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Schwimmer Thorpe Der lange Weg zurück ins alte Element

01.02.2012 ·  Ian Thorpe, einst der beste Schwimmer der Welt, will noch einmal zu den Olympischen Spielen - doch noch ist der Australier von den eigenen Ansprüchen weit entfernt.

Von Sabrina Knoll, Luxemburg
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© dpa Langsam läuft ihm die Zeit davon: Ian Thorpe

Unrasiert und ohne Badekappe springt Ian Thorpe ins Wettkampfbecken. Das, so habe er es mit sich selbst ausgemacht, wolle er erst ändern, wenn er eine bestimmte, eine vorzeigbare Zeit abliefern könne. „Es sei denn“, schiebt er nach, „die Olympia-Trials kommen vorher“. Thorpe lacht, als er das sagt, doch fasst dieser Zusatz ziemlich gut zusammen, wie es um den einst besten Schwimmer der Welt und seinen Traum, noch einmal bei Olympischen Spielen zu starten, steht: Ihm läuft die Zeit davon. In knapp sechs Wochen werden in der australischen Stadt Adelaide die Tickets für die Spiele in London vergeben. Doch auch ein Jahr nach seiner aufsehenerregenden Comeback-Ankündigung ist Ian Thorpe immer noch weit von der alten Form eines fünfmaligen Olympiasiegers entfernt. Sehr weit.

Zuletzt gelang dem 29-Jährigen am vergangenen Wochenende in Luxemburg mit 50,76 Sekunden über 100 Meter Freistil immerhin eine Post-Comeback-Bestleistung. Über die doppelte Distanz blieb er jedoch mit 1:51,51 Minuten rund sieben Zehntelsekunden über seiner bisher schnellsten Zeit nach der Rückkehr.

„Ian muss jetzt den nächsten Schritt machen“, sagt sein Trainer Gennadi Touretski. „Ist der geschafft, dann gibt es für ihn kein Limit mehr.“ Da für diese nötige Verbesserung der Resultate jedoch Thorpes allgemeine Fitness zu wünschen übriglasse, hat der Starcoach, der auch schon Edel-Sprinter Alexander Popow zu Weltrekorden geführt hatte, seinem Athleten Landtraining verordnet. Auf Laufband, Fahrrad und Tennisplatz soll nun erarbeitet werden, was offenbar im Wasser allein nicht mehr aufzuholen ist.

Und doch: Die hohen Erwartungen bleiben. Fast so, als sei er der Schwimmwelt noch etwas schuldig. Schließlich kehrt in Ian Thorpe nicht nur ein elfmaliger Weltmeister zurück. Vor seinem überraschenden und später von Dopingvorwürfen überschatteten Rücktritt im November 2006, den der damals erst 24-Jährige mit zu viel Rummel und zu wenig Motivation begründet hatte, war er der Held einer ganzen Nation. Mit 15 wurde er der bisher jüngste Schwimm-Weltmeister, zwei Jahre später fügte das australische Quartett bei den Heim-Spielen in Sydney 2000 vor allem seinetwegen den siegessicheren Amerikanern eine schwere Niederlage in der 4×100-Freistil-Staffel zu. Und 2004 gewann der „Thorpedo“ das zum „Rennen des Jahrhunderts“ hochgejubelte 200-Meter-Freistil-Olympia-Finale gegen den Kraul-König Pieter van den Hoogenband und das damalige Wunderkind Michael Phelps.

Umso erstaunlicher, dass es diesem Weltstar so schwerfällt, sich wieder wohl zu fühlen in jenem Element, in dem er einst auf den mittleren Freistilstrecken als unschlagbar galt. „Vor meinem ersten Rennen dachte ich: Das müsste sich doch vertraut anfühlen. Und das tat es auch. Irgendwie. Aber irgendwie war es auch ziemlich bizarr.“ Tatsächlich wirkt Thorpe auch bei seinen aktuellen Auftritten manchmal noch etwas verwirrt, man kann förmlich spüren, wie er damit hadert, den eigenen Ansprüchen hinterher zu schwimmen.

Um sich daran zu erinnern, „wie es sich anfühlt, schneller zu schwimmen“, erlaubt Thorpe sich ab und an einen Blick zurück auf seine Bestzeiten, auf die 1:44,06 Minuten aus dem Jahr 2001 oder die 48,56 Sekunden von den Spielen 2004 in Athen, seinem letzten internationalen Auftritt vor seinem Rücktritt. „Das zeigt mir dann wieder, wo ich hin will.“

Gegen Thorpe spricht vor allem die seit Jahren stärkste Konkurrenz in den eigenen Reihen. Gerade auf den 100 Metern werden es ihm sowohl der WM-Wunderknabe James Magnussen und der Olympia-Zweite Eamon Sullivan schwer machen als auch die Staffelweltmeister Matthew Target und Matthew Abood sowie der Juniorchampion Cameron McEvoy und Thorpes Comeback-Kollege Michael Klim. So wird es für den 13-maligen Weltrekordhalter wohl auf einen möglichen Staffelplatz über die doppelte Distanz hinauslaufen. Denn dass es für einen der beiden zu vergebenen Einzelstarts in seiner früheren Paradedisziplin und somit für den erhofften Showdown mit den amerikanischen Superstars Michael Phelps und Ryan Lochte, dem Franzosen Yannick Agnel und Weltrekordhalter Paul Biedermann reicht, ist derzeit schwer vorstellbar. Dafür war die Vorbereitungszeit wohl doch zu kurz. Zumal Chinas 1500-Meter-Weltrekordhalter Sun Yang mit zu diesem frühen Zeitpunkt imposanten 1:46,84 Minuten schon angedeutet hat, wohin die Reise in London gehen wird.

Thorpe selbst hat ohnehin nie über einen Einzelstart, geschweige denn über olympische Medaillen gesprochen. Im Gegenteil. Seit seiner Comeback-Ankündigung hat er mehr als einmal die überbordenden Erwartungen und die Hoffnungen auf ein neues „Rennen des Jahrhunderts“ ausgebremst - ohne dabei sein Ziel aus den Augen zu verlieren. „Ich wusste immer, dass es hart werden würde und dass es schief gehen kann“, sagt Thorpe. „Aber ich weiß auch, dass ich gut trainiert habe und dass sich das irgendwann auszahlen wird.“ Die Frage ist nur, wann.

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