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Vendée Globe : Stürmische Rettung

  • Aktualisiert am

Über Twitter hielt Kito de Pavant die Außenwelt auf dem Laufenden - und wünschte seinen verbliebenen Mitstreitern alles Gute. Bild: twitter.com/made_in_midi

Dank eines glücklichen Umstands ist der Franzose Kito de Pavant bei der Weltregatta aus Seenot gerettet worden. Auch der Drittplazierte muss aufgeben, ein weiterer Segler steckt in Schwierigkeiten.

          Der im Südpolarmeer in Seenot geratene französische Solosegler Kito de Pavant ist gerettet. Der Skipper der am 44. Breitengrad Süd im Rahmen der Regatta Vendée Globe havarierten „Bastide Otio“ wurde am Mittwochmorgen vom französischen Forschungsschiff „Marion Dufresne“ geborgen. Der Kiel war in stürmischen Winden aus seiner Verankerung gerissen und hing nur noch lose befestigt am Boot. Durch seine Bewegung wurde die Yacht weiter beschädigt. Es drohten Kielverlust und Sinken des Bootes.

          Für den 55 Jahre alten Segler ist es die dritte Aufgabe im dritten Versuch, die Vendée Globe zu beenden. „Ich hatte Glück im Unglück, dass die ,Marion Dufresne' gerade in diesem Revier war. Das ist nur viermal im Jahr der Fall“, sagte der übermüdete Skipper. Der nächstplazierte Teilnehmer Louis Burton hätte mehr als zwei Tage bis zum Unglücksort gebraucht; seine Hilfe wäre womöglich nicht rechtzeitig gekommen.

          Kito de Pavant war am Dienstagmorgen mit einem sogenannten „Ufo“ (“unidentified floating object“) zusammengestoßen. Über seine Kollision mit dem nicht näher identifizierten Treibobjekt hatte er die Rennleitung in Kenntnis gesetzt, die Hilfe holte. Die Rettung an sich war ebenfalls nichts für schwache Nerven. Der Kiel drohte ganz abzureißen, es drang immer mehr Wasser ins Boot, die Dunkelheit tat ihr Übriges. Das Boot zu bergen war nicht mehr möglich.

          Körperlich mag de Pavant glimpflich davongekommen sein, mental aber dürfte das Gefühl, die havarierte Jacht sich selbst überlassen zu müssen, noch länger an dem Franzosen nagen. „Es ist schrecklich, das Boot so zu verlassen. Ich habe zum ersten Mal ein Boot verloren. Das trifft mich sehr hart“, sagte der 55-Jährige. Er habe „sehr viel verloren“ und deutete „sehr ernsthafte Konsequenzen“ an. In den nächsten drei Wochen hat der Franzose viel Zeit, darüber nachzudenken, welche das sein werden - so lange wird er nämlich bei seinen Rettern auf der „Marion Dufresne“ bleiben.

          Unterdessen setzt der Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis 40 Knoten auch anderen Teilnehmern zu. Rund zwei Tage lang kam der aussichtsreich auf Rang drei segelnde Franzose Sébastian Josse nur mit halber Kraft voran, ehe er am Mittwoch aufgab: Die Schäden an seiner „Edmond de Rothschild“ waren zu gravierend. 15.000 weitere Seemeilen, hieß es, seien unter diesen Umständen nicht zu überstehen. „Es wird Monate dauern, diese Enttäuschung zu verarbeiten“, sagte Josse. Mit Problemen hat auch Landsmann Thomas Ruyant zu kämpfen. Ruyant meldete, auf Platz neun liegend, ein Leck, durch das viel Wasser über den Rumpf in sein Boot drang. Werkzeug und Material habe er aber an Bord, um das Loch zu schließen - keine leicht Aufgabe bei bis zu vier Meter hohen Wellen.

          An der Spitze des Feldes der nach dem sechsten Ausfall verbliebenen 23 Skipper hatte sich der Franzose Armel Le Cléac’h am Mittwoch mit 137 Seemeilen Vorsprung weiter von seinem Rivalen Alex Thomson auf „Hugo Boss“ absetzen können. Die Sieger werden Ende Januar nach rund 75 Tagen im Start- und Zielhafen Les Sables D’Olonne erwartet.

          Quelle: srec./dpa

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