http://www.faz.net/-gtl-74q54

Siegertypen 2012: Alfred Gislason : Der Dornenmann von Knattspyrnufélag

Er kann nie ganz loslassen: Alfred Gislason Bild: dpa

Alfred Gislason züchtet vom Aussterben bedrohte Rosenarten - und er bereitet den THW Kiel auf jedes Spiel vor, als sei es ein WM-Finale. So hat der erfolgreichste deutsche Handballverein alles gewonnen, was es zu gewinnen gab.

          Die Sehnsucht wird immer stärker, das Verlangen nach der Heimat und den Wurzeln. Alfred Gislason ist 53 Jahre alt und sagt: „Mit dem Alter merke ich es: Ich denke mehr an die Insel.“ An Island und an das Städtchen Akureyri, in dem er geboren wurde, 50 Kilometer südlich des Nördlichen Polarkreises. Gislason ist ein kantiger, robuster Mann. Man glaubt, ihm das isländische Wesen ansehen zu können: die Fähigkeit, sich mit bodenständiger Vehemenz in rauhem Klima behaupten zu können, die Natur zu lieben und mit ihr zu kämpfen. Gislason erzählt von dieser außergewöhnlichen Landschaft, von ihrer Schönheit und ihrer Schroffheit.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Von Gewässern, in denen es sich zu angeln lohnt, nach Forellen oder Lachsen. „Ich habe das zehn Jahre nicht mehr geschafft.“ Er, einer der erfolgreichsten Handballtrainer der Welt, beschreibt Menschen, die ihren Alltag meistern auf Island. Die mit dem Ruderboot auf einem See sind bei stürmischem Wetter und alle Kraft aufwenden müssen, um das Ufer wieder zu erreichen. Er weiß, was ein solches Leben bedeutet, was es heißt, es anzunehmen und zu gestalten, mit unerbittlicher Härte gegen sich selbst. „Da zählt eine Meisterschaft gar nichts“, sagt Gislason, der so etwas ist wie der „Alfred I“ von Kiel, der führenden Handball-Metropole Deutschlands.

          Er ist gut aufgehoben in diesem Handball-Kosmos, ist ein Meister seines Fachs, längst hoch dekoriert mit nationalen und internationalen Meriten. Und nicht abgeneigt, vielleicht eines Tages sogar Bundestrainer zu werden. „Ich sage nicht, dass ich mich nicht irgendwann dafür interessieren würde.“ Und er könnte doch ohne weiteres eintauchen in andere Welten, das wäre überhaupt kein Problem. Er würde sich dort keinesfalls langweilen mit seinem breiten Spektrum an Neigungen, es gäbe viel zu tun für Gislason, den Vielseitigen.

          Es ist ja nicht nur Island mit all seinen Reizen, nicht nur die Liebe zur Insel. Gislason besitzt ein Anwesen in der Nähe von Magdeburg, wo er mal als Trainer gearbeitet hatte. Er züchtet dort Rosen, seltene, fast vom Aussterben bedrohte Arten. Er macht das sehr akribisch. So wie er Taktiken für seine Mannschaft austüftelt, wie er sie auf ein Spiel vorbereitet, ob in der Bundesliga oder in der Champions League, jedes Mal mit einer Intensität, „als wäre es ein WM-Finale“.

          „Ich kenne fast jede Sporthalle in Europa“

          Es ist ein anstrengender Job, die Ansprüche sind schließlich hoch beim THW Kiel, ähnlich wie beim deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München. Zum Siegen verdammt sozusagen: Das ist Gislasons Los. „Es ist unwahrscheinlich bindend“, sagt er, „man kann kaum als normaler Mensch leben.“ Der Familienvater, dessen drei Kinder in Akureyri leben, spricht von einem Verlust an Lebensqualität. Kiel und der Handball lassen wenig Raum für private Unternehmungen, für die Entschleunigung, für den Dornenmann.

          Er spüre im Garten, sagt Gislason, „wie die Zeit langsamer läuft“. Aber er ist ja fast ständig unterwegs, immer auf Tour, um den Ruhm des THW Kiel zu mehren, „ich kenne fast jede Sporthalle in Europa“. Er würde gerne anders reisen, Land und Leute bewusster wahrnehmen, Geschichte entdecken als Historiker, vor allem im Osten Europas. Gislason hat ein Faible für diese Region, er findet ihr Wachsen, ihre Entwicklung ungemein spannend. Immerhin lässt sich das auch durch Literatur nachempfinden, ein bisschen wenigstens.

          Weitere Themen

          Schicksal der Besatzung ist ungewiss Video-Seite öffnen

          Verschollenes U-Boot : Schicksal der Besatzung ist ungewiss

          Die Verzweiflung bei den Angehörigen der Besatzung des vermissten, argentinischen U-Boots "ARA San Juan" ist groß. Ob die 44 Besatzungsmitglieder tot oder noch am Leben sein könnten, kann ihnen keiner sagen. Nur eines ist mittlerweile klar: Zum Zeitpunkt des Verschwindens des Schiffs gab es eine Explosion. Zuvor war nur von einem verdächtigen Geräusch die Rede.

          Topmeldungen

          Zukunft von Seehofer : Konklave ohne weißen Rauch

          Erst will die CSU ihre personelle Zukunft klären – und kommt dann zu keinem Ergebnis. Kann sich Seehofer am Ende doch noch retten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.