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Segeln Alinghi: Supermacht auf dem Meer

30.08.2005 ·  Bestes Boot, beste Crew: Es sieht so aus, als würde das Schweizer Segel-Syndikat Alinghi auch bei der 32. Auflage des America's Cup in zwei Jahren weiterhin die Supermacht auf dem Wasser bleiben. „Es könnte nicht besser laufen“, sagt Sportdirektor Jochen Schümann.

Von Frank Neumann, Malmö
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Wo die dickste Menschentraube hängt, da ist auch Jochen Schümann nicht weit. Wenn der Segelprofi nach den Rennen in der Mixed-Zone im Westhafen von Malmö erscheint, ist der Andrang groß. Der Penzberger läßt das mit großer Geduld und Freundlichkeit über sich ergehen. Er legt den Kopf schief, lächelt, und als ein Journalist immer noch nicht verstanden hat, warum Schümanns Boot sich beim Start eine Strafrunde eingefangen hat, nimmt er ihm den Block ab und malt es einfach auf. Das ist in etwa so, als würde ein Fußballer dem Mann vom Fernsehen die Abseitsregel erklären. Aber Schümann weiß, welche Rolle er zu spielen hat.

Die entspannten Gesichtszüge Schümanns sind nicht verwunderlich. Der Olympiasieger hat nicht nur 2003 mit dem Schweizer Syndikat Alinghi zum ersten Mal nach mehr als 150 Jahren den America's Cup nach Europa geholt und dabei die Vormachtstellung der Segelnationen Neuseeland und Amerika gebrochen. Bei der 32. Auflage des bedeutendsten Segelrennens der Welt sieht es so aus, als würde das Schweizer Boot auch weiterhin die Supermacht auf dem Wasser bleiben, mit dem Superprofi Schümann als Sportdirektor und in diesen Tagen auch als Steuermann.

Treibstoff für die Marketingmaschine

Dabei sind die Vorregatten, die sogenannten Acts, nur die Warmlaufphase bis zum eigentlichen Event 2007 in Valencia. Sie wurden ersonnen, um die Medien- und Marketingmaschine zwischen den Cups mit Treibstoff zu versorgen. Für die Teams ist der neue Modus ein gigantischer Testparcours. Der Wert der Punkte, die man bei den Acts einsammeln kann, ist eher gering. Als Titelverteidiger sind die Schweizer ja ohnehin gesetzt. Zu gewinnen gibt es deshalb für die Alinghi außer Erfahrung eigentlich nichts, gewonnen hat sie bisher trotzdem alles.

„Es könnte nicht besser laufen“, sagt Schümann. Und da fragt man sich irgendwann, was man den Mann noch fragen soll. Die Schweizer haben derzeit schon das beste Boot, obwohl die Rennyacht für 2007 noch gar nicht gebaut ist. Der geschätzte Gesamtetat von 100 Millionen Euro liegt nur bei BMW Oracle Racing ähnlich hoch. Die seglerische Ersatzbank der Schweizer wäre für die meisten anderen Mannschaften ein Dreamteam. Darunter die „Famous Five“ genannten Neuseeländer Brad Butterworth, Warwick Fleury, Simon Daubney, Murray Jones und Dean Phipps, allesamt bei Olympischen Spielen und Weltumseglungen gestählte Profis. „Wir können die gesamte Crew austauschen, ohne daß wir einen Unterschied merken“, sagt Schümann. Was soll da noch schiefgehen?

Überraschungen oder „Big Four“

Das fragen sich offenbar auch die anderen elf Teams, die sich hinter dem scheinbar übermächtigen Verteidiger in Position bringen. Als Favoriten auf das Duell gegen Alinghi im Sommer 2007 gelten die unter amerikanischer Flagge segelnde BMW Oracle, die italienische Luna Rossa und das Team New Zealand, das die Schmach, den Cup im Heimatland verloren zu haben, mit aller Macht tilgen will. In Neuseeland sind Nationalstolz und Segelerfolge eng miteinander verbunden. Nur: Von den „Big Four“, die nach allgemeiner Ansicht als einzige Teams reelle Chancen auf den Cup 2007 haben, mag Schümann nicht reden: „Wir selber wissen, daß wir viele Kleinigkeiten noch nicht perfektioniert haben, und da arbeiten wir dran. Es ist natürlich nicht so, daß wir, wenn wir Rennen gewinnen, fehlerfrei über den Parcours gesegelt sind, auch wir haben einiges zu analysieren.“ Und er ist sich sicher: „Es wird noch einige Überraschungen geben.“

Zum Beispiel die Frage, wer im Sommer 2007, wenn es darauf ankommt, am Steuer der Alinghi stehen wird. Seit der Trennung von dem überragenden Steuermann Russell Coutts ist um die Position am Steuer ein interessanter Dreikampf entstanden: zwischen Schümann, Peter Holmberg und Ed Baird. Bisher herrscht noch das Rotationsprinzip. „Wir wollen bis kurz vor Schluß drei Steuerleute haben. Am Ende entscheidet dann, wer am besten in Form ist“, sagt Schümann diplomatisch. Was für Schümann spricht, sind seine seglerischen Fähigkeiten, der gute Draht zu Teameigner Ernesto Bertarelli und nicht zuletzt sein Ehrgeiz, den America's Cup nicht nur als Manager zu verteidigen. Holmberg gilt zwar als nicht so durchsetzungsfähig, aber als begnadeter Starter, was im Matchrace wie bei der Formel 1 eine der wichtigsten Phasen des Rennens ist. Ed Baird haben die wenigsten als potentiellen Steuermann auf der Liste. Aber: ob Zweikampf oder Dreikampf; wenn das zu keinem Zerwürfnis innerhalb des Teams führt, sieht es zur Zeit so aus, als ob die Alinghi eigentlich nur sich selbst schlagen kann.

Quelle: F.A.Z., 31.08.2005, Nr. 202 / Seite 32
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