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Schwimm-WM Es werde Licht

13.03.2007 ·  Am liebsten wären die deutschen Schwimmer schon vor einer Woche nach Melbourne gereist, um sich vor der WM an Zeitverschiebung und spätsommerliche Temperaturen zu gewöhnen. Doch das erlaubt das Budget nicht, deshalb verteilte der Verband Lampen.

Von Gerd Schneider
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"Mehr Licht", das sollen Goethes letzte Worte gewesen sein. Ob die Offiziellen vom Deutschen Schwimm-Verband den berühmten Ausruf des Nationaldichters im Sinn hatten, als sie nun ihren Athleten als Vorbereitung auf die WM in Melbourne "mehr Licht" verordneten, ist unwahrscheinlich. Dabei wäre es nicht die schlechteste Idee, Goethe bei der langen Reise im Gepäck zu haben. Der Geheimrat war ein leidenschaftlicher Schwimmer, seine Werke sind voll mit Hinweisen auf seine Affinität zum Wasser. Selbst im "Faust" gibt es eine einschlägige Stelle: "Gesellig dann und fröhlich badend / erdreistend schwimmend, furchtsam watend / Geschrei zuletzt und Wasserschlacht."

Doch zurück zu den anderen Licht-Gestalten, den deutschen Schwimmern. Die haben kurz vor der WM gewiss andere Sorgen, als sich mit Goethes Badegewohnheiten auseinanderzusetzen. Eine dieser Sorgen ist, wie könnte es anders sein, das liebe Geld. Der Verband schwimmt nicht gerade darin, und deshalb muss er sparen, unter anderem an der WM-Vorbereitung seiner Athleten. Am liebsten wären sie schon vor einer Woche nach Australien gereist, um sich an die Zeitverschiebung (zehn Stunden) und an die Temperaturen des dortigen Spätsommers zu gewöhnen. Doch das erlaubt das Budget nicht. Also kam einer der Verbandsmediziner auf die Idee, den Schwimmern eine Licht-Therapie zu verordnen. Mit dieser Methode soll, so Sportdirektor Örjan Madsen, die Zeitumstellung "erheblich verkürzt" werden.

„Anti-Depressions-Lampen“

Gesagt, getan. Vor ein paar Tagen bekamen alle WM-Teilnehmer einen Licht-Kit, bestehend aus einer gleißend hellen Lampe und einer entsprechenden Anleitung. Drei Tage vor der Abreise an diesem Dienstag begannen die Schwimmer mit der Therapie. Zu bestimmten, aber wechselnden Zeiten müssen sie sich dem künstlichen Licht aussetzen. Um diesen Effekt nicht zu verwässern, wird empfohlen, bei gewöhnlichem Tageslicht dunkle Brillen zu tragen. Gut möglich, dass sich an diesem Dienstag manche Passagiere am Frankfurter Flughafen vorkommen, als wären sie unter die "Blues Brothers" geraten.

Doch keine Sorge, die deutschen Athleten sind, soweit bekannt, nicht im Auftrag des Herrn unterwegs. Sie sollen nur schnell schwimmen bei der WM, die in der Rod-Laver-Arena, einem Tennis-Tempel, ausgetragen wird. Einen gewissen missionarischen Charakter kann man dem "Projekt Weltklasse", das Madsen ausgerufen hat, freilich nicht absprechen. Seit der norwegische Sportwissenschaftler im deutschen Schwimmen das Sagen hat, gehen die Uhren anders, nicht nur die inneren. Er unterzieht die Athleten einem akribisch begleiteten Höhentraining, er engagiert Ernährungswissenschaftler, Psychologen und Techniktrainer.

Bei so viel Fortschritt ist es kein Wunder, dass er auch die Zeitumstellung nicht dem Zufall überlässt. Glaubt man der Verbandspräsidentin Christa Thiel, hat die Licht-Therapie außerdem eine angenehme Nebenwirkung: Sie soll die Stimmung aufhellen. Der Schwimm-Verband wäre also gut beraten, erst die Ergebnisse bei der WM abzuwarten, ehe er die "Anti-Depressions-Lampen" (Thiel) wieder einsammelt. Vielleicht werden sie noch gebraucht.

Quelle: F.A.Z., 13.03.2007, Nr. 61 / Seite 32
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