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Copenhagen Open : Die letzte Freiheit im Skateboarding

  • -Aktualisiert am

Keine Logen, keine Security, keine Regeln: In Kopenhagen gehören Skateboarder seit Jahren zur Stadtszene. Bild: Maksim Kalanep

Individualismus, Draufgängertum, Punkrock – die „Copenhagen Open“ wollen den Geist des Skateboarding vor der Kommerzialisierung schützen. Wie lange gelingt dies den Machern noch?

          Es ist kurz vor Mitternacht auf dem Enghaveplads in Vesterbro, einem noblen Wohnviertel in Kopenhagen. Gerade haben sich fünf der mehr als 5000 angereisten Skateboardfans ohne T-Shirt auf den kühlen Asphalt gelegt, um für einige Minuten die Seele zwischen leeren Bierdosen, Skateboards und Zigarettenstummeln baumeln zu lassen. Ein Iron-Maiden-Song scheppert aus den Boxen eines alten Volkswagens. Die fünf Asphalturlauber haben ein kleines Feuer gemacht und blicken in den vernebelten Nachthimmel.

          Es war ein langer Tag, der mit einem Bowl-Contest begann, bei dem auch irgendwer gewonnen hatte, aber Podiumsplätze interessieren hier niemanden. Auch nicht William Frederiksen, den Gründer der International Skateboard Federation und Initiator der „Copenhagen Open“. „Das Schlimmste“, sagt Frederiksen, „wäre, wenn die Kids mit dem Skaten beginnen, um besser als jemand anderes zu werden. Wir wollen zeigen, um was es wirklich geht: Sei kreativ und lass dir nicht diktieren, wie du deine Leidenschaft zu leben hast!“

          Begeisterte Zuschauer bei den Copenhagen Open.
          Begeisterte Zuschauer bei den Copenhagen Open. : Bild: Maksim Kalanep

          Ob Kopenhagen dank seiner scheinbar grenzenlosen Liberalität einer der wenigen Orte ist, an dem ein Skateboard-Event dieses Ausmaßes denkbar ist? Die Polizei jedenfalls will das ausgelassene Treiben nicht stören und fährt in dieser Nacht Bögen um Lagerfeuer und herumliegende Skateboard-Profis. „Unsere Politiker sind offen für leidenschaftliche Projekte, die Kopenhagen zum Leben erwecken und die Jugend von ihren Bildschirmen holt. Skateboarding wird in Dänemark ernst genommen, toleriert und gefördert“, begründet der Mann, den hier alle nur „Mr. Kopenhagen“ nennen, diesen Ausnahmezustand.

          Den „Ring of Fire“, ein brennendes Herz, durch das die Skater über einen Kicker springen, hat man dennoch sicherheitshalber aus dem Programm genommen, weil es im vergangenen Jahr zu ernsthaften Verbrennungen gekommen war. Die zehnte Auflage der „Copenhagen Open“ ist groß, weitaus größer als in den Jahren zuvor und wahrscheinlich zu groß, um dieses Skateboard-Festival in einer Fortsetzung vor dem gefürchteten Sell-Out zu bewahren. Aus aller Welt sind sie gekommen, Profi-Skater, die Crème de la Crème, die Besten der Besten. Sie wollen den Werten ihrer Sportart ein Echo verleihen: Individualismus, Punkrock, Draufgängertum ohne sportlich zementierte Spielregeln.

          Rune Glifberg, der seinen Lebensunterhalt seit einem Vierteljahrhundert als Skateboard-Profi bestreitet, gilt nicht nur in der Stammkneipe seines Großvaters in Kopenhagen als lebende Legende. Um die Jahrtausendwende sicherte sich der heute 42-Jährige Podiumsplätze in der Kategorie „Vert“ mit Finessen, die erst einmal erfunden werden mussten, und zählt seither zu jenem sagenhaften Kreis von Skateboardern, denen im Videospiel „Tony Hawk’s Pro Skater“ ein eigener Charakter gewidmet wurde. Glifberg weiß um den Charme dieses Kopenhagener Contests und seiner im Wandel der Zeit steigenden Wertigkeit: „Natürlich ist es gut, dass Skateboarding größer wird, aber ein Großteil von uns möchte es klein halten.“ Von außen betrachtet wirkt Skateboarding manchem Beobachter unreif, verrückt, widerspenstig, und genau das macht seine Seele aus, die „Copenhagen Open“ zelebrieren dieses Lebensgefühl. „Wir wollen nicht die halbe Welt verärgern, aber ein bisschen provozieren, so wie in den guten alten Tagen“, sagt Glifberg.

          Ganz so gut wie in den alten Tagen skatet der Meister nach mehr als dreißig Jahren natürlich nicht mehr. Heute hält der Star es repräsentativer, verleiht Wettbewerben mit seiner Anwesenheit eine gewisse Strahlkraft. Einige Dosen Carlsberg und meterhohe Airs später steht der Routinier plötzlich auf dem zweiten Platz der Einzelwertung im vollen Faelledpark. „Ausverkauft“ würde auch zutreffen, allerdings ist der Eintritt zu jeder der „Wertungsprüfungen“ frei. Keine Logen, keine Security, keine Regeln.

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