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Siegertypen des Sportjahres 2012 „Ohne die schlechte Zeit wäre ich nicht hier“

Position fünf in der Weltrangliste, Platz zwei bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres: Angelique Kerber ist nach vielen Jahren des Misserfolgs und des Zweifelns oben angekommen in der Tenniswelt. Im F.A.Z.-Interview spricht über süße Siege und bittere Niederlagen.

© AFP Durchschlagender Erfolg: Angelique Kerber hat das beste Jahr ihrer Profikarriere hinter sich

Das Jahr hat ja gut aufgehört für Sie. Nur Magdalena Neuner war bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres noch beliebter . . .

Das ist wirklich eine große Ehre für mich! Damit hätte ich nicht gerechnet. Im Olympischen Jahr und bei der Auswahl an tollen Athletinnen ist der zweite Platz für mich eine tolle Bestätigung eines unglaublichen Jahres!

Sie sind in der zweiten Hälfte 2011 aus dem Niemandsland der Weltrangliste bis auf Platz 32 vorgestoßen. Dort wollten Sie sich ja erst einmal etablieren, aber stattdessen haben Sie dieses unglaubliche Jahr auf Rang fünf beendet. Ist der Druck, nun viele Punkte verteidigen zu müssen, noch größer als vor einem Jahr?

Wenn ich gut und konstant spiele, dann kommen Punkte dazu, aber ich verliere vielleicht manchmal auch welche. Das ist Teil des Tennis. Mein Ziel ist es, das zu bestätigen, was ich 2012 geschafft habe. Das wird nicht einfach sein, aber vielleicht geht ja auch ein bisschen mehr. Im Endeffekt möchte ich mich weiterentwickeln, bei ein paar Details gibt es noch Luft nach oben. Punkte zu verteidigen, daran denke ich überhaupt nicht, auch wenn das komisch klingt. Wenn man sich zu viel Druck macht, dann geht meistens gar nichts. Und ich bin ja keine, die große Dinge ankündigt und davon redet, die Nummer eins zu werden. Ich habe den Ansporn, gut zu spielen, aber man muss auch mal eine frühe Niederlage einkalkulieren. Damit rechne ich nicht, aber sie können kommen und gehören dazu.

Bild Kerber 4 © dpa Vergrößern Zweiter Platz: Kerber bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“

Dürfen wir annehmen, dass zu den verbesserungswürdigen Details ihr zweiter Aufschlag gehört . . .

. . . auf jeden Fall.

Geben Sie uns Hobbyspielern einen Tipp: Wie verbessert man seinen zweiten Aufschlag?

Indem man nach jeder Einheit noch einmal eine halbe Stunde mit Bällen aus dem Eimer aufschlägt und indem man an der Technik arbeitet. Aber man muss das natürlich noch einmal im Match umsetzen. Ich habe das zum Ende dieser Saison schon besser hinbekommen. Bei den Spielen, bei denen mein zweiter Aufschlag überhaupt nicht kam, war ich nicht mutig genug, da habe ich nur gehofft, den irgendwie reinzueiern.

Ist der Aufschlag das Detail, das Sie am meisten von denen unterschiedet, die noch vor Ihnen stehen?

Ja, der Aufschlag gehört ganz sicher zu den Dingen, in denen ich ein bisschen schlechter bin als die anderen. Und manchmal fehlt noch die Erfahrung, das habe ich bei den WTA-Championships in Istanbul gemerkt. Allein die Teilnahme bringt mich sicher auf ein höheres Level. Für die anderen außer Sara Errani war es ganz normal, dort dabei zu sein. Für mich war es eine völlig neue Situation.

Sie waren die erste Deutsche seit Anke Huber 2001, die sich für das Turnier der besten acht Spielerinnen des Jahres qualifiziert hat. Was ist da anders als in den späten Runden eines Grand-Slam-Turnieres?

Es werden alle gleich behandelt. Und man merkt endgültig, dass man zu diesem Kreis jetzt dazu gehört. Man bekommt den Respekt von den anderen Spielerinnen, das nehme ich auf jeden Fall mit.

Hatten Sie wirklich erst dort das Gefühl, dass Sie dazugehören?

Ja, das kann man so sagen. Natürlich konnte ich mich langsam daran gewöhnen, als ich im Laufe des Jahres in die Top 10 gekommen bin. Aber Istanbul war das i-Pünktchen, das mir auch gezeigt hat, ich bin da jetzt mittendrin, ich bin eine von denen, die da oben mitspielen.

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Hatten die Kolleginnen nicht sowieso großen Respekt? Sie haben im August in Cincinnati gegen Serena Williams gewonnen - als letzte Spielerin 2012. Wie macht man das?

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