„Da muss heute Abend noch was passieren.“ So reagierte Paul Biedermann am Freitagmorgen auf seinen ersten Auftritt bei den deutschen Meisterschaften in Berlin, den Vorlauf über 200 Meter Freistil. Da war er in 1:48,22 Minuten zwar der Beste, aber: „Ich wollte schon noch deutlich schneller schwimmen.“ Das gelang ihm am Abend tatsächlich: In 1:46,70 Minuten entschied er das Finale für sich und schaffte damit den Sprung zu den Olympischen Spielen in London. Mit seiner Zeit, mit der er auf Platz sieben der Weltrangliste vorstieß, war er dennoch nicht so ganz zufrieden. „Mit der Zeit bin ich überhaupt nicht konkurrenzfähig, das ärgert mich jetzt schon. Ich hoffe, dass ich mich noch steigern kann.“ Er sei deutlich schneller angegangen als im Vorlauf, sagte der WM-Dritte, aber zu einem besseren Resultat hätten ihm am Ende „das Stehvermögen und die Ausgeruhtheit“ gefehlt.
Hinter Biedermann unterbot auch der zweitplazierte Clemens Rapp in 1:47,57 Minuten die Olympia-Norm, wie auch Dimitri Colupaev, der für den SSV Undine 08 Mainz startet und nur eine Hundertstelsekunde hinter Rapp ins Ziel kam. Antreten dürfen in London aber nur zwei deutsche Schwimmer. Colupaev kann allerdings mit einem Staffelplatz für die Spiele rechnen.
Biedermanns Lebensgefährtin Britta Steffen hatte schon am späten Donnerstagabend bei ihrem Überraschungseinsatz als Startschwimmerin der Staffel der SG Neukölln aufhorchen lassen. Mit 53,65 Sekunden unterbot sie die geforderte Olympia-Normzeit um acht Zehntelsekunden. Es war die international viertbeste Zeit in diesem Jahr, so schnell war Britta Steffen seit dem Verbot der Hightech-Anzüge Ende 2009 nicht mehr geschwommen. „Es tut schon gut, es war ein Anfang, ich bin erleichtert“, sagte die Berlinerin, für die es an diesem Samstag im Einzelwettbewerb über 100 Meter Freistil richtig ernst wird.
Abitur und Olympianorm
Einen Schritt weiter ist Silke Lippok. Sie hatte am Freitag schon im Vorlauf über 200 Meter Freistil in 1:57,61 Minuten die Normzeit unterboten und gewann dann am Abend das Finale in 1:57,93 Minuten. Damit lag die 18 Jahre alte Pforzheimerin im Endlauf allerdings eine Zehntelsekunde über der Olympia-Norm. Dennoch ist die Qualifikation für London so gut wie geschafft. „Ich habe das Rennen von heute morgen noch in den Knochen gespürt“, sagte sie. Ihr Erfolg war um so bemerkenswerter, da sie zuletzt neben der Vorbereitung auf die Titelkämpfe noch ihr Abitur bewältigen musste. Anfang der Woche erst hatte sie die letzte Prüfung hinter sich gebracht, die war aber keine große Hürde mehr: Es war die praktische Prüfung im Sport: Schwimmen.