Home
http://www.faz.net/-gub-753cm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Subkulturen des Sports Unsere Athleten des Jahres

Auch am Sonntagabend wurden wieder mit Gold verzierte Olympioniken zu Deutschlands Sportlern des Jahres gekürt. Doch es gibt Alternativen aus den Subkulturen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat sie mit Blick über den Tellerrand geehrt.

© Red Bull Vergrößern Jason Paul: Er hat den „Flow“

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich innerhalb und außerhalb der Städte eine Sport-, Bewegungs- und Körperkultur entwickelt, die gegenüber den traditionellen Trägern des Sports in Deutschland, den Vereinen und Verbänden, auf Distanz gegangen ist. Die hochstehenden Leistungen, die Breakdancer, Kitesurfer, Skateboarder, BMX- oder Motocrossfahrer, Big-Wave-Surfer, Freeskier, Apnoetaucher, Langstreckensegler, Extremkletterer oder Gleitschirmflieger erbringen, zeugen davon, dass das Streben nach einem Schneller, Höher und Stärker nicht notwendigerweise auf olympische Arenen und Disziplinen angewiesen ist.

Nicht nur Kinder und Jugendliche, auch immer mehr Erwachsene verfolgen die spektakulären Taten der Protagonisten dieser erlebnisorientierten und ichzentrierten Sportarten auf Youtube oder in alternativen Sportmedien.

Ehrungen für klassische Sportarten

In der Huldigungs- und Belobigungskultur des organisierten Sports und der ihm nahestehenden Sportpresse hat sich die Veränderung der Sportlandschaft noch nicht niedergeschlagen. Die bisherigen „Sportler des Jahres“ entstammen Disziplinen wie Basketball, Gewichtheben, Motorsport, Leichtathletik, Schwimmen, Turnen, Biathlon, Ski alpin, Tennis, Rudern, Reiten oder Eiskunstlauf.  Die „Sportlerinnen des Jahres“ vertraten Sportarten wie Biathlon, Ski alpin, Kanu, Leichtathletik, Schwimmen, Turnen oder Eiskunstlauf. Als „Mannschaften des Jahres“ wurden die Fußball- und die Handball-Nationalteams der Männer, diverse Vereinskollektive im Fußball, der Bahnrad-Vierer, die Hockey-Nationalmannschaft der Frauen sowie die Skisprung-Nationalmannschaft geehrt.

Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© FAZ.NET-Daniel Meuren Vergrößern Kitesurfen: Kristin Böse erklärt die Faszination in einem Video (2010)

Die alljährlich in festlichem Rahmen vorgenommenen Sportlerehrungen wie am Sonntagabend in Baden-Baden mit den Siegern Magdalena Neuner, Robert Harting und dem Deutschland-Achter zeigen zwar eine gewisse Variationsbreite in der disziplinären Herkunft der Akteure. Eine Berücksichtigung des veränderten Sportpanoramas lässt sich aber nicht feststellen. Vor dem Hintergrund dieser bisherigen Wertschätzungspraxis ist es zu begrüßen, dass die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nationale Kristin Böse, Jason Paul und die „Flying Steps“, die spektakuläre und außeralltägliche Leistungen jenseits des üblichen Sportartenkatalogs erbracht haben, zu Sportler, Sportlerin und Mannschaft des Jahres gekürt hat.

Mehr zum Thema

Sie trägt damit einem gesellschaftlichen Wandel Rechnung, der sich nicht nur im Sport, sondern in vielen anderen sozialen Szenen bereits in vergleichbarer Weise vollzogen hat. Der traditionelle Sport wird durch die Aufwertung des Alternativen nicht abgewertet. Er erhält vielmehr die Chance, sich im Lichte des Alternativen neu zu beobachten und zu deuten.

Karl-Heinrich Bette ist Professor für Sportsoziologie am Institut für Sportwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue Stasi-Vorwürfe Kein Gegenwind für Spitzel Beilschmidt?

Trotz der jüngsten schweren Stasi-Vorwürfe muss der frühere Hochspringer Rolf Beilschmidt vorerst nicht um seinen Job als Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Thüringen fürchten. Mehr Von Anne Armbrecht

14.10.2014, 11:42 Uhr | Sport
DFB-Elf kehrt ins Teamhotel zurück

Begeisterte Fans empfingen die abgekämpften Sportler. Vor allem Thomas Müller hat die jungen Fans zu Jubelrufen hingerissen. Mehr

17.06.2014, 08:13 Uhr | Sport
25 Jahre nach dem Mauerfall Doping von gestern, Schmerz von heute

Sie waren vom Sport begeisterte Kinder. 25 Jahre nach der Wende zahlen die Opfer des DDR-Staatsdopings den Preis. Ihre Erzählungen sind erschütternd. Druck und Angst weichen nur langsam. Mehr Von Anno Hecker

18.10.2014, 09:23 Uhr | Sport
Sky Run im Messeturm

Zum 8. Mal haben sich Sportler in Frankfurt an eines der längsten Treppenhäuser in Europa gewagt. Mehr

18.05.2014, 18:49 Uhr | Sport
Politik und Geld Bach und die Lebenslügen des Sports

Der Sport hat nichts mit Politik zu tun? Und auch nicht mit Geld? Falsch, sagt Thomas Bach. Das seien die zwei Lebenslügen des Sports. Einen Plan für die Zukunft hat der IOC-Präsident auch schon. Mehr

17.10.2014, 19:21 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.12.2012, 19:20 Uhr

Bayern hat das Wettrüsten gewonnen

Von Michael Horeni

Den Mythos als unbeugsames Team hat Dortmund verspielt. Bayern München hat das deutsche Fußball-Wettrüsten gewonnen. Es leidet nur noch der BVB und mit ihr vor allem Trainer Jürgen Klopp. Mehr 40 18