16.02.2009 · Der Gerichtsstreit zwischen „Alinghi“ und „BMW Oracle“ lähmt seit rund eineinhalb Jahren die Segel-Branche. Im März wird mit einer Entscheidung gerechnet. Bei der Regatta vor Auckland gewannen beide nicht, sondern die Lokalmatadoren.
Von Heike Schwab, AucklandEs war der erste große Zweikampf auf dem Wasser der juristischen Streitparteien im America's Cup – doch richtig freuen konnte sich zuerst einmal ein Dritter: die Lokalmatadoren vom „Team New Zealand“. Dessen Segler gewannen nämlich die Schauregatta vor Auckland um die „Louis Vuitton Pacific Series“.
Unter zehn Crews – die deutsche mit Jochen Schümann fehlte aus finanziellen Gründen – war die Yacht der „Kiwis“ mit Steuermann Dean Barker am stärksten und setzte sich im Finale in einer kleinen Revanche für die America's-Cup-Niederlage von 2007 vor Valencia gegen die Schweizer „Alinghi“ durch. Die neuseeländische Regierung und ein großer Segelsponsor hatten die Regatta als eine Art Hoffnungslauf aufgelegt.
Regatta vor Auckland bot die Chance eines sportlichen Vergleichs
Die zuletzt arg gebeutelte America's-Cup-Gemeinde blühte kurzfristig auf am anderen Ende der Welt. Aber trotz prächtiger Stimmung und spektakulärer Rennen war eine gewisse Anspannung unter den Seglern zu spüren. Der Gerichtsstreit zwischen „Alinghi“ und seinem amerikanischen Widersacher „BMW Oracle Racing“, der nun schon mehr als eineinhalb Jahre die Branche lähmt, überlagerte auch diese Veranstaltung. Die letzte Anhörung vor dem Gericht in New York, die während dieser Tage stattfand, wurde zwar in Auckland kaum erwähnt, geschweige denn diskutiert.
Wohl deshalb, weil viele der Protagonisten den Streit leid sind. Dennoch wurde gerade dem Matchrace zwischen diesen Gegnern besondere Aufmerksamkeit zuteil. Immer wieder hatten die Leute von „Alinghi“ – und allen voran der milliardenschwere Besitzer Ernesto Bertarelli – den Gegnern vorgeworfen, einen Kampf auszutragen, den sie auf dem Wasser nie gewonnen hatten. Abschätzig als „Verlierer“ hatte Bertarelli den Eigner des amerikanischen Teams, Software-Tycoon Larry Ellison, bezeichnet. So bot diese Regatta vor Auckland endlich die Chance eines sportlichen Vergleichs.
Im juristischen Zweikampf wird für März die Entscheidung erwartet
Die sommerlichen Bedingungen im Waitemata Harbour waren gut, die Brise stark, und die Atmosphäre zwischen beiden Crews knisterte. Russell Coutts, Skipper und Steuermann für die Amerikaner, hatte seit 2003 eine lange Pause vom Cup-Segeln hinter sich und stand nun seinem ehemaligen Teamkollegen Brad Butterworth, Skipper und Taktiker von „Alinghi“, gegenüber – in insgesamt drei Rennen. Doch Coutts hatte mit Ellison an Bord gegen die diesmal unter „Team Switzerland“ firmierende „Alinghi“- Crew in drei Rennen das Nachsehen. Auf dem Wasser waren die Schweizer also klar das bessere Team – im juristischen Zweikampf wird für März die Entscheidung erwartet.
Bertarelli, der nur kurz angereist und nicht mitgesegelt war, kommentierte das Resultat ebenso wenig wie sein streitbarer Kontrahent Ellison. Beide überließen ihren neuseeländischen Skippern das Wort, diese vermieden aber, weiteres Öl ins Feuer zu gießen. „Es ist ein schöner Erfolg für unser Team. Endlich konnten wir unseren Sport wieder dort ausüben, wo er hingehört – auf dem Wasser“, sagte „Alinghi“-Skipper Butterworth. Sein Landsmann Coutts auf Seiten der Amerikaner sah vor allem die neue Regatta in Zeiten der Wirtschaftskrise – die Teams aus Übersee segelten auf geliehenen Booten und hatten dadurch keine Transportkosten zu tragen.