zurück.

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Ein Fakt, der auch Burling nicht entgangen ist – und welcher den Neuseeländern Selbstvertrauen für die weiteren Rennen gibt: „Vier Punkte haben wir, vier brauchen wir noch. Wir sind froh, dass wir bislang so gut in der Spur sind. Aber wir machen uns keine Illusionen darüber, was noch kommen kann“, erklärte der als Jahrhunderttalent bezeichnete Skipper aus dem Norden Neuseelands mit Blick auf die historische Niederlage seiner Landsmänner im America's-Cup-Finale vor vier Jahren. Damals gab die Crew um Steuermann Dean Barker eine 8:1-Führung noch her und Oracle durfte nach acht gewonnenen Rennen in Serie am Ende doch noch durch einen 9:8-Sieg die älteste Sporttrophäe der Welt behalten.

Das Duell der zweimaligen Cup-Gewinner aus Neuseeland gegen die Cup-Supermacht Amerika, welche die Trophäe in den vergangenen 166 Jahren insgesamt 29 Mal gewinnen konnte, geht nun in eine mehrtägige Pause und wird am nächsten Samstag (19 Uhr / Live auf Sky und Servus TV) mit den nächsten beiden Regatten fortgesetzt. Der Kampf um die wichtigste Trophäe des internationalen Segelsports endet, wenn ein Team sieben Pluspunkte erreicht hat.

© Youtube
Der 35. America`s Cup im Überblick

Modus: Nach Qualifikationsrunden mit sechs Booten kommt es zum Zweikampf beim Finale beim America`s Cup. Dabei trifft Titelverteidiger Oracle Team USA auf Team New Zealand. Beide standen sich schon bei der vergangenen Ausgabe 2013 gegenüber. Da die Amerikaner in der Qualifikation am besten abschnitten, gehen sie mit einem Punkt Vorsprung in die Final-Regatten (offizielles Start-Resultat ist: Oracle gegen New Zealand 0 zu -1). Pro Tag sind zwei Läufe angesetzt. Für einen Sieg gibt es einen Punkt. Wer zuerst sieben Punkte gesammelt hat, gewinnt den 35. America’s Cup vor Bermuda. Oracle muss also sieben Rennen gewinnen, New Zealand aufgrund des Rückstands acht.

Aktueller Stand: Oracle Team USA - Team New Zealand 0 : 3

Den Bericht zu den ersten beiden Duellen gibt es hier

Weitere Termine der Final-Regatten:

Sonntag, 18. Juni 2017:

19.00 Uhr MESZ: 3. Wettfahrt
19.45 Uhr MESZ: 4. Wettfahrt

Samstag, 24. Juni 2017:

19.00 Uhr MESZ: 5. Wettfahrt
19.45 Uhr MESZ: 6. Wettfahrt

Sonntag, 25. Juni 2017:

19.00 Uhr MESZ: 7. Wettfahrt
19.45 Uhr MESZ: 8. Wettfahrt*

Montag, 26. Juni 2017:

19.00 Uhr MESZ: 9. Wettfahrt*
19.45 Uhr MESZ: 10. Wettfahrt*

Dienstag, 27. Juni 2017:

19.00 Uhr MESZ: 11. Wettfahrt*
19.45 Uhr MESZ: 12. Wettfahrt*

Mittwoch, 28. Juni 2017:

19.00 Uhr MESZ: 13. Wettfahrt*
19.45 Uhr MESZ: 14. Wettfahrt*

* werden nur ausgetragen, falls noch kein Team sieben Siege erreicht hat. Der Zeitunterschied zu Bermuda beträgt fünf Stunden (Deutschland 19.00 Uhr, Bermuda 14.00 Uhr).

Alle Ergebnisse, Gesamtstand und Termine zum America’s Cup gibt es hier.

America’s Cup im TV

Zu sehen sind die Final-Regatten in Deutschland bei Sky Sport News HD, dem frei empfangbaren Sender von Sky, jeweils ab 19.00 Uhr. Heiko Mallwitz kommentiert, Olympiasieger Jochen Schürmann und Oliver Schwall sind die Experten. Hier gibt es den Livestream.

Auch ServusTV überträgt die Rennen vom America’s Cup. Die Übertragungen beginnen jeweils um 18.55 Uhr. Kommentator ist Gerhard Leinauer mit den Experten Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher. Hier gibt es den Livestream.

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