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Segel-Streit : Lutz macht weiter Wind

Kämpferisch: Tina Lutz und Susann Beucke wollen eine neue Olympiachance erstreiten Bild: picture alliance / dpa

Die bei der WM gezielt blockierte Seglerin Tina Lutz geht weiter in die Offensive. Ihr Rechtsanwalt fordert, der Segler-Verband soll Rivalin Kathrin Kadelbach sperren.

          Im Streit zwischen zwei Frauen-Crews um die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in London gerät der Deutsche Segler-Verband (DSV) mehr und mehr unter Druck. Nachdem der Olympia-Segelausschuss des DSV entschieden hat, in der 470er-Jollenklasse das Duo Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher für die Spiele zu empfehlen, geht die unterlegene Steuerfrau Tina Lutz weiter in die Offensive. „Wir werden kämpfen“, sagte sie.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die junge Seglerin aus Bayern, die mit ihrer Vorschoterin Susann Beucke bei den Weltmeisterschaften in Perth vor Weihnachten unter fragwürdigen Bedingungen in der internen Ausscheidung an der Olympiaqualifikation gescheitert war, lässt sich nun mit Michael Lehner von einem der profiliertesten Sport-Anwälte vertreten, der erst einmal voll auf Konfrontationskurs mit dem Verband geht. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird in den Fall hineingezogen, hatte er sich doch wie das DSV-Gremium am Wochenende klar positioniert und das bestehende Ergebnis als unumstößlich interpretiert. „Es gibt eine Rechtsverpflichtung von DSV und DOSB, Kadelbach wegen des Auf-den-Kopf-Stellens der Nominierungsrichtlinien nicht für Olympia aufzustellen“, sagte Lehner auf Anfrage. Daraus ergebe sich automatisch die Nominierung seiner Mandantin.

          Von einem entscheidenden Stechen, wie ein Kompromissvorschlag vergangene Woche lautete, ist auf der Lutz-Seite jetzt nicht mehr die Rede. Der neue juristische Vertreter der angriffslustigen Seglerin fordert in seiner schriftlichen Darlegung des Falles an den DSV und den DOSB den Verband sogar auf, Kathrin Kadelbach und ihre Vorschoterin Friederike Belcher aufgrund ihres unsportlichen Verhaltens ganz zu sperren. Bei der Segel-WM in Perth, wo es in der internen Olympiaausscheidung der Deutschen um die letzten Punkte gegangen war, hatten sich Kadelbach/Belcher nur noch darauf verlegt, die Rivalinnen durch gezieltes Blockieren an der Fahrt nach vorne zu hindern. Diese Verhinderungstaktik entsprach zwar der kurzfristig veränderten Auslegung des in Australien federführenden Weltverbandes, aber nicht dem vom DSV festgelegten Reglement für die Olympiaqualifikation.

          Tina Lutz wirft den dort anwesenden DSV-Offiziellen vor, dass sie dieser groben Unsportlichkeit nicht Einhalt geboten hätten. „Es ist fragwürdig, dass dieser Verstoß gegen das Fairplay noch vom Verband gedeckt wurde“, sagt Lehner, der unter anderen schon Dieter Baumann oder Jan Ullrich vertreten hat. Vor Weihnachten gewann er mit seinem Mandanten Charles Friedek eine Auseinandersetzung mit Schadenersatzanspruch vor einem staatlichen Gericht gegen den DOSB. Es ging um die Nichtnominierung des früheren Dreispringers für Olympia 2008.

          Der DSV gab bisher keine Stellungnahme zu der neuen Entwicklung ab. Zu hören ist, dass es innerhalb des Verbandes rumort. Arne Dost, einer der beiden Geschäftsführer des Sailing Team Germany, der ohne Stimme an der Beratung des Olympia-Segelausschusses teilnahm, sagt: „Wir sind enttäuscht, weil wir eine richtungsweisende Vorgabe erwartet hätten, der dem Geist der eigentlichen Ausscheidungskriterien in der Olympiaqualifikation entspräche.“ Dem Sailing Team gehört Tina Lutz an, Kathrin Kadelbach aber nicht. Kaum Chancen werden dem Vorschlag eingeräumt, Kathrin Kadelbach durch Gespräche zu überzeugen, dass sie einlenkt und auf ein Stechen bei der WM im Mai eingeht

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