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Stabhochsprung Der Vielflieger Björn Otto

Stabhochspringer Björn Otto meistert große Höhen in Serie - weil er im gereiften Alter auf dem Teppich bleibt. Nach seinem Sensationsjahr 2012 hat er noch den gleichen Biss - zumal er beim Wettkampf eine zusätzliche Motivation hat.

© dpa Vergrößern „Ich trainiere nicht mehr, ich springe nur noch“: Björn Otto

Wenn es eine Sache gibt, die Björn Otto an seinem Leben als Stabhochspringer stört, dann sind es die vielen Termine rund um Karneval: „Da ist eigentlich jedes Jahr ein Meeting oder eine Meisterschaft.“ Weshalb er nie richtig feiern kann, „trinken sowieso nicht“. Und das schmerzt den Kölner. So heißt es für ihn an diesem Montag statt Rosenmontagszug Polen-Flug.

Achim Dreis Folgen:  

Am Dienstag steht in Bydgoszcz der fünfte Wettbewerb binnen vierzehn Tagen an, danach geht es weiter zum Wettkampf nach Potsdam. „Ich trainiere nicht mehr, ich springe nur noch“, nennt Otto seine Devise. In der Vorbereitungszeit habe er sich mit seinem Trainer Michael Kühnke „ein schönes Fundament aufgebaut“, und von dem springt er jetzt locker ab. Die Kraftwerte stimmen, wie an seinen mächtigen Oberarmen zu erkennen ist, die Schnelligkeit ist da, die Technik stabil.

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„Fünf bis sechs Wochen sollte die Form halten“, glaubt Otto: bis zu den deutschen Meisterschaften (24. Februar) und der Hallen-EM eine Woche später. Bislang funktioniert die Methode, wie er zuletzt am vergangenen Freitag in Düsseldorf unter Beweis stellte. Mit starken 5,90 Metern gewann der Fünfunddreißigjährige beim Hallen-Meeting den Stabhochsprung-Wettbewerb vor dem überraschend starken Chinesen Yanshen Yang (5,80 Meter).

Gleich beim Saisonauftakt in Cottbus war Otto Ende Januar auch schon über 5,90 geflogen, drei Tage später hatte er im tschechischen Pardubice mit 5,83 gesiegt. Nur vergangene Woche in Karlsruhe blieb er mit 5,73 knapp unter seinen Erwartungen und wurde Zweiter hinter dem Franzosen Renaud Lavillenie.

Silber ist seine Farbe: Bei der EM in Helsinki und bei Olympia in London wurde er 2012 Zweiter © dpa Vergrößern Silber ist seine Farbe: Bei der EM in Helsinki und bei Olympia in London wurde er 2012 Zweiter

“Selbstverständlich sind solche Höhen immer noch nicht“, sagt der Athlet über seine konstanten Höhenflüge. „Aber ich weiß, was ich mache und wie es sich anfühlen muss.“ Nach seinem Sensationsjahr 2012, als er bei Olympischen Spielen, Europameisterschaften und der Hallen-WM jeweils die Silbermedaille gewonnen hatte und zur Krönung mit 6,01 Metern noch den Deutschen Rekord aufstellte, hat er 2013 offensichtlich noch den gleichen Biss.

Es hat Jahre gedauert, aber nun, mit Mitte dreißig, ist bei Otto alles gut. Ende Dezember hat er seine Diplomarbeit abgegeben, deren Fertigstellung der Biologiestudent auf seiner Homepage ebenso unter „Termine“ aufführt wie seine Kür zum „Sportler des Jahres“ in Nordrhein-Westfalen.

Teure Siegprämien für die Ausbildung zum Piloten

Die Gefahr, abzuheben, besteht in seinem Alter nicht mehr, zumal er oft genug am Boden war. „Es ist schon mal viel wert, dass ich beim Loslaufen nicht mehr darauf hoffen muss, vorne mit zwei gesunden Beinen anzukommen“, sagt der blonde Rheinländer mit den stechend blauen Augen lässig, meint es aber durchaus ernst: Nach zwei Achillessehnenrissen weiß er den Wert der Gesundheit zu schätzen.

Weit vorausplanen will der laut Hallensprecher „erfolgreichste deutsche Stabhochspringer aller Zeiten“ auch nicht mehr. Sportlich heißt es von Jahr zu Jahr denken, beruflich will er noch höher hinauskommen und Pilot werden. Für die teure Ausbildung kann er die Siegprämien gut gebrauchen - zusätzliche Motivation, bei möglichst vielen Meetings anzutreten. Doch die sportlichen Ziele sind ihm noch nicht ausgegangen. Ein Satz über sechs Meter in der Halle wäre so eine Marke.

„Du musst immer in der Lage sein, binnen drei Minuten zu springen“ © dpa Vergrößern „Du musst immer in der Lage sein, binnen drei Minuten zu springen“

In Düsseldorf verzichtete er als einzig verbliebener Athlet darauf, „damit die Zuschauer die letzte Straßenbahn bekommen“. Was natürlich ein Scherz war. Nach einem langen, bisweilen zähfließenden Wettbewerb fehlte schlicht die Konzentration, um noch die ganz hohe Wand zu nehmen: Um halb sieben waren die 13 Stabhochspringer vorgestellt worden, kurz nach acht griff Otto zum ersten Mal ein.

Deutlich nach halb zehn stand er als Sieger fest. „Das Schwierigste ist, die Konzentration so lange aufrechtzuhalten“, erklärte der Gewinner hinterher. „Denn du musst immer in der Lage sein, binnen drei Minuten zu springen.“

Otto muss nicht ganz auf Karneval verzichten

Doch der Rheinländer an sich ist ja fröhlich und pragmatisch, und so genoss Björn Otto auch diesen Abend, schaute bei den anderen Disziplinen zu, plauderte mit seinen Mitspringern Raphael Holzdeppe und Tobias Scherbarth, hielt sich warm, freute sich, dass das Düsseldorfer Publikum ihn als Kölner so herzlich feierte, und klatschte bei der Stimmungsmusik mit. So gesehen musste er doch nicht ganz auf Karneval verzichten.

Quelle: F.A.Z.

 
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