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Surf-Weltmeister Parkinson Durch die Hölle auf den Gipfel

 ·  Joel Parkinson stand lange im Schatten von Superstar Kelly Slater. Auf Hawaii sicherte sich der australische Surfer endlich den Weltmeistertitel.

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© dapd Vergrößern Auf der Welle des Erfolgs: Der Australier Joel Parkinson surft auf Hawaii zum WM-Titel

 Es ist immer tragisch, wenn ein Sportler als einer der besten seiner Zunft gilt, aber seine ganze aktive Zeit damit verbringen muss, gegen einen noch besseren zu verlieren. Joel Parkinson kennt dieses Gefühl. Zwölf Jahre lang kämpfte der 31 Jahre alte Australier um den Titel des Surf-Weltmeisters, und immer wieder stand am Ende des Jahres doch ein anderer ganz oben auf dem Podium: Der Amerikaner Kelly Slater war einfach nicht zu schlagen.

Nachdem sich Parkinson 2002, 2004, 2009 und im vergangenen Jahr mit Platz zwei im Rennen um die Weltmeisterschaft der Surfer zufriedengeben musste, konnte er am vergangenen Wochenende auf Hawaii endlich ganz nach oben aufs Siegertreppchen klettern. Slater war auf dem letzten Stopp der Tour im Halbfinale ausgeschieden, Parkinson gewann den legendären Wettkampf - und die WM gleich mit. „Dafür habe ich mein ganzes Leben lang gearbeitet“, sagte er danach. „Ich bin durch die Hölle gegangen und wieder zurück, das macht es umso großartiger.“

Die Ferse an einem Stück Haut

2010 war Parkinson mit einem Foto berühmt geworden: Nachdem er sich gerade von einer Verletzung erholt hatte, stürzte er schwer und schnitt sich mit der Finne seines Brettes den Fuß auf. Freunde mussten ihn aus dem Wasser tragen, auf dem Foto sieht es aus, als würde seine Ferse nur noch an einem Stück Haut hängen. Die Saison war gelaufen, wochenlang konnte Parkinson nicht ins Wasser. 2011 kam er dann stärker als jemals zuvor zurück - und musste mit ansehen, wie Kelly Slater nach seinem gefeierten zehnten Weltmeistertitel problemlos auch den elften Titel gewann. Parkinson wurde Zweiter.

Auch in diesem Jahr sah es lange so aus, als würde der mittlerweile 40 Jahre alte Slater, der Superstar der Szene, wieder nicht zu bezwingen sein. Vor Hawaii hatte der Amerikaner drei von neun Wettkämpfen der WM-Serie gewonnen - Parkinson konnte bis dahin keinen einzigen Sieg verzeichnen. Trotzdem stand er in der Gesamtwertung vor Slater, der sich einige Patzer erlaubt hatte. „Die Niederlage in Teahupoo hat am meisten geschmerzt“, sagt Slater. Nachdem er den dritten Tourstopp in Brasilien wegen einer Verletzung hatte ausfallen lassen müssen, gewann er den nächsten Wettkampf in Fidschi auf Anhieb und musste sich dann in der Nähe von Tahiti, auf der wohl gefährlichsten Welle der Welt mit dem schönen Namen Teahupoo, mit Platz 13 zufrieden geben.

„Dann fiel alles irgendwie auseinander“

Wenige Tage nach dieser schmerzhaften Niederlage konnte man Slater in der Nähe von Los Angeles beobachten, wie er zwischen Hunderten Amateursurfern am Strand von Malibu seinen Spaß hatte. „The champ is here“, wurde am Strand geraunt, als Slater mit seinem Brett unterm Arm ins Wasser joggte. Er paddelte hinaus, setzte sich mitten zwischen die Surfermassen und wartete brav auf seine Wellen. Es wirkte nicht so, als hätte er gerade eine besonders schmerzhafte Niederlage hinter sich. Ganz kurz ließ er dann doch eine gewisse Gereiztheit erkennen: Zwei Surfer beschimpften sich im Wasser, weil der eine dem anderen angeblich die Welle geklaut hatte. „Nur dass ihr es wisst, ich habe zwanzig Meter näher am Strand versucht, die Welle zu bekommen und habe es nicht geschafft“, fuhr Slater die Streithähne an. Die Botschaft war klar: Wenn Slater eine Welle nicht erwischt, bekommt sie keiner. Es wurde ruhig im Wasser.

Einige Tage später gewann Slater ein paar Strände weiter, in „Trestles“, den nächsten Wettkampf. Auch in Hossegor in Frankreich war er nicht zu schlagen. „Dann fiel alles irgendwie auseinander“, sagt Slater. Bei den „Pipeline Masters“ auf Hawaii musste Parkinson deswegen nur einen Platz vor dem Amerikaner abschließen, um Weltmeister zu werden. Klingt einfach - aber genau in diesen Situationen hatte Slater in der Vergangenheit immer gewonnen. Sein Ruf, dass im entscheidenden Moment die beste Welle immer zu ihm kommt, ist Legende. Diesmal war es anders: „Schon heute morgen habe ich mich wie ein Champion gefühlt, als ich aufgewacht bin“, sagte Parkinson nach seinem Sieg. Und nun schöpft die Surfwelt wieder Hoffnung, dass es vielleicht doch noch eine Zeit nach Kelly Slater geben könnte.

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21.12.2012, 10:09 Uhr

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Von Evi Simeoni

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