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Seglerin Samantha Davies „Wir sind hübscher als die Kerle auf den Booten“

 ·  Samantha Davies ist Einhandseglerin. Nun nimmt sie am Vendée-Globe-Rennen teil und ist alleine im Pazifik unterwegs. Dennoch blieb ein wenig Zeit, um mit FAZ.NET per Satellitentelefon über tolle Stimmung, große Krisen und segelnde Frauen zu sprechen.

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Samantha Davies ist Einhandseglerin. Derzeit nimmt sie am Vendée-Globe-Rennen teil und ist alleine im Pazifik unterwegs. Dennoch blieb ein wenig Zeit, um mit FAZ.NET per Satellitentelefon über tolle Stimmung, große Krisen und segelnde Frauen zu sprechen.

Guten Tag, haben Sie kurz Zeit?

Schnell, legen Sie los. Bei mir geht gerade die Sonne unter, traumhaft, es ist eine tolle Stimmung. Habe ich Sie neidisch gemacht?

Eigentlich nicht. Ganz alleine auf hoher See mit Ihrer „Roxy“, mitten im Südpazifik, Kollisionsgefahr durch Eisberge und Wale, Hunderte Seemeilen weg vom sicheren Land - bleibt bei diesem Kampf überhaupt Zeit für Romantik?

Ich liebe die See, und ich liebe es, alleine über das Meer zu segeln, angetrieben nur vom Wind. Es gibt nichts Schöneres. Man lernt immer wieder neue Seiten von sich kennen, bewegt sich in der Natur, unter freiem Himmel. Manchmal, wenn die Bedingungen es zulassen, sitze ich in der Nacht an Deck und schaue in den Sternhimmel. So ein Gefühl von Weite und Tiefe gibt es nirgendwo anders auf dieser Welt.

Aber zuerst ist eine Einhand-Weltumsegelung nonstop über Monate hinweg - wie bei diesem Vendée-Globe-Rennen - doch eine Tortur. Wie behalten Sie in schwierigen Situationen Ihre Zuversicht und die Kontrolle?

Gerade Krisensituationen machen mir besonders viel Spaß. Ich lerne da viel über mich selbst und bin in diesen Momenten ganz gespannt, wie ich mich wieder aus dem Schlamassel befreie. Das ist die Herausforderung für mich. Ich kenne eigentlich keine Angst, wenn überhaupt, ist das eine Art Ehrfurcht vor den Naturgewalten, mit denen ich mich als kleines Wesen auf dieser Erde irgendwie arrangieren muss. Bislang hat das immer ganz gut geklappt.

Der Franzose Yann Eliès brach sich vergangene Woche den Oberschenkel und wurde erst nach mehreren Tagen von einer australischen Fregatte geborgen. Sie betreiben einen gefährlichen Sport, zwölf der 30 Teilnehmer mussten bereits aufgeben. Welche Qualitäten haben Frauen in solchen Extremsituationen?

Erst einmal fehlt uns natürlich die vergleichbare Muskelkraft zu den Männern, die auf einem Boot weit draußen im Ozean manchmal sehr vorteilhaft sein kann. Ansonsten aber sind wir vielleicht mental sogar stärker als die Männer und verfügen über eine größere Ausdauer und Leidensfähigkeit. Nebenbei sind wir hübscher als die Kerle auf den Booten - und das hat einen großen Vorteil: Die Sponsoren stehen auf uns, was ja sehr wichtig ist als professioneller Segler. Ich bin mit mir als segelnde Frau unter Männern sehr zufrieden und kann mich nicht beklagen.

Was sind die Grundvoraussetzungen für einen Weltumsegler?

Beharrlichkeit, dazu viel Übung und Erfahrung. Das gilt natürlich für Frauen wie für Männer. Jetzt aber stopp! Bitte nur noch eine kurze Frage. Der Wind frischt auf, ich muss die Segelstellung verändern und mein Boot neu trimmen. Haben Sie Verständnis für mich, wir können ja morgen noch mal telefonieren.

Also: Wie oft am Tag können Sie die Augen schließen und beruhigt schlafen?

Das ist ganz verschieden. Wir hatten zwischendurch zwei beinharte Tage mit starkem Wind, wo ich jede Sekunde hellwach sein musste. Der Körper lernt, mit wenig Schlaf auszukommen. Manchmal reichen schon zwanzig Minuten, um wieder für Stunden fit zu sein. Ansonsten versuche ich, pro Tag vier Stunden zu schlafen oder eben so lange, bis irgendein Alarm an Bord wieder klingelt. Jetzt muss ich aber los, wir müssen aufhören mit unserem Gespräch. Auf Wiedersehen - und drücken Sie mir die Daumen. Ich will ja durchkommen und im Februar im Ziel in Frankreich ankommen.

Die Fragen über Satellitentelefon stellte Michael Ashelm.

Quelle: F.A.S.
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