http://www.faz.net/-gtl-7gqpt

Sport als Botschaft : Zum Beispiel Bruhn

Zwischen WM und Wahl: Kirsten Bruhn Bild: dpa

Kirsten Bruhn gewinnt zwei Titel bei ihrer letzten Weltmeisterschaft. Präsenter ist die gelähmte Schwimmerin aber als eines von vier Gesichtern einer Kampagne des Deutschen Bundestages. „Du bist die Wahl!“

          Öffentlich präsent ist Kirsten Bruhn derzeit schon - allerdings weniger in ihrem eigentlichen Metier. Von den beiden Goldmedaillen, die sie bei den Weltmeisterschaften der behinderten Schwimmer in Montreal gewonnen hat, dürfte kaum jemand Notiz genommen haben. Behindertensport jenseits der Paralympics ist eben immer noch eine Nischenveranstaltung, erst recht, wenn er sich an derart fernen Schauplätzen abspielt.

          Insofern mag sich mancher auch nach insgesamt drei Paralympics-Siegen und sieben WM-Goldmedaille noch fragen, wer diese blonde Frau eigentlich ist, die einen von Plakatwänden quer durch die Republik anlächelt. Neben dem Boxer Firat Arslan, der Sängerin Linda Hesse und dem Schauspieler Raul Richter ist Kirsten Bruhn eines von vier Gesichtern einer Kampagne des Deutschen Bundestages. Unter dem Motto „Du bist die Wahl!“ sollen junge Leute ermuntert werden, bei der Bundestagswahl am 22. September ihre Stimme abzugeben.

          „Du kannst mehr bewirken, als du denkst“ steht auf den Plakaten, die Kirsten Bruhn im Rollstuhl und mit optimistisch-erhobenem Daumen zeigen. Eine Botschaft, die passt. Denn tatsächlich steht die querschnittgelähmte Kirsten Bruhn mit ihrer Sportlerkarriere als Beispiel für diese Haltung - nicht nur bei einer Wahl, sondern im Leben überhaupt: Wie man positiv und produktiv die Hürden angehen kann, die mit einer Behinderung einhergehen. Die Bremse, so könnte man sagen, liegt oft auch im Kopf - und der Sport kann helfen, sie zu lösen. Zu sehen war das in diesem Sommer auch im Kinofilm „Gold - Du kannst mehr, als du denkst“, in dem der Weg dreier behinderter Athleten zu den Paralympics im vergangenen Jahr in London nachgezeichnet wird.

          Im Fall Kirsten Bruhn war eines dabei besonders eindrucksvoll: Wie sehr sie den Regisseur Michael Hammon auch an die verletzte Seite ihrer Persönlichkeit heranließ. Sonst folgen die Erzählungen aus dem Behindertensport ja meist dem immergleichen Muster: Sie machen einen glauben, dass der Erfolg im Sport den Verlust der physischen Unversehrtheit kompensieren kann.

          Die Tränen, die Kirsten Bruhn überkommen, während sie von ihrem Motorradunfall vor 22 Jahren und den Mühen beim Weg zurück in ein halbwegs normales Leben sprechen eine andere Sprache: Da sind Wunden geblieben, die auch alle Medaillen dieser Welt nicht heilen können. Zu den beiden aus Montreal werden nicht mehr viele hinzukommen; die WM war für die 43 Jahre alte Neumünsteranerin der letzte Wettkampf auf Weltniveau. Als authentische Botschafterin dafür, was ein Mensch trotz Behinderung alles erreichen kann, darf man aber weiter auf sie zählen.

          Weitere Themen

          Löw glaubt an Neuer Video-Seite öffnen

          Trainingslager : Löw glaubt an Neuer

          Der Torhüter von Bayern München hat nach seinem Mittelfußbruch seit September kein Pflichtspiel mehr bestritten. Bundestrainer Joachim Löw hat ihn trotzdem in seinen vorläufigen WM-Kader berufen.

          Die Mission des Joachim Löw

          Fußball-WM 2018 : Die Mission des Joachim Löw

          Der Bundestrainer stellt das Programm für die große nationale Aufgabe der kommenden 52 Tage vor. Joachim Löw hat einen klaren Plan, wie die WM-Titelverteidigung gelingen soll – und ist gesprächig wie selten.

          Nur Fliegen ist schöner Video-Seite öffnen

          Hydrofoil-Surfen : Nur Fliegen ist schöner

          Fast scheint es, als würden sie über die Wellen fliegen - die sogenannte Hydrofoil-Technik macht’s möglich. Lange Finnen mit Flügeln an der Unterseite des Boards sorgen für soviel Auftrieb, dass Brett und Surfer aus dem Wasser gehoben werden.

          Topmeldungen

          Doch ein Treffen mit Kim? : Die gefährlichen Spielchen des Donald Trump

          Erst sagt Amerikas Präsident das geplante Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ab, nun soll es wohl doch noch stattfinden. So riskiert Donald Trump Chaos, verprellt Verbündete – und verschafft Kim einen Vorteil.
          Altkanzler Gerhard Schröder (links) mit dem russischen Ministerpräsidenten Medwedew und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Gazprom, Wiktor Subkow, bei der Amtseinführung Putins.

          Abschuss von MH17 : Ausgerechnet Schröder

          Der Kreml weiß selbst am besten, wer für den Abschuss von MH17 verantwortlich ist. Ein ehemaliger Bundeskanzler aber beklagt lieber die Eigensucht Amerikas. Ein Kommentar.
          Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt Anfang 2016.

          „Ankerzentren“ : Kritik an Seehofers zentralen Unterkünften

          Großunterkünfte für Asylbewerber, wie Innenminister Horst Seehofer sie plant, stoßen auf viele Vorbehalte. Die Bundesländer wollen Rechtsklarheit, Wohlfahrtsverbände sorgen sich vor allem um Kinder.
          Italiens designierter Ministerpräsident Giuseppe Conte.

          Wegen neuer Regierung : Italien droht Abstufung

          Die Pläne der voraussichtlichen neuen Regierung unter Giuseppe Conte hält mit Moody’s nun auch eine der großen Ratingagenturen für Besorgnis erregend. Eine Abwertung hätte für Italien teure Folgen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.