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Start der WM in Sheffield : Snooker ist Schach mit Fingerfertigkeiten

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Mark Selby beim Bespielen der roten Kugeln: Der 33-Jährige ist aktuell Weltranglistenerster und amtierender Titelträger der WM. Bild: dpa

Jährlich eine WM, spielen mit Anzug und Fliege, dazu Benimmregeln für die Profis: Das ist Snooker. Doch wie spielt man das eigentlich? Und was ist der Unterschied zum Billard?

          Eine Art Schach mit Fingerspitzengefühl: Das ist Snooker. Die Spieler müssen bei dem Präzisionsspiel mit ganz viel Taktik nicht nur konzentriert agieren, sondern auch vorausdenken. Dennoch oder gerade deswegen lockt die Billard-Variante die Menschen vor die Fernseher: Rund 350 Millionen Menschen in 89 Ländern verfolgen nach Angaben des Weltverbandes das Spektakel im Crucible Theatre von Sheffield.

          An diesem Samstag beginnt die WM 2017. Doch was ist Snooker für ein Sport?  Wieso gibt es so selten ein Maximum Break? Und welche deutschen Akteure spielen überhaupt mit?

          Wie wird Snooker gespielt?

          Snooker ist eine komplexere Variante des Billards, bei der 15 rote und sechs andersfarbige Bälle in einer festgelegten Reihenfolge versenkt werden müssen. Während rote Bälle nur einen Punkt bringen, haben die farbigen Bälle höhere Wertungen – mit sieben Punkten ist der schwarze Ball der „wertvollste“. Solange rote Bälle auf dem Tisch liegen, muss wechselweise Rot-Farbe-Rot-Farbe gelocht werden.

          Wie groß ist der Tisch?

          Riesig im Vergleich zu den Tischen anderer Billard-Varianten. Ein Turniertisch ist 3569 Millimeter lang und 1778 Millimeter breit – und damit mehr als einen Meter länger als ein gewöhnlicher Tisch beim Pool-Billard. Die Bälle dagegen sind kleiner. Beim Snooker haben die Bälle einen Durchmesser von 52,5 Millimeter, beim Pool-Billard sind es 57 Millimeter. Ein Snooker-Tisch wiegt bis zu 1500 Kilo.

          Einer der, wenn nicht das Gesicht der Snooker-Welt: Ronnie O’Sullivan. Der Brite hat fünfmal (2001, 2004, 2008, 2012, 2013) die Snookerweltmeisterschaft und siebenmal (1995, 2005, 2007, 2009, 2014, 2016, 2017) das Masters gewonnen, in seiner Karriere aber auch mit Suchtproblemen und psychischen Krankheiten zu kämpfen.
          Einer der, wenn nicht das Gesicht der Snooker-Welt: Ronnie O’Sullivan. Der Brite hat fünfmal (2001, 2004, 2008, 2012, 2013) die Snookerweltmeisterschaft und siebenmal (1995, 2005, 2007, 2009, 2014, 2016, 2017) das Masters gewonnen, in seiner Karriere aber auch mit Suchtproblemen und psychischen Krankheiten zu kämpfen. : Bild: AP

          Was ist das „perfekte Spiel“ im Snooker?

          Nur den wenigsten gelingt es in ihrer Karriere: Beim „perfekten Spiel“ - auch Maximum Break genannt - räumt ein Spieler alle Bälle in einem Zug ab und erzielt dabei die maximale Ausbeute von 147 Punkten. Dazu muss nach jedem roten (ein Punkt) der schwarze Ball (sieben Punkte) gelocht werden. Das gelingt selten: Laut Weltverband wurden seit 1982 nur 131 Maximum Breaks bei Profiturnieren gespielt.

          Meister des „perfekten Spiels“ ist Ronnie O'Sullivan aus England, der dieses Kunststück in seiner Profikarriere 13 Mal schaffte. „The  Rocket“ hält auch den Rekord für das schnellste Maximum: Bei der WM 1997 holte er die 147 Punkte in nur 5:20 Minuten.

          Wie viel Preisgeld gibt es beim Snooker/bei der WM?

          Bei der WM 2017 wird ein Preisgeld von 1,75 Millionen Pfund (2,06 Millionen Euro) vergeben, der Sieger erhält davon 375 000 Pfund (441 000 Euro). Ähnlich wie beim Darts-Sport wird auch beim Snooker die Weltrangliste nach Preisgeld definiert - die Punkte für das Ranking entsprechen der Preisgeld-Höhe in Pfund.

          Spielen Deutsche bei der Weltmeisterschaft in Sheffield mit?

          Deutsche Spieler haben sich bislang nie für die Endrunde einer Snooker-WM qualifizieren können. Lasse Münstermann (2001), Patrick Einsle (2007) und Lukas Kleckers (2015) schafften es zwar in die Qualifikation, scheiterten aber in einer der ersten beiden Runden.

          Wie oft findet die WM statt? Wo wird gespielt?

          Die Snooker-WM ist der Höhepunkt und das Finale jeder Saison. 32 Profis dürfen im April und Mai jeden Jahres um den Titel mitspielen, 128 nehmen an der vorherigen Qualifikation teil. Austragungsort ist seit 1977 das Crucible Theatre im englischen Sheffield. Das bleibt auch bis mindestens 2027 so.

          Selby mit einer Fahne von Leicester City: Der Topfavorit auf den Titel ist bekennender Fan der „Foxes“, dem ebenfalls amtierenden Meister in England.
          Selby mit einer Fahne von Leicester City: Der Topfavorit auf den Titel ist bekennender Fan der „Foxes“, dem ebenfalls amtierenden Meister in England. : Bild: AP

          Woher kommt der Name Snooker und was bedeutet der Begriff im Spiel?

          Wenn ein Spieler den nächsten Ball, den er gemäß der Regeln anspielen muss, nicht direkt treffen kann und zu einem Stoß über die Bande oder einem Bogenball gezwungen wird, wurde er „gesnookert“. Trifft der Spieler in der Folge den anzuspielenden Ball nicht, kassiert er Strafpunkte. Diese Strafpunkte können in umkämpften Frames spielentscheidend sein – den Gegner „snookern“ ist damit eine wichtige taktische Variante des Spiels: Wenn ein Spieler selbst keinen Ball mehr versenken kann, legt er die weiße Kugel an einer für den Gegner möglichst ungünstigen Stelle ab.

          Der Begriff hat es vom Spiel direkt in den alltäglichen Sprachgebrauch geschafft: Das Verb „to snooker“ bedeutet im Englischen „jemanden sperren“ oder auch „jemanden übers Ohr hauen“.

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          Quelle: FAZ.NET

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