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Subkulturen des Sports : Unsere Athleten des Jahres

  • -Aktualisiert am

Bild: Red Bull

Auch am Sonntagabend wurden wieder mit Gold verzierte Olympioniken zu Deutschlands Sportlern des Jahres gekürt. Doch es gibt Alternativen aus den Subkulturen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat sie mit Blick über den Tellerrand geehrt.

          In den vergangenen Jahrzehnten hat sich innerhalb und außerhalb der Städte eine Sport-, Bewegungs- und Körperkultur entwickelt, die gegenüber den traditionellen Trägern des Sports in Deutschland, den Vereinen und Verbänden, auf Distanz gegangen ist. Die hochstehenden Leistungen, die Breakdancer, Kitesurfer, Skateboarder, BMX- oder Motocrossfahrer, Big-Wave-Surfer, Freeskier, Apnoetaucher, Langstreckensegler, Extremkletterer oder Gleitschirmflieger erbringen, zeugen davon, dass das Streben nach einem Schneller, Höher und Stärker nicht notwendigerweise auf olympische Arenen und Disziplinen angewiesen ist.

          Nicht nur Kinder und Jugendliche, auch immer mehr Erwachsene verfolgen die spektakulären Taten der Protagonisten dieser erlebnisorientierten und ichzentrierten Sportarten auf Youtube oder in alternativen Sportmedien.

          Ehrungen für klassische Sportarten

          In der Huldigungs- und Belobigungskultur des organisierten Sports und der ihm nahestehenden Sportpresse hat sich die Veränderung der Sportlandschaft noch nicht niedergeschlagen. Die bisherigen „Sportler des Jahres“ entstammen Disziplinen wie Basketball, Gewichtheben, Motorsport, Leichtathletik, Schwimmen, Turnen, Biathlon, Ski alpin, Tennis, Rudern, Reiten oder Eiskunstlauf.  Die „Sportlerinnen des Jahres“ vertraten Sportarten wie Biathlon, Ski alpin, Kanu, Leichtathletik, Schwimmen, Turnen oder Eiskunstlauf. Als „Mannschaften des Jahres“ wurden die Fußball- und die Handball-Nationalteams der Männer, diverse Vereinskollektive im Fußball, der Bahnrad-Vierer, die Hockey-Nationalmannschaft der Frauen sowie die Skisprung-Nationalmannschaft geehrt.

          Kitesurfen : Die Drachensegler

          Die alljährlich in festlichem Rahmen vorgenommenen Sportlerehrungen wie am Sonntagabend in Baden-Baden mit den Siegern Magdalena Neuner, Robert Harting und dem Deutschland-Achter zeigen zwar eine gewisse Variationsbreite in der disziplinären Herkunft der Akteure. Eine Berücksichtigung des veränderten Sportpanoramas lässt sich aber nicht feststellen. Vor dem Hintergrund dieser bisherigen Wertschätzungspraxis ist es zu begrüßen, dass die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nationale Kristin Böse, Jason Paul und die „Flying Steps“, die spektakuläre und außeralltägliche Leistungen jenseits des üblichen Sportartenkatalogs erbracht haben, zu Sportler, Sportlerin und Mannschaft des Jahres gekürt hat.

          Sie trägt damit einem gesellschaftlichen Wandel Rechnung, der sich nicht nur im Sport, sondern in vielen anderen sozialen Szenen bereits in vergleichbarer Weise vollzogen hat. Der traditionelle Sport wird durch die Aufwertung des Alternativen nicht abgewertet. Er erhält vielmehr die Chance, sich im Lichte des Alternativen neu zu beobachten und zu deuten.

          Karl-Heinrich Bette ist Professor für Sportsoziologie am Institut für Sportwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt.

          Quelle: F.A.S.

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