12.08.2010 · Die Welt des Sports sei scheinheilig, sagt der ehemalige Sportmanager Stefan Matschiner vor dem Wiener Landesgericht: „Doping steht auf der Tagesordnung.“ Er gab zu, über Jahre hinweg Sportlern illegale Präparate gegeben zu haben.
Der ehemalige Sportmanager Stefan Matschiner hat sich in der bisher größten Dopingaffäre im österreichischen Sport vor dem Wiener Landesgericht teilweise schuldig bekannt. „Die Welt des Sports ist eine scheinheilige. Doping steht auf der Tagesordnung wie Frühstück“, sagte der 35-jährige Österreicher beim Auftakt des Prozesses. Er gab zu, zwischen 2005 und 2008 insgesamt acht von ihm betreuten Sportlern illegale Präparate gegeben zu haben, darunter Epo, Testosteron und Wachstumshormone, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA.
Bei einigen Athleten habe er „die Management-Komponenten mit der medizinischen Komponente kombiniert“, erklärte er. In diesem Zusammenhang nannte Matschiner den des Doping überführten früheren Radprofi Bernhard Kohl, dessen ehemaligen Teamkollegen Markus Zberg und die Triathletin Lisa Hütthaler. Die übrigen fünf Sportler wollte Matschiner nicht namentlich preisgeben, um sie zu schützen. Er habe den Sportlern nur „Minimaldosen“ überlassen, die nicht gesundheitsschädlich seien. Zudem habe er sich mit der Weitergabe der Doping-Mittel nicht bereichert und sich „nicht als Dealer gesehen“, betonte der ehemalige Manager: „Doping war für mich keine Einnahmequelle, sondern Mittel zum Zweck.“ Dabei sei es ihm ausschließlich um den sportlichen Erfolg der Athleten gegangen. Er erhielt sechs bis acht Prozent von deren Einnahmen aus Preisgeldern, Sponsoren-Verträgen und sonstigen Aktivitäten.
Kohl, der am Nachmittag in dem Prozess aussagte, belastete den früheren Manager hingegen schwer. „Für mich hat er das Ganze organisiert, für mich war er die zentrale Figur“, sagte er vor Journalisten. Als Zeuge betonte er, er habe Matschiner innerhalb von drei Jahren verbotene Dopingpräparate im Wert von 50.000 bis 70.000 Euro abgekauft. Als er 2005 einen Profivertrag im T-Mobile-Team bekam, „habe ich gewusst, dass ich das Doping auf professionelle Beine stellen muss, wenn ich in die oberste Liga will“, sagte der frühere Radsportler vor Gericht.
Doping bis „in höchste Funktionärskreise“ gedeckt
Zum Vorwurf des Blutdopings im Sinne des im Sommer 2008 in Kraft getretenen neuen österreichischen Anti-Doping-Gesetzes legte Matschiner kein Geständnis ab. Er soll mit einer eigens angeschafften Blutzentrifuge noch Ende September 2008 Blutdoping betrieben haben. Diese soll von Kohl, dem dänischen Radprofi Michael Rasmussen und dem Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann mitfinanziert worden sein.
Laut Kohl sei es am 22. September 2008 in Linz zu verbotenen Vorgängen gekommen. Matschiner sagte jetzt jedoch, er habe sich zu dieser Zeit zu PR-Zwecken in Belgrad befunden. Zum Beweis legte er einen entsprechend gestempelten Reisepass vor, der nun kriminaltechnisch untersucht werden soll. Er habe in Österreich nur so lange Blutdoping betrieben, bis dies per Gesetz verboten wurde. Noch vor Inkrafttreten der neuen Regeln habe er das Gerät zunächst nach Slowenien und dann nach Ungarn gebracht, wo Blutdoping nicht verboten ist. Demnach läge keine Straftat vor. Matschiner erklärte zudem, es sei nicht glaubhaft, dass bei der Tour de France 2009 und 2010 offiziell kein einziger Radfahrer positiv auf Doping getestet wurde. Darüber könne er „nur den Kopf schütteln“. Es sei so gewollt gewesen. Doping werde bis „in höchste Funktionärskreise“ gedeckt. Der Sportmanager war Ende März 2009 festgenommen und fünf Wochen später wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Ihm drohen bis zu drei Jahren Haft.