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Synchronschwimmer Stoepel : „Fußballer sind die größeren Weicheier“

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„Ein Weichei bin ich nun wirklich nicht“: Niklas Stoepel (rechts) mit Amelie Ebert. Bild: dpa

Niklas Stoepel ist der erste deutsche Mann, der bei einer WM der Synchronschwimmer startet. Das erfreut nicht alle. Nun kontert er die Vorurteile – mit ziemlich deutlichen Worten.

          Der erste deutsche WM-Teilnehmer im Synchronschwimmen, Niklas Stoepel, wehrt sich gegen Vorurteile. „Ich schminke mich nicht, und ich schmiere mir keine Gelatine ins Haar“, wird der 25-Jährige in der „Sport Bild“ (Mittwoch) zitiert. „Und in der Umkleide brauche ich eine Minute, um meine Badehose anzuziehen.“

          Beim Synchronschwimmen gibt es zwar keine Fouls, zu unangenehmem Körperkontakt könne es aber dennoch kommen. „Gerade erst habe ich einen Tritt von Amélie in die Hoden bekommen“, erzählt Stoepel. „Das war ziemlich schmerzhaft.“ Der Fan des VfL Bochum meint: „Ein Weichei bin ich nun wirklich nicht. Ich glaube, Fußballer sind die größeren Weicheier.“

          Bei den Weltmeisterschaften in Budapest hatte er mit Amelie Ebert im Mixed Duett einmal Rang acht und einmal Rang neun belegt. Als erster deutscher Mann war Stoepel in seiner Sportart bei einer Weltmeisterschaft gestartet. Seit 2015 in Kasan sind männliche Athleten bei Weltmeisterschaften in der Frauen-Domäne zugelassen. Doch Drei-Tage-Bärte und Koteletten im Synchron-Schwimmbecken bleiben selten: Sieben von neun Entscheidungen sind weiter den Damen vorbehalten. „Man legt auf ganz andere Sachen Wert“, sagt Amelie Ebert zum Synchronschwimmen mit einem Mann. „Man kann mehr Hebefiguren und ganz andere Elemente einbauen“, erklärt sie den Unterschied zum reinen Frauen-Synchronschwimmen.

          Bei der WM in Budapest reichte es zu den Plätzen acht und neun. Bilderstrecke

          Obwohl das frühere Reigenschwimmen Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein reiner Männersport war, gab es Widerstand, als in Kasan vor zwei Jahren erstmals Männer um WM-Ehren schwimmen sollten. Russlands Sportminister Witali Mutko hatte die neue Ära in der Sportart als „dumme“ und „fehlerhafte“ Entscheidung gegeißelt. Auch einige Athletinnen äußerten Kritik. Olympiasiegerin Swetlana Romaschina hatte sich „kategorisch gegen Männer in unserer Sportart“ ausgesprochen. Bei Olympia sind Männer im Synchronschwimmen weiter ausgeschlossen.

          „Da ist das Problem natürlich noch da“, sagt Stoepel. Dass Männer in seiner Sportart nicht an den Spielen teilnehmen dürfen, ist für ihn „Unrecht“. Und Ebert sagt: „Wir hoffen, dass sich das demnächst ändert.“

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