http://www.faz.net/-gtl-79l6f

Surfer Sebastian Steudtner : Die Jagd nach der Monsterwelle

Wenn sie groß ist, wird sie eine Big Wave: Sebastian Steudtner vor der Westküste Irlands Bild: Christian McLeod

Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner vermutet den ultimativen Brecher nicht vor Hawaii, sondern an einem  schwer zugänglichen Küstenabschnitt in Irland. Mit Jetskis und Helikoptern will er ihm auf die Spur kommen.

          Der Jetski-Fahrer hebt den Daumen. Blickt fragend in meine Richtung. Ich liege auf dem Rücken, 100 Meter entfernt von der irischen Westküste. Unter mir erheben sich Wellen, wandern Richtung Festland, bäumen sich auf und brechen tosend in sich zusammen. Meine Füße stecken in Schlaufen, die mich mit einem Surfbrett verbinden. Sechs Millimeter Neopren trennen mich von sechs Grad kaltem Wasser. Durch ein Loch im Anzug, das Mund, Nase und Augen freigibt, sticht die eisige Brühe. Ich halte mich an einer Leine fest. Durchatmen. Daumen nach oben. Der Fahrer gibt Gas.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Sekunden später rase ich auf dem winzigen Surfbrett über den Ozean. Der Fahrer dreht sich um und ruft etwas. „Schneller?“, soll das wohl heißen. Während ich versuche, eine Hand vom Seil zu lösen, um ihm „ein bisschen“ zu signalisieren, komme ich ins Trudeln. Was soll’s, ich nicke. Der Motor des Jetskis heult auf. Eine Sekunde kann ich mich festhalten, dann schlage ich auf dem Atlantik ein, schleudere ein paar Meter über die Oberfläche und versinke im eisigen Wasser. „Ich wollte dir mal zeigen, wie schnell wir normalerweise fahren“, sagt der Fahrer wenig später. So schnell? „Nein, doppelt so schnell.“

          Mein Fahrer heißt Sebastian Steudtner. Hält er sich an der Leine fest, beschleunigt sein Fahrer normalerweise auf 70 Kilometer pro Stunde, und hinter ihm explodieren 20-Meter-Wellen. Steudtner machte 2010 von sich reden, nachdem er als erster Europäer den Oscar der Wellenreiter, den „Global Big Wave Award“, für die größte gesurfte Welle des Jahres gewann. Vor Hawaii hatte er sich in eine 22-Meter-Welle ziehen lassen. „Um in solchen Wellen überleben zu können, muss man jeden Tag trainieren“, sagt der 28 Jahre alte Nürnberger. Auf seinem Smartphone hat er einen Trainingsplan gespeichert, den der Sportwissenschaftler Radoslav Djukic für ihn entwickelte. Djukic trainiert sonst Skirennfahrer.

          Wenn die großen Wellen kommen, muss Steudtner bereit sein. Zum Ausgleich geht er Apnoe-Tauchen, 40 Meter tief schaffte er es schon - mit Flossen, 0hne Sauerstoffflasche. Im Ruhezustand kann er fünfeinhalb Minuten lang die Luft anhalten - unter Wasser im Wirbel einer Monsterwelle so lange, bis er ohnmächtig wird. Nach eineinhalb Minuten muss ihn sein Jetski-Fahrer gefunden haben. Auch psychologisch ist die Auseinandersetzung mit den Naturgewalten eine Herausforderung.

          Steudtner ist auf einer Mission in Irland

          „Nach meiner Rekordwelle 2010“, sagt Steudtner, „bin ich erst mal in ein Loch gefallen.“ Dass er es mittlerweile aus diesem Loch schaffte, hat viel mit der Küste zu tun, an der wir durch das eisige Wasser pflügen. Steudtner ist auf einer Mission in Irland: Er will die größte Welle der Welt entdecken. Monatelang hat er Karten studiert und Wetterdaten ausgewertet. Das Ergebnis: Steudtner glaubt, dass die größten Wellen der Welt nicht vor Hawaii brechen, nicht vor Tahiti, sondern irgendwo vor der zerklüfteten, stürmischen, eiskalten irischen Küste.

          Steudtners Leidenschaft für das Surfen begann mit einem Urlaub in der Bretagne. Als er neun Jahre alt war, tobte er dort mit einem Bodyboard in kleinen Wellen herum. „Dieses Gefühl habe ich nicht mehr aus meinem Kopf bekommen“, sagt er. Weil es in Deutschland keine Wellen gab, kauften seine Eltern ihm ein Windsurfbrett. Ein paar Jahre jagte er über bayrische Seen. Mit 13 las er in einer Surfzeitschrift von einem Internat auf Hawaii. Zwei Jahre lang bearbeitete er seine Eltern, als er 15 Jahre alt war, durfte er für vier Monate dorthin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rededuell vor der Landtagswahl : Der nette Herr Söder

          Die SPD steckt im Umfragetief und darf deshalb nicht zum Fernsehduell mit dem bayerischen Ministerpräsidenten. In Nürnberg trifft SPD-Spitzenkandidatin Kohnen doch noch auf Söder – und steht vor einer besonderen Herausforderung.

          Nordkorea : Kim Jong-un will nach Seoul reisen

          Der nordkoreanische Machthaber hat beim Gipfel mit Südkoreas Präsident Mon Jae-in konkrete Schritte zur nuklearen Abrüstung angekündigt. Kim plant zudem erstmals einen Besuch im Süden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.