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Schwimmen Lebherz will nicht als Tourist nach Rom

26.06.2009 ·  Zwei Finalstarts, zweimal deutscher Meister - das ist die bisherige Ausbeute des Darmstädters Yannick Lebherz bei den nationalen Titelkämpfen der Schwimmer.

Von Bernd Steinle, Berlin
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Eigentlich hatte Yannick Lebherz allen Grund, zufrieden zu sein. Zwei Finalstarts, zweimal deutscher Meister – das ist die bisherige Ausbeute des 20 Jahre alten Darmstädters bei den nationalen Titelkämpfen der Schwimmer in Berlin. Beim ersten Sieg am Mittwochabend über 400 Meter Lagen knackte er in 4:14,63 Minuten den 20 Jahre alten deutschen Rekord des Potsdamers Patrick Kühl, der zweite tags darauf war sein erster deutscher Meistertitel über 200 Meter Lagen. „Da sollte man wirklich nicht allzu negativ werden“, sagt sein Trainer Alexander Kreisel.

Dass man überhaupt auf diese Idee kommen kann, liegt daran, dass die deutschen Meisterschaften zugleich die einzige Qualifikationsmöglichkeit für die Weltmeisterschaft in Rom Ende Juli sind. Und an den Normzeiten, die der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) für die Teilnahme setzte, schrammte Lebherz beide Male vorbei. Über die 400 Meter Lagen ging es dabei ziemlich eng zu, gerade mal sechs Zehntelsekunden fehlten Lebherz zum WM-Start. Ärgerlich, sollte man meinen, doch Lebherz sah das anders. „Das hat mich gar nicht so interessiert“, sagt er, „ich wusste, meine Form ist gut, und über die 200 Meter sollte das klappen.“

Hoffnung auf Nominierung für die WM-Freistilstaffel

Doch dann passte am Donnerstagabend plötzlich überhaupt nichts mehr: Das Rennen vom Vortag steckte ihm noch schwer in den Knochen, dann wurde sein Finale auch noch um eine Dreiviertelstunde nach hinten verschoben, wodurch die sorgfältig abgestimmte Rennvorbereitung durcheinander geriet. Resultat: Lebherz verpasste die Norm in 2:01,02 Minuten um rund 1,4 Sekunden. Nun muss er mindestens bis Sonntag warten, ob die DSV-Führung mit Sportdirektor Lutz Buschkow und Bundestrainer Dirk Lange im Fall Lebherz ein Auge zudrückt. Schwimmstar Paul Biedermann hat sich schon mal dafür ausgesprochen: „So eine Zeit muss einfach belohnt werden“, sagte er nach Lebherz’ 400-Meter-Sieg. Der Darmstädter selbst hat die Hoffnung nicht aufgegeben. „Die WM wäre der Höhepunkt für mich auf der Langbahn“, sagt er. Und für seinen Trainer Kreisel ist klar: „Er hat sein Leistungsvermögen immer wieder gezeigt. Er wäre in Rom sicher nicht als Tourist dabei“ – mit der Begründung, keine Touristen mitnehmen zu wollen, hatte Lange die scharfen Normzeiten des DSV verteidigt.

Wie schnell Lebherz derzeit unterwegs ist, zeigte er schon Anfang März in Austin/Texas: Da holte er sich in 2:00,09 Minuten den deutschen Rekord über 200 Meter Lagen. Seit Januar, sagt Lebherz, trainiere er noch konsequenter, achte er noch stärker auf eine möglichst perfekte Ausführung im Training. Das komme ihm nun zugute. Zudem schlägt bei ihm das Höhentraining ausgezeichnet an. Und: „Er kann sich jetzt mehr auf das Schwimmen konzentrieren, als das während seines freiwilligen sozialen Jahrs der Fall war“, sagt Kreisel. Diesen Blick aufs Wesentliche will der beste deutsche Lagenschwimmer künftig weiter intensivieren: Die nächsten drei Jahre versucht er in der Sportförderkompanie der Bundeswehr auszuloten, wie weit es für ihn im Schwimmsport nach oben gehen kann. Die jüngsten nationalen Rekorde sollen jedenfalls, so Kreisel, längst nicht „das Ende der Fahnenstange sein“. Die Planung ist ganz auf Olympia 2012 in London ausgerichtet – dann ist Lebherz 23 Jahre alt, dann soll er den Höhepunkt seines Leistungsvermögens erreicht haben.

Bis dahin sollte auch das leidige Problem der Hightech-Anzüge überwunden sein, das den Schwimmern im Moment das Leben schwer macht. Lebherz steht beim Hersteller Arena unter Vertrag. Mit dessen Ausrüstung, versichert er, sei er hochzufrieden. Er schwimmt vorerst weiter mit einem älteren Anzugsmodell, und das will er zunächst so beibehalten, zumindest so lange er damit nicht entscheidend ins Hintertreffen gerät: „Wenn irgendwann sieben Leute in Gummianzügen am Start stehen, muss ich auch was anderes in Betracht ziehen.“

Am Freitag erkämpfte sich Lebherz in Berlin erst mal zwei weitere Finalteilnahmen – über 200 Meter Rücken und 200 Meter Freistil. Letzteres könnte für ihn zum „krönenden Abschluss“ der Tage von Berlin werden, so Lebherz. Denn landet er in diesem Finale unter den besten vier, rückt Rom plötzlich wieder ganz nahe: In diesem Fall darf er mit einer Nominierung für die deutsche 4×200-Meter-Freistilstaffel bei der WM rechnen.

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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