Home
http://www.faz.net/-gtl-753cm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 15.12.2012, 19:20 Uhr

Subkulturen des Sports Unsere Athleten des Jahres

Auch am Sonntagabend wurden wieder mit Gold verzierte Olympioniken zu Deutschlands Sportlern des Jahres gekürt. Doch es gibt Alternativen aus den Subkulturen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat sie mit Blick über den Tellerrand geehrt.

© Red Bull Jason Paul: Er hat den „Flow“

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich innerhalb und außerhalb der Städte eine Sport-, Bewegungs- und Körperkultur entwickelt, die gegenüber den traditionellen Trägern des Sports in Deutschland, den Vereinen und Verbänden, auf Distanz gegangen ist. Die hochstehenden Leistungen, die Breakdancer, Kitesurfer, Skateboarder, BMX- oder Motocrossfahrer, Big-Wave-Surfer, Freeskier, Apnoetaucher, Langstreckensegler, Extremkletterer oder Gleitschirmflieger erbringen, zeugen davon, dass das Streben nach einem Schneller, Höher und Stärker nicht notwendigerweise auf olympische Arenen und Disziplinen angewiesen ist.

Nicht nur Kinder und Jugendliche, auch immer mehr Erwachsene verfolgen die spektakulären Taten der Protagonisten dieser erlebnisorientierten und ichzentrierten Sportarten auf Youtube oder in alternativen Sportmedien.

Ehrungen für klassische Sportarten

In der Huldigungs- und Belobigungskultur des organisierten Sports und der ihm nahestehenden Sportpresse hat sich die Veränderung der Sportlandschaft noch nicht niedergeschlagen. Die bisherigen „Sportler des Jahres“ entstammen Disziplinen wie Basketball, Gewichtheben, Motorsport, Leichtathletik, Schwimmen, Turnen, Biathlon, Ski alpin, Tennis, Rudern, Reiten oder Eiskunstlauf.  Die „Sportlerinnen des Jahres“ vertraten Sportarten wie Biathlon, Ski alpin, Kanu, Leichtathletik, Schwimmen, Turnen oder Eiskunstlauf. Als „Mannschaften des Jahres“ wurden die Fußball- und die Handball-Nationalteams der Männer, diverse Vereinskollektive im Fußball, der Bahnrad-Vierer, die Hockey-Nationalmannschaft der Frauen sowie die Skisprung-Nationalmannschaft geehrt.

© FAZ.NET-Daniel Meuren Kitesurfen: Kristin Böse erklärt die Faszination in einem Video (2010)

Die alljährlich in festlichem Rahmen vorgenommenen Sportlerehrungen wie am Sonntagabend in Baden-Baden mit den Siegern Magdalena Neuner, Robert Harting und dem Deutschland-Achter zeigen zwar eine gewisse Variationsbreite in der disziplinären Herkunft der Akteure. Eine Berücksichtigung des veränderten Sportpanoramas lässt sich aber nicht feststellen. Vor dem Hintergrund dieser bisherigen Wertschätzungspraxis ist es zu begrüßen, dass die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nationale Kristin Böse, Jason Paul und die „Flying Steps“, die spektakuläre und außeralltägliche Leistungen jenseits des üblichen Sportartenkatalogs erbracht haben, zu Sportler, Sportlerin und Mannschaft des Jahres gekürt hat.

Mehr zum Thema

Sie trägt damit einem gesellschaftlichen Wandel Rechnung, der sich nicht nur im Sport, sondern in vielen anderen sozialen Szenen bereits in vergleichbarer Weise vollzogen hat. Der traditionelle Sport wird durch die Aufwertung des Alternativen nicht abgewertet. Er erhält vielmehr die Chance, sich im Lichte des Alternativen neu zu beobachten und zu deuten.

Karl-Heinrich Bette ist Professor für Sportsoziologie am Institut für Sportwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt.

Quelle: F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Michael Vesper im Gespräch Auf Spekulationen kann man keine Normen gründen

Senkt der deutsche Sport weitere Normen für die Olympia-Quali? DOSB-Mann Michael Vesper beruft das deutsche Team für Rio 2016 – und will von einem Abschied der erweiterten Wettkampfchance aufgrund der Dopingskandale nichts wissen. Mehr Von Michael Reinsch

29.01.2016, 08:04 Uhr | Sport
Sportbilder des Jahres 2015 Völlig losgelöst

Die Faszination des Sports gründet tiefer als in der Frage nach Siegern und Verlierern. Sport kann Eleganz und Emotionen verbinden. Szenen des Glücks und der Trauer zeigen die Sportbilder des Jahres 2015. Mehr Von Achim Dreis

02.02.2016, 12:27 Uhr | Sport
Deutsches Sportwochenende Gemeinsam den Fußball an die Wand gespielt

Was für ein Wochenende! Der Fußball verschwindet im Schatten von Angelique Kerber, den deutschen Handballern und vielen anderen. Ihre Geschichten zeigen: Der Sport bietet viel mehr Stoff, als man glaubt. Ein Kommentar. Mehr Von Anno Hecker

01.02.2016, 12:49 Uhr | Sport
Sterne des Sports 3. Platz: F.C. Süderelbe

Viele Mitglieder des F.C. Süderelbe in Hamburg sind Jugendliche mit Migrationshintergrund. Der Fußballverein bietet viel. Neben dem Sport gibt es auch eine berufliche Perspektive. Mehr

26.01.2016, 12:00 Uhr | Sport
Von Spanien bis Spanien Der Weg der deutschen Handballer zu EM-Gold

Es begann mit einer Niederlage gegen Spanien – und endete mit einem unglaublichen Sieg über den gleichen Gegner. Erleben Sie den Weg der deutschen Handballer zum EM-Titel nochmal nach. Mehr

31.01.2016, 20:18 Uhr | Sport

Stichtag Valentinstag

Von Achim Dreis

Für die Florett-Herren fiel Aschermittwoch auf Karnevals-Sonntag. Die Degen-Kollegen hegen noch eine kleine Olympia-Chance. Der allgemeine Niedergang der Fechter kommt nicht überraschend. Mehr 1