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Super Bowl Saints als Symbol für Unbesiegbarkeit

07.02.2010 ·  Die geschundene Stadt New Orleans feiert die Football-Mannschaft schon vor dem Super Bowl. Dabei treffen die Saints an diesem Sonntag (24.00 Uhr) in Miami auf die Indianapolis Colts. Vor allem die Offensive ist immer für Überraschungen gut.

Von Jürgen Kalwa
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Zwei Wochen vor dem Höhepunkt der Karnevalssaison sind am vergangenen Sonntag Tausende Männer ausgelassen durch die Straßen von New Orleans marschiert, um ein altes Versprechen einzulösen. Sie trugen Miniröcke und lange Abendkleider, Fischnetzstrümpfe und Federboas, um eine lokale Größe zu ehren.

Sportreporter Bernard Diliberto, genannt Buddy D. - den Mann, der wusste, wie man die zwiespältige Beziehung der Fans der New Orleans Saints zu ihrem Klub am besten auslebt: auf eine selbstironische, karnevaleske Weise. Denn keine Mannschaft in der National Football League (NFL) war jahrzehntelang so konstant schlecht wie das Team aus „Big Easy“, der entspannt ausgelassenen Stadt an der Mündung des Mississippi.

Um mit den ständigen Enttäuschungen fertig zu werden, hatte Diliberto zum Beispiel einst im Laufe einer wieder einmal desaströsen Saison den Zuschauern empfohlen, sich in der Arena bei den Spielen einfach Papierbeutel mit aufgemalten traurigen Gesichtern aufzusetzen und auf diese Weise das Leistungsniveau der Spieler zu bejammern. Er hatte irgendwann in einem Anflug von Sarkasmus den „Saints“ den ersten Buchstaben gestrichen.

„Besser geht es nicht als die Saints und Mardi Gras zu feiern“

Was war schließlich heilig an einem Team, das nichts zustande brachte? Also nannte er sie „Aints“. Weil aber auch das nichts half, kündigte er irgendwann an: Sollte diese lächerliche Mannschaft jemals das Endspiel um den Super Bowl erreichen, würde er in Frauenkleidern durch Bourbon Street laufen. In diesem Jahr hätte Buddy D. sein Gelübde einlösen müssen. Denn die New Orleans Saints haben es zum ersten Mal in der 43-jährigen Klubgeschichte geschafft.

An diesem Sonntag (24.00 Uhr / Live in der ARD) spielen sie in Miami gegen die Indianapolis Colts, eine der besten Mannschaften des vergangenen Jahrzehnts. Aber Diliberto starb 2005 an einem Herzinfarkt und hat deshalb den Leistungsumschwung nicht mehr erlebt. So organisierten „Buddys Bräute“, wie sie sich nennen, Anhänger der Saints, den Umzug selbst. „Besser geht es nicht“, sagte einer der Teilnehmer, „als die Saints und Mardi Gras in einem zu feiern. Gott segne New Orleans.“

Sollte eine höhere Macht in New Orleans ihre Hand im Spiel haben, dann wäre sie allerdings auch für jene Katastrophe verantwortlich, die im August 2005 mit Hurrikan „Katrina“ über die Stadt hereinbrach. Die riesige Halle, in der die Saints ihre Heimspiele austragen, wurde zum Zufluchtsort von zehntausend Menschen. Wenn es nach Klubbesitzer Tom Benson gegangen wäre, hätte er danach die Saints einfach in eine andere Stadt verpflanzt.

70.000 verkaufte Jahreskarten - ein wirtschaftliches Wunder

Das Ausweichquartier in San Antonio, in dem das Team die ersten Monate verbrachte, wirkte wie eine vielversprechende Option, wie auch Los Angeles, die Metropole ohne NFL-Klub. Erst eine Intervention des damaligen Liga-Chefs John Tagliabue beendete alle Spekulationen. Die schwer gebeutelte Stadt bekam in der Saison 2006 ihre Mannschaft zurück, die in eine komplett renovierte Arena einzog und dort zunächst ein wirtschaftliches Wunder erlebte: den Verkauf von 70.000 Jahreskarten. Eine angeschlagene Stadt stand wieder auf, ein Sportklub wurde zum Symbol für Unbesiegbarkeit.

Der nachfolgende Aufwärtsentwicklung aus den Untiefen einer Liga, aus der man getreu amerikanischer Tradition nicht absteigen kann, wirkte im Vergleich dazu sehr viel weniger überraschend. Sie hatte unter anderem damit zu tun, dass die NFL durch eine streng kontrollierte Salary Cap das Gehaltsvolumen aller Klubs begrenzt, um die Unterschiede zu verkleinern. Deshalb sind eine glückliche Hand bei der Verpflichtung von Spielern, taktisches Wissen und strikte Disziplin der Spieler auf dem Platz entscheidend.

Der berühmteste Spieler der Saints ist nicht der wichtigste

Der Aufschwung der Saints ist daher eng verknüpft mit den Namen von Cheftrainer Sean Payton und Quarterback Drew Brees, den kreativen Köpfen einer Angriffsmaschine, die Tempo und Präzision so faszinierend kombiniert wie kaum ein zweites Team. Der berühmteste Spieler der Saints, Running Back Reggie Bush, ist deshalb nicht der wichtigste. Der Lebensgefährte der Fernsehschönheit Kim Kardashian und auch schon Werbepartner von David Beckham kam 2006 nach New Orleans und galt ursprünglich als der Hoffnungsträger schlechthin, heute schickt ihn der Trainer nur in ausgewählten Spielsituationen auf den Platz.

Auf seine Popularität bei den Fans hatte das jedoch keinen Einfluss. Sein Trikot mit der Nummer 25 ist das meistverkaufte Saints-Souvenir. An guten Tagen - wie etwa in der Play-off-Begegnung gegen die Arizona Cardinals vor drei Wochen - erwidert er die Sympathien. Sein Touchdown, bei dem er 46 Yards überwand, um die Endzone zu erreichen, war eine Einlage für Football-Genießer.

Die Begeisterung wird bei einem Erfolg so schnell nicht verklingen

Auch deshalb müssen sich die Indianapolis Colts am Sonntag einiges einfallen lassen, um die überraschungsreiche Offensive der Saints zu stoppen. Außerdem ist auch die Defensive unter dem neuen Assistenztrainer Gregg Williams zu einer aggressiven Gruppe geworden, die ihre Gegner ständig unter Druck setzt. So sicherten die Verteidiger vor zwei Wochen in der NFC Championship im Spiel gegen die Minnesota Vikings fünf sogenannte Turnovers: Sie eroberten den Ball.

In welchem Aufzug die Fans durch die Straßen ziehen, wenn die Saints am Sonntag gewinnen, weiß noch niemand. Nur dass die Begeisterung so schnell nicht verklingen wird. Selbst wenn am Aschermittwoch alles vorbei ist.

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