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Simeonis Wochenschau : Kafka schwimmt, Diogenes brummt

Chapeau – wir ziehen den Hut! Bild: F.A.Z.

Wer verdient den Hut, wer das Florett? Franz Kafka hat schon zwei kluge Sätze vor 96 Jahren gesagt. Gar nicht so klug ist, was manche Sportler heutzutage machen, um besser als andere zu sein.

          Chapeau: Es wird viel geredet, wenn der Tag lang ist, besonders über Sport. Dafür ist er unter anderem ja auch da: Dass die Welt ein spannendes gemeinsames Thema hat zur unverbindlichen Geräuschentwicklung. Obwohl: Es geht auch anders. Wer sich mit Sport befasst, und das nicht nur auf Hochleistungs-Ebene, der erfährt eine Menge über die Menschen. Was treibt sie an? Was treibt sie um? Selbst Franz Kafka, generell wahrscheinlich unsportlich, aber ein passionierter Schwimmer, hat vor knapp 96 Jahren zwei Sport-Sätze in sein Tagebuch geschrieben.

          Und sie sind so verblüffend und auf so verschlossene Weise wahr, dass sie, an dieser Stelle zitiert, einer Anleitung für den Leser bedürfen: Jetzt kurz sammeln. „Ich kann schwimmen wie die andern“, schrieb Kafka. „Nur habe ich ein besseres Gedächtnis als die andern, ich habe das einstige Nicht-schwimmen-können nicht vergessen. Da ich es aber nicht vergessen habe, hilft mir das Schwimmen-können nichts und ich kann doch nicht schwimmen.“ Macht sich so etwas seltsam aus in einem Sportteil? Weit entfernt, Kafka instrumentalisieren zu wollen, stellen wir uns doch vor, ein Olympiasieger im Schwimmen hätte diese Sätze gesagt. Und vielleicht hinzugefügt, dass eine Goldmedaille einen Menschen nicht wärmen kann, wenn ihm schon als Kind kalt war.

          Attaque – hier wird angegriffen!

          Attaque: Aber solche Momente der Wahrheit sind selten. Häufiger kommt es vor, dass einem Olympiasieger mit ganz unqualifizierten Bemerkungen in die Suppe gespuckt wird. So wie das schon Diogenes von Sinope nie vormachte. Dem alten Griechen waren die Olympischen Spiele natürlich ein Begriff, und so hatte er gleich eine spitzfindige Entgegnung parat, als ihm jemand voller Freude davon berichtete, wie er alle anderen Männer im Wettkampf übertrumpft habe. Der Philosoph beschämte ihn mit einer einzigen Frage: „Was für eine Ehre ist es, Schwächere zu besiegen?“ Aber da müssen wir jetzt doch einmal einhaken.

          Natürlich gibt es im olympischen Teilnehmerfeld Bessere und weniger Gute. Aber das Problem besteht gar nicht zwischen denen, die gelernt haben, eine Leistungs-Rangfolge zu akzeptieren. Schwierig wird es, wenn zwei oder mehrere Sportler gleich talentiert und gleich stark sind. Denn was machen sie dann, verehrter Diogenes? Einer versucht den anderen mit unlauteren Mitteln zu überflügeln. Sie kneifen und treten ihren Gegenspieler heimlich. Sie treiben ihre Tretmaschinen zusätzlich mit etwas an, das wir Motoren nennen. Und sie nehmen Pillen ein, weil sie davon ausgehen, dass der andere gleich stark ist und auch Pillen nimmt, und zwar viele. Manchmal ein ganzes Fass voll.

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