13.11.2009 · Am Persischen Golf, vor der Ostküste Australiens oder doch wieder vor Valencia. Der juristische Streit der Segler um das richtige Revier für den America's Cup hat bereits rund 50 Millionen Euro gekostet.
Von Michael AshelmSeit mehr als zwei Jahren bekämpfen sich die Gegner vor Gericht. Bis zum jetzigen Zeitpunkt soll die juristische Auseinandersetzung fünfzig Millionen Dollar gekostet haben. Da fehlt der Glaube an eine plötzliche Einigung, wie sie angeblich kurz bevorsteht – nachdem das Segelsyndikat Alinghi als Titelverteidiger angeboten hat, die 33. Ausgabe des America’s Cup nun doch im Februar vor Valencia aussegeln zu wollen. Das Team des Schweizer Milliardärs Ernesto Bertarelli entspricht damit zwar dem ursprünglichen Wunsch des Erzfeindes BMW Oracle Racing und seinem Patron Larry Ellison aus den Vereinigten Staaten. Allerdings ist Skepsis angebracht, denn es dürfte in dem ausufernden Streitfall weiterhin hart um die Interpretation von Paragraphen im Regattareglement gerungen werden.
Hinter Alinghis Bereitschaft zum Einlenken in der Ortsfrage könnte sich ein taktischer Zug verbergen, um den Gegner auf einem anderen Gebiet erheblich unter Druck zu setzen. BMW Oracle Racing hatte auf seinem hochtechnisierten, für das Duell gegen die Schweizer vorgesehenen Dreirumpfboot in der vergangenen Woche einen fatalen Materialbruch erlitten. Der Mast war beim Training vor San Diego zerborsten. Zwar haben die Amerikaner inzwischen mit einem 57 Meter langen Tragflächensegel in der Form eines überdimensionierten Flugzeugflügels eine angebliche „Geheimwaffe“ präsentiert. Doch der neue Aufbau müsste noch praktisch erprobt werden.
Beide Schiffe sind nicht für diese Witterung ausgelegt
Außerdem vermuten Experten, dass durch den jüngsten Crash an Bord auch andere wichtige Teile der Bootsstruktur erheblichen Schaden abbekommen haben. Die verbleibende Reparatur- und Entwicklungszeit bis zu den vorgesehenen Rennen ist knapp. Die Schweizer, die zuletzt von einer Verzögerungstaktik ihres Gegners sprachen, wähnen sich wieder auf Siegerkurs. „Als es noch zu ihrem Vorteil war, haben sie auf ein Rennen im Februar gedrängt. Jetzt müssen sie mit dem von ihnen selbst erzwungenen Datum leben“, sagte Alinghi-Skipper Brad Butterworth.
Aber auch die vermeintlich erfolgreiche Strategie des Schweizer Segelteams kann keinesfalls überzeugen. Vor dem zuständigen Obersten Gerichtshof New Yorks hatte Bertarellis Syndikat gerade eine herbe Niederlage einstecken müssen, als der eigentlich vorgesehene Austragungsort am Persischen Golf durchgefallen war. Das Richtergremium stellte fest, dass zu dieser Jahreszeit auf Grundlage der Stiftungsurkunde im America’s Cup nur auf der südlichen Welthalbkugel gesegelt werden dürfe. Daraufhin brachten die Schweizer schnell die Ostküste Australiens (Queensland) ins Gespräch – und jetzt nach ein paar Tagen plötzlich Valencia. Dabei ist die Eignung des spanischen Reviers für dieses Segelduell höchst fraglich. Weder der amerikanische Trimaran noch Alinghis Katamaran – beide die derzeit am weitesten in den Grenzbereich konstruierten Segelyachten – sind auf die unberechenbaren Wettereinbrüche im Winter vor allem mit hoher Dünung und Starkwind ausgelegt.