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Schwindende Schwimmkompetenz : Deutschland plant den Untergang

  • -Aktualisiert am

Deutschland in Not: Schwimmen ist nicht mehr verbreitete Kompetenz Bild: dpa

Kommunen schließen Schwimmbäder, an den Schulen fehlt es an Schwimmunterricht. Die Folge: Immer weniger Kinder können sich richtig über Wasser halten. Längst schlägt die DLRG Alarm.

          Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein/Und dann nischt wie raus an’n Wannsee.“ Was Conny Froboess 1951 vorschlug, könnte man heute nicht mehr guten Gewissens jedem empfehlen. Denn ein Teil der Deutschen kann nicht richtig schwimmen, vor allem bei den Kindern zeigt sich das deutlich. Das ist betrüblich, und das ist gefährlich. Die Deutsche Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) bringt das auf die plakative Formel: „Ein Kind stirbt nicht, wenn es nicht Fußball spielen kann. Ein Kind kann aber sterben, wenn es nicht schwimmen kann.“

          Wie ist es um die Schwimmfähigkeit der Deutschen bestellt? Welche Rolle spielt der Schwimmunterricht, der jetzt zu Beginn des neuen Schuljahres wieder auf dem Stundenplan steht? Welche Rolle spielt die Schließung von immer mehr Bädern in Deutschland?

          Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der DLRG aus dem Jahr 2010 - aktuellere Zahlen gibt es nicht - heißt es, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung schlechte Schwimmer oder Nichtschwimmer sind. Also rund 16 Millionen Deutsche. Von Kindern, die am Ende der vierten Klasse stehen, sollen die Hälfte keine sicheren Schwimmer sein. Als die DLRG im Jahr 2004 das erste Mal eine solche Umfrage zur Schwimmfähigkeit der Deutschen in Auftrag gab, war das Ergebnis ähnlich.

          Ein Viertel der Kinder kann nicht schwimmen

          Damit hat sich in den vergangenen Jahren nichts zum Besseren gewendet. Schon bei der Umfrage von 2004 stellte sich heraus, dass es bei den Menschen, die damals um die 40 Jahre alt waren, eine goldene Generation an guten Schwimmern gab. Die DLRG erklärt sich diese Zahlen mit dem „Goldenen Plan“, einem Sportstätteninfrastrukturprogramm auf Initiative der Deutschen Olympischen Gesellschaft, mit dessen Geld in den 60er und 70er Jahren viele Bäder gebaut wurden. Seitdem nimmt die Zahl der Schwimmer vor allem bei den ganz Kleinen ab.

          Nicht mehr die Regel: Schwimmunterricht fällt vielerorts aus
          Nicht mehr die Regel: Schwimmunterricht fällt vielerorts aus : Bild: dpa

          In Rheinland-Pfalz kann nach Einschätzung von Experten rund ein Viertel der Grundschulkinder nicht schwimmen. Grund sei vor allem ein Mangel an Bädern, sagte der Landesleiter der Wasserwacht Rheinland-Pfalz des Deutschen Roten Kreuzes, Ralf Wahn, der Nachrichtenagentur dpa. Zu viele Schwimmbäder fielen den Einsparungen der Kommunen zum Opfer. Das sei katastrophal. Auch bei den Fünft- bis Siebtklässlern liegt der Anteil an Nichtschwimmern nach Schätzung von Wahn bei bis zu 25 Prozent.

          Das ist aus mehreren Gründen problematisch. Schwimmen ist nicht wie jeder andere Sport. Ein gewisses Maß an lebensrettender Technik sollte daher jeder beherrschen, sonst kann schon der Besuch am Badesee mit Freunden zur Qual werden: „Wer in der Lage ist, seine Atmung zu steuern, kann im Prinzip auf dem Wasser treiben und geht nicht unter“, sagt Wolfgang Lehmann vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) - eine von vielen simplen Grundregeln des Schwimmens. Nur: Das muss erlernt werden. Und während Kinder das Schwimmen noch relativ leicht erlernen, wird es mit dem Alter immer schwieriger.

          In der Schule ist es schon zu spät

          Hinzu kommt: Es gibt das sportpolitische Ziel, möglichst viele Schwimmer in Deutschland zu haben. Schwimmen sei Teil des gesellschaftlichen Lebens und könne dazu beitragen, dass Menschen einen gesunden Lebensstil führen, heißt es. In der Richtlinie zum Schulsport des Landes Bremen steht zum Beispiel, dass Schwimmen ein wesentlicher Bestandteil des Sportunterrichts sei, die Teilnahme verpflichtend. Die meisten Kinder ereilt diese Vorgabe in der dritten Klasse, dann geht es oft mit der ganzen Klasse zum Schwimmkurs. In einer idealen Welt hat also spätestens dann jeder Schüler mindestens ein Seepferdchen-Abzeichen und schwimmt sicher.

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