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Tennis-Glosse : Sparen mit Boris Becker

Die Köpfe des deutschen Tennis: Boris Becker (links) und Barbara Rittner. Bild: Picture-Alliance

Ein Mann mit so vielen Schulden wie Boris Becker könnte jeden Euro brauchen. Für den Deutschen Tennis Bund allerdings arbeitet er ehrenamtlich. Ist das nicht merkwürdig?

          Verliert Boris Becker nun auch noch seine Wimbledon-Pokale? Eine Frage, die zuletzt den Boulevard verrückt gemacht hat angesichts der neuen Schuldenstandsmeldungen. Gegenüber der Insolvenzbehörde und der für den Fall zuständigen Kanzlei Smith & Willamson in London haben vierzehn Gläubiger bei Becker Forderungen in Höhe von insgesamt mehr als 54 Millionen Pfund angemeldet. Das entspricht rund 61 Millionen Euro.

          „Es ist alles noch viel schlimmer“, titelte deshalb die „Bunte“ in der vergangenen Woche. Und lieferte dazu gleich noch einige Details: 31.000 Euro habe Becker derzeit noch auf seinen fünf Konten bei der britischen Metro-Bank – sie werden vorerst eingefroren; Becker selbst schätze den Kaufpreis seiner Möbel und Einrichtungsgegenstände in seinem Mietshaus in London auf insgesamt 226.000 Euro, Teile davon sollen versteigert werden; Becker besitze noch vier Luxusuhren, deren Wert er auf 36.800 Pfund (etwa 41.700 Euro) schätze; seine Finca auf Mallorca gehöre Becker offenbar schon lange nicht mehr, er glaube demnach, dass er die Anteile schon 2016 „für einen Euro“ an einen Dritten verkauft habe. Sicher sei er sich allerdings nicht.

          Dafür bestehe noch seine Trophäensammlung. 49 Titel hat Becker während seiner Karriere im Einzel gewonnen, allein sechs Grand-Slam-Turniere. Hinzu kommt die Goldmedaille im Doppel bei den Olympischen Spielen in Barcelona 1992. Der „Stern“ meldet Zweifel an und schreibt: „Materiell sind die Dinger poliertes Altmetall, aber auf dem Markt werden sich tennisverrückte Asiaten oder Araber finden, die vielleicht hohe Summen dafür bieten.“

          Becker selbst sagt erst einmal nichts. Nicht einmal bei Twitter meldet er sich derzeit als @TheBorisBecker zu Wort. Was ein bisschen schade ist, konnte man dort in der Vergangenheit doch Dinge lesen wie: „Freue mich wieder in einer @lufthansa zu sitzen ...top-service ! Sogar Eisbeutel hatten sie für mein Sprunggelenk!!!“ Oder: „Bb hat heute zahnschmerzen ... autsch !“ Oder: „Nach 2 Scheidungen geht Frau normalerweise wieder auf Geburtsnamen, der lautet Feltus...“ Unser Favorit aber ist dieser Tweet: „Sometimes, i wish i was a pretty woman !“ Aber der Mann hat ja recht. Bei den Frauen ist so manches anders. Und lukrativer.

          Beim Deutschen Tennis Bund etwa. Dort gibt es Barbara Rittner, die als „Head of Womens’s Tennis“ angestellt ist und dafür bezahlt wird. Und es gibt Boris Becker, den „Head of Men’s Tennis“. Er macht das ehrenamtlich. Ohne auch nur einen Cent an Gehalt. Das finden Sie merkwürdig, weil ein Mann mit so vielen Schulden doch jeden Euro gebrauchen könne? Finden wir auch – und deshalb haben wir nachgefragt. Warum werden beim DTB bei zwei miteinander zu vergleichenden Positionen derartige finanzielle Unterschiede gemacht? Antwort: „Boris Becker hat von vornherein erklärt, dass er die Funktion als ,Head of Men’s Tennis‘ ehrenamtlich ausführen möchte.“ Und weiter: „Boris Becker erhält für seine Tätigkeit beim DTB lediglich eine Erstattung seiner Reisekosten.“

          Klar, das Geld, das er derzeit verdient, bleibt ja nicht bei ihm, sondern wird an die Gläubiger verteilt. Der DTB kann so prima Geld sparen. Darauf muss man erst mal kommen! Und wie geht der DTB mit der finanziellen Situation von Becker um? Antwort: „Boris Becker wurde vom Deutschen Tennis Bund aufgrund seiner herausragenden sportlichen Expertise verpflichtet. Der DTB wird seine private Situation weder bewerten noch kommentieren.“ Um die Außendarstellung des Verbandes macht sich da offenbar keiner Sorgen. Muss man sich auch erst einmal trauen.

          Quelle: F.A.S.

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