29.10.2009 · Seit mehr als zwei Jahren steckt der America's Cup sportlich im Flautenloch. Dafür setzen Larry Ellison und Ernesto Bertarelli ihre persönliche Schlacht an Land mit allen Haken und Ösen fort.
Von Michael AshelmIm Segeln gibt es derzeit einen besonders exklusiven Wettbewerb. Für seine Ausübung brauchen die Teilnehmer keinen Wind, nicht mal Wasser oder ein Boot. Aber viel Geld und reichlich Zeit. Weil Milliardäre beides im Überfluss haben, ist es nicht verwunderlich, dass zwei von ihnen sich in dieser Disziplin mit ungewöhnlichem Eifer engagieren. In der Punktwertung ist es in dieser Woche mal wieder zu einem Wechsel an der Spitze gekommen – Larry Ellison hat es seinem Gegenspieler Ernesto Bertarelli so richtig gezeigt. Nachdem der Software-Tycoon aus San Francisco mit der achten Klage gegen den Milliardenerben vom Genfer See seine Streitlust bekräftigt hat, dürfte ihn der jüngste Erfolg vor Gericht weiter ermutigen.
Seit mehr als zwei Jahren steckt der America’s Cup sportlich im Flautenloch. Dafür umtost den wichtigsten Wettbewerb des Segelns ein juristischer Sturm. Beide Seiten, das Schweizer Alinghi-Team und das kalifornische Syndikat BMW Oracle Racing, können sich nicht auf die Regularien für die 33. Ausgabe der im Jahr 1851 erstmals ausgesegelten Regatta einigen und haben den Gang vor den zuständigen Obersten Gerichtshof New Yorks zu ihrem neuen Sport erklärt. Die Richter haben gerade entschieden, dass der von den Schweizer Titelverteidigern vorgesehene Regatta-Schauplatz vor der Küste der Arabischen Emirate, wo sie schon seit einigen Wochen trainieren, nicht den Regeln entspricht. Grundlage dafür ist die mehr als anderthalb Jahrhunderte alte Stiftungsurkunde des America’s Cup.
Bertarelli und Ellison sorgen für neue Maßstäbe
Was damals aufgeschrieben worden ist, zählt für immer. Das ist der America’s Cup. Die Erwartungen an eine moderne Sportveranstaltung kann das altertümliche Dokument, um dessen Interpretation schon oft gestritten wurde, nicht erfüllen. Als größtes Problem erweist sich eine in der Welt des Sports einzigartige Abmachung: Der Sieger bestimmt – etwa den nächsten Austragungsort und auch die Bootskonstruktion. Während im Sport sonst Verbände das Sagen haben und auf ihre Mitglieder in der Regel ausgleichend wirken, erhält im Amerika’s Cup der aktuelle Gewinner große Machtfülle. Das provoziert Gegnerschaft.
Der America’s Cup war schon immer nicht nur ein Wettbewerb der Bootskonstrukteure, sondern auch der besten Anwälte – beauftragt von reichen enthusiastischen, aber auch selbstverliebten Segelmäzenen. Doch Bertarelli und Ellison sorgen für neue Maßstäbe. Während sie ihre persönliche Schlacht an Land mit allen Haken und Ösen fortsetzen und noch bei einer kleinen Gruppe von Insidern Spannung erzeugen, entfernt sich der America’s Cup immer mehr von den Ufern der öffentlichen Wahrnehmung. Dieser Schaden ist auch mit sehr viel Geld nicht so schnell wieder gutzumachen.