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Super Bowl XLV: Green Bay Packers Der Übervater spielt immer mit

 ·  Die Zeiten haben sich auch im Football längst geändert, doch die Green Bay Packers kommen vom legendären Coach Vince Lombardi nicht los - schon gar nicht vor dem Super Bowl.

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Etwa eine Stunde bevor an diesem Sonntag in Dallas die „Begegnung des Jahres“ zwischen den Green Bay Packers und den Pittsburgh Steelers angepfiffen wird, beginnt am New Yorker Broadway ein Rennen gegen die Uhr. In dem neuen Broadway-Stück „Lombardi“ erzählen die Schauspieler die Erfolgsgeschichte des berühmtesten Football-Trainers Amerikas. Wenn der letzte Vorhang der Nachmittagsvorstellung fällt, werden die Mitglieder des Ensembles wie schon vor zwei Wochen vor der Conference Championship von der Bühne hasten und sich abschminken.

Jeder will rechtzeitig in einem der Pubs in der Gegend einen Platz erhaschen und das Ganze im Fernsehen verfolgen. Denn in diesem Jahr hat Vince Lombardis ehemaliger Klub, die Green Bay Packers, zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren den Super Bowl erreicht und greift nach dem schweren Goldpokal - der Vince Lombardi Trophy.

Halb Amerika steht beim Finale der National Football League still. Mehr als 100 Millionen Amerikaner werden das Spiel live am Bildschirm verfolgen. Es ist auch eine nostalgische Angelegenheit, nicht nur für die Schauspieler am Broadway. Denn viele Beobachter werden vermutlich daran erinnert werden, wie nachhaltig die Packers, die Mannschaft aus der kleinen Stadt im Bundesstaat Wisconsin, und ihr legendärer Coach vor einem halben Jahrhundert den Profi-Football geprägt hatten: mit einfachen Spielzügen und schlichten Slogans. Manche davon sind Klassiker geworden: „Gewinnen ist nicht alles, es ist ein und alles.“

Nächstes Jahr wird Lombardi von de Niro gespielt

Lombardis Sprüche klangen bisweilen zynisch. „Niemand hat jemals wirklich Schmerzen“, sagte der autoritäre Patriarch, dessen kurzkrempiger Hut und dickrandige Brille zum Markenzeichen wurden, zu seinen verletzten Spielern. „Schmerzen hat man nur im Kopf.“ Lombardi verhielt sich wie ein Feldwebel. „Ich denke, es gibt nur einen Weg, um Spieler in diesem Geschäft zu trainieren“, sagte Lombardi, der einst unter anderem an der Militärakademie West Point als Assistenztrainer gearbeitet hatte. „Du musst so hart sein wie das Geschäft.“

Im Profi-Football hat sich allerdings manches verändert, auch der Umgangston. Männer wie Steelers-Coach Mike Tomlin brüllen nicht mehr herum, sondern agieren leise. Sie managen das Spiel und ihr Team mit dem Gespür von Betriebswirten aus der Industrie. Bei so viel kalkulierender Nüchternheit wünscht sich der ein oder andere das Gestern zurück, romantisiert es mitunter und stilisiert die Protagonisten von einst zu Überfiguren.

Schließlich hatte Lombardi, Sohn italienischer Einwanderer aus Brooklyn, die Packers vom schlechtesten Team der Liga zum Abonnementssieger gemacht - und Green Bay, die kleinste Stadt im Universum der NFL zur „Title Town“. Das Theaterstück am Broadway ist nur ein Ausdruck der Verehrung des Mannes, der 1970 im Alter von 57 Jahren an Krebs gestorben war. Anfang nächsten Jahres - rechtzeitig zum nächsten Super Bowl - soll die Verfilmung von Lombardis Leben in die Kinos kommen. Die Hauptrolle spielt eine Leinwandlegende: der italienischstämmige Robert De Niro.

Coach McCarthy brauchte vor allem Fingerspitzengefühl

Die Packers von heute sind natürlich nicht mit den Stars aus der Ära Lombardi zu vergleichen. Die Spieler von 2011 laufen schneller, wiegen mehr und haben Hunderte von Spielzügen im Kopf. Ihr aus der Football-Hochburg Pittsburgh stammender Cheftrainer Mike McCarthy mag zwar jeden Tag mit seinem Auto die Vince Lombardi Avenue befahren und an dem Lombardi-Bronze-Denkmal vor dem Stadion vorbeikommen, ehe er sein Büro betritt. Aber er hat anderes zu tun, als sich mit dem allgegenwärtigen Heldenmythos zu beschäftigen.

Der Polizistensohn musste einiges bewältigen, und er benötigte dabei viel Fingerspitzengefühl - zum Beispiel im Fall seines langjährigen Quarterbacks Brett Favre. Der hatte jahrelang immer wieder mit seinem Rücktritt kokettiert, und ebenso ausdauernd beanspruchte er einen Stammplatz. 2008 hatte das Klub-Management genug davon - es ließ Favre in der Kälte stehen und setzte auf einen jungen unerfahrenen Quarterback. Aaron Rodgers brauchte eine Weile, um sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Doch ein Jahr später führte McCarthy ihn und das Team in die Play-offs.

In dieser Saison blieb die Mannschaft nicht in den ersten Runden hängen. Noch ein Sieg - und McCarthy hätte das höchste der Gefühle erreicht, er würde die Lombardi Trophy in seinen Händen halten. Er weiß ja genau, worum es nun geht für die Green Bay Packers, auch ohne Lombardis Parolen.

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