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Veröffentlicht: 28.12.2012, 14:01 Uhr

Siegertypen 2012: Maximilian Müller „Ein Team lebt auch von Angst“

Mit der Hockey-Nationalmannschaft gewann Maximilian Müller Olympia-Gold. Nun spricht der Kapitän im F.A.Z.-Interview über ein Traumschiff ohne Bierbänke, seltsame Prämienregelungen und das Leben in der Natur - als Jäger.

© firo Sportphoto Eine Erfolgsmannschaft - samt Ersatzspielern: Die deutschen Hockeyspieler halten zusammen, auch nach dem Goldrausch von London

Was hat Sie mehr geärgert: dass es auf dem Boulevard hieß, das Hockeyteam habe bei der Feier auf der MS Deutschland das Schiff mehr oder weniger versenkt - oder dass es von der Sporthilfe nur Prämien für die 16 eingesetzten Spieler, nicht aber für die Ersatzspieler gab?

Diese aufgebauschte Geschichte über unsere Feier auf dem Schiff hat mich total geärgert, weil es scheinbar alles war, was von unserem Olympiasieg übriggeblieben ist, und diese Geschichte hatte nichts mit der Realität zu tun. Und bei der Prämienzahlung ärgert mich die Tatsache an sich. Es ist ja nicht nur die Sporthilfe, die nur die 16 Spieler sieht. Man bekommt ja auch das Silberne Lorbeerblatt verliehen - aber nur die 16 Spieler, ohne die zwei Jungs, die sich am meisten quälen mussten in London, weil sie drei Wochen mit einer Matratze am Boden im Besprechungszimmer gepennt haben, die aber voll mitziehen mussten und keine schlechte Stimmung verbreiten konnten, im Gegenteil. Sie hätten jederzeit einspringen müssen und sind ein Teil des Teams, und bei allen Einladungen danach muss man sagen: Die Jungs kommen aber mit. Dann gibt es fadenscheinige Argumente wie die Kosten. Beim Silbernen Lorbeerblatt? Was hätte das mehr gekostet?

Waren die Schlagzeilen wegen der Schäden auf dem Schiff imageschädigend?

Wir haben es verpasst, im ersten Moment was zu sagen, in der gewohnt netten lockeren Art. Zumindest für die, die es lesen wollten, die anderen hätten ja eh geglaubt, wir hätten was kaputtgehauen. Jetzt sprechen einen die Leute im Spaß an und sagen, wäre schon gut, wenn der Laden das überlebt, wir haben danach noch Veranstaltungen. Das nervt, weil irgendetwas gelesen und alles geglaubt wird. Meine Oma hat mich beispielsweise angesprochen, wir hätten da ja Bierbänke- und tische zerschlagen. Da habe ich gesagt: Oma, wo stand denn das? Überleg doch mal, das war das Traumschiff. Glaubst du, die haben da Bierbänke? Die Geschichte hat uns in ein total falsches Licht gerückt.

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Sie hatten vor Olympia auch eine andere delikate Aufgabe - mit den Spielern zu reden, die aus dem Kader gestrichen worden waren. Wie schwer ist das?

Ich habe mit den meisten auch danach noch einmal gesprochen, denn wenn es dann auch noch mit Gold klappt, wird es natürlich noch mal schlimmer. Aber wir brauchen diesen großen Kader, denn wenn wir von vornherein nur 16 Spieler gewesen wären, hätten wir nichts gewonnen, gar nichts. Ein Team lebt davon, dass sich jeder pusht, dass man auch mal Angst hat, überhaupt mitfahren zu dürfen, weil die anderen so gut sind.

Selbst so ein Rückkehrer wie der ehemalige Kapitän Timo Wess hat erzählt, er habe zwischendurch gezweifelt, ob er es wieder ins Team schaffe ...

Bei uns ist ja selbst vor einem Olympia-Finale die Stimmung immer noch richtig locker, aber selbst diese extrem coolen Jungs, die fangen vor einer Nominierung das Zittern an. Bei den letzten Spielen davor tun mir immer die Zuschauer leid - die denken sicher: Und die wollen Olympiasieger werden? Die treffen ja gar nichts! Da will keiner einen Fehler machen, und so sieht es dann auch aus.

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