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„Team Germany“ Existenzkampf im Segel-Chaos

11.03.2008 ·  Das Segelsyndikat „Team Germany“ lässt zum Ende des Monats die Verträge mit seinen Seglern für den America's Cup auslaufen und wird sie vorerst nicht verlängern. Hintergrund für die Entscheidung ist der Streit zwischen „Alinghi“ und „BMW Oracle Racing“ um die Zukunft des Cups.

Von Michael Ashelm
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Die Zahlungen für das größte deutsche Segelprojekt werden eingestellt – vorerst zumindest. Wie sich in den vergangenen Monaten schon andeutete, wird das derzeit aus dem Privatvermögen des Internet-Milliardärs Ralph Dommermuth finanzierte Segelsyndikat „Team Germany“ zum Ende des Monats die Verträge mit seinen Seglern für den America’s Cup auslaufen lassen und nicht verlängern.

Betroffen von der Entscheidung ist auch der neue Teammanager Jochen Schümann, Deutschlands erfolgreichster Segler, der im vergangenen Sommer vom Schweizer Titelträger „Alinghi“ gekommen war. „Wir können nicht etwas sponsern, von dem wir nicht wissen, worum es geht“, sagte Teamchef Michael Scheeren der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Das Hickhack geht weiter

Hintergrund für die Entscheidung ist der vor einem New Yorker Gericht ausgetragene Streit zwischen den Milliardären Ernesto Bertarelli („Alinghi“) und Larry Ellison („BMW Oracle Racing“) um Format und Termin des nächsten Cups. Die ursprünglich für 2009 vorgesehene Austragung der 33. Ausgabe der traditionsreichen Regatta ist der Konfrontation an Land schon zum Opfer gefallen. Und das Hickhack geht weiter: Gerade kündigte das neuseeländische Syndikat an, die Schweizer auf Schadensersatz in Höhe von mehr als zwölf Millionen Dollar verklagen zu wollen, weil diese als Titelhalter sich nicht wie vertraglich zugesichert in der Lage sehen, den nächsten America’s Cup pünktlich auszurichten.

Dommermuth privat, der bislang innerhalb eines Dreivierteljahres annähernd elf Millionen Euro für das Segelteam aufgewendet hat, sein Unternehmen United Internet als Hauptsponsor sowie die beiden weiteren Partner des Segelteams von Audi und Porsche Consulting werden abwarten, ob der America’s Cup wieder eine sportliche Perspektive bekommt und davon ihr finanzielles Engagement abhängig machen. Wie Scheeren betonte und auch von Porsche zu hören ist, halten die Sponsoren ihre Absicht aufrecht, die deutsche Segelcrew in Zukunft unterstützen zu wollen.

Segler mit unternehmerischem Geist

Scheeren dementierte Gerüchte, die besagen, Dommermuth könne aus dem Segeln aussteigen und das Team auflösen. „Das ist kein Thema“, sagte er. Trotzdem sind die Finanziers nicht mehr bereit, die laufenden Kosten einer unbestimmt langen Vorbereitung für den Tag X eines Neustarts zu tragen. Auch wenn die Crew dann womöglich in einer besseren Startposition läge als viele der Konkurrenten.

Auf Seiten der Segler hat sich aus diesem Zwang heraus schon seit Monaten unternehmerischer Geist entwickelt. Vor allem auf Betreiben aus dem deutschen Team soll der Stillstand durch eine Alternativserie noch in diesem Jahr überbrückt werden. Die Städte Kiel (Mitte August), Triest (Mitte September) und Valencia (Ende September) stünden als Regattaorte auch mit einer Finanzierung bereit, hieß es. Den deutschen Seglern mit Schümann und Co. sowie anderen ebenso betroffenen Teams aus Spanien, England, Italien, Südafrika oder Neuseeland böte sich damit eine kleine Wettkampf- und Vermarktungsplattform. Unter welchem Namen und mit welchen Sponsoren an Bord die „freie“ deutsche Crew firmieren würde, ist noch nicht geklärt. Auch über die Nutzung von Boot und Material sowie der Segelbasis in Valencia muss noch eine Übereinkunft mit Dommermuths Seite getroffen werden. Es darf gespannt abgewartet werden, ob am Ende alle wieder zusammenfinden.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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