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Snooker-Weltmeister O’Sullivan Das Genie ist wieder da

 ·  Der Segen einer Auszeit: Ronnie O’Sullivan hat seinen Titel als Weltmeister im Snooker verteidigt - und das, obwohl er seit seinem Erfolg im Vorjahr kein einziges Turnier gespielt hatte.

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© AFP Vergrößern Genau geschaut: Ronnie O’Sullivan ist Snooker-Weltmeister

Es ist eine Geschichte, wie sie sich kein Drehbuchautor besser hätte ausdenken können. Ronnie O’Sullivan hat am Montagabend seinen Titel als Snooker-Weltmeister verteidigt - obwohl er seit seinem Erfolg im Vorjahr kein einziges Turnier gespielt hatte. Der Triumph des Siebenunddreißigjährigen ist verdient, hat für seine Konkurrenten aber eine verheerende Wirkung: O’Sullivan hat so viel Talent, dass er selbst bei einer mangelhaften Vorbereitung besser ist als alle anderen Spieler.

Wie groß der Respekt für den exzentrischen Engländer bei den Konkurrenten ist, zeigten die Worte von Barry Hawkins, den O’Sullivan im Finale 18:12 bezwungen hatte. „Ich freue mich, dass ich das Spiel wenigstens etwas spannend gestalten konnte.“ Zu dem hohen Niveau des Endspiels hatte auch Hawkins beigetragen, dem ebenso wie O’Sullivan einige hohe Breaks - Serien von Punkten - gelangen, der in den entscheidenden Momenten aber zu viele Fehler machte und vor allem am exzellenten Stellungsspiel O’Sullivans verzweifelte. Wie präzise sein Gegner vor allem den weißen Spielball auf dem 3,60 Meter langen Tisch umherwandern ließ und sich somit immer wieder perfekt in Position brachte, um eine der 22 Kugeln zu lochen, konnte auch Hawkins kaum glauben. „Bei ihm sieht es so leicht aus, das ist beängstigend.“ Rolf Kalb, Snooker-Kommentator bei Eurosport, meinte gar, dass O’Sullivans Comeback nicht nur eine der „besonderen Geschichten des Snooker, sondern des gesamten Sports“ sei.

O’Sullivans Rückkehr hat alles überstrahlt

Nur einmal ballte der nun fünfmalige Weltmeister bei der Siegerehrung die Faust, ansonsten fiel der Jubel bei O’Sullivan sehr verhalten aus. Erst als er dann seinen Sohn Ronnie Jr. auf dem Arm hielt, kehrte ein Lächeln in das Gesicht des Briten zurück. Was ihm dieser Sieg bedeute? „Ich war gelangweilt, brauchte eben eine Beschäftigung“, antwortete der Brite, der in seinem Sabbatjahr unter anderem auf einem Bauernhof gearbeitet hatte, lapidar. „Ich habe Snooker nicht so sehr vermisst in der Auszeit.“

Die Rückkehr O’Sullivans hatte das gesamte Turnier überstrahlt. Nachdem er zunächst eine einjährige Pause angekündigt hatte, erklärte der Titelverteidiger im Februar überraschend, doch bei der WM in Sheffield starten zu wollen. Während des Turniers hatte O’Sullivan immer wieder Gerüchte über einen dauerhaften Rücktritt vom Snooker geschürt. „Oh mein Gott, ich will nur noch nach Hause“, sagte er während des Halbfinals gegen Judd Trump genervt. Im Anschluss sagte O’Sullivan, der mit Depressionen und Drogenproblemen in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgte, dass er nun genug Geld eingespielt habe, um die Schulgebühren seiner Kinder bezahlen zu können. Bei neun weiteren Turnieren müsse er jedoch in der Saison starten, um den Vertrag gegenüber seinen Sponsoren zu erfüllen.

Die Snooker-Welt darf weiter rätseln

Bei der diesjährigen WM war O’Sullivan mehr denn je das Zugpferd des Sports. Das Niveau des Turniers reichte nicht an die Vorjahre heran; viele Favoriten scheiterten schon in den ersten Runden. Mark Selby, die Nummer eins der Welt, bekannte nach seinem Achtelfinal-Aus: „Ich habe keinen Schwung, keine Energie.“ Die Reformen des Snooker-Weltverbandes und ihres Vorsitzenden Barry Hearn haben den Sport zwar internationalisiert und mit neuen Sponsoren lukrativer gemacht. Für die Spieler haben die häufigen Reisen nach Asien oder Australien aber die Folge, dass sie vor allem am Ende einer langen Saison, die durch die WM beendet wird, keine Top-Leistungen mehr bringen können. Neil Robertson, in der gesamten Saison der konstanteste Spieler und vor der WM als einer der Top-Anwärter auf den Titel gehandelt, schied ebenso in der ersten Runde aus wie vier andere Top-10-Spieler.

Wer in den kommenden Jahren um die Weltmeisterschaft mitspielen will, muss sich wohl ein Vorbild an O’Sullivan nehmen und auf die Teilnahme an einigen Turnieren verzichten, um Kräfte zu sparen. Durch die erfolgreiche Titelverteidigung - zuletzt gelang dies Stephen Hendry 1996 - wird O’Sullivan auch 2014 automatisch an der ersten Position gesetzt sein, auch wenn er in der Weltrangliste weiter hinten geführt sein sollte. Das Hin und Her, ob er nun zurücktritt oder doch weitermacht, dürfte bis dahin weitergehen. Die Snooker-Welt dürfte also noch ein wenig rätseln über die Zukunft des Genies. „Mit mir ist es ein ständiges Auf und Ab, wie mit der Unterhose einer Prostituierten“, sagte O’Sullivan bei der Siegerehrung.

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