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Schwimm-Kommentar Königsweg gesucht

Die Kritik an der Führung des Deutschen Schwimm-Verbands nimmt kein Ende. Nun stimmt auch Britta Steffen in die Klagewelle ein. Man könnte das als persönliches Scharmützel abtun, ihre Kritik aber geht weit darüber hinaus. Der DSV ist gefordert.

© dpa Vergrößern „Wenn du sie brauchst, dann sind sie nicht da“, charakterisiert Britta Steffen den DSV

Jetzt also auch Britta Steffen. Die Kritik an der Führung des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) nimmt kein Ende. Trainer, Funktionäre, Athleten, aus allen Winkeln dringt die Unzufriedenheit mit der Situation im DSV nach außen. So war es kein Wunder, dass auch Britta Steffen in die Klagewelle einstimmt - zumal das Verhältnis zum DSV spätestens seit der WM 2011 in Schanghai, als der Star unter den sportlichen Erwartungen blieb und flugs eigenmächtig vorzeitig heimreiste, sowieso kein sonderlich herzliches ist.

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Mancher dürfte da einen der Vorwürfe, die sie nun in einem Interview äußerte, mit Erstaunen vermerken: „Wenn du sie brauchst, dann sind sie nicht da“, charakterisiert sie den DSV. Ähnlich hatten viele damals in Schanghai empfunden - über Britta Steffen.

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Die Doppel-Olympiasiegerin 2008 ist über die Jahre zielstrebig ihren eigenen Weg gegangen. Sie hatte Erfolg damit, in einer Zeit, in der Erfolge rar waren im DSV. Britta Steffen ist wichtig für den Verband, der Verband aber offenbar nicht so sehr für sie, zumindest nicht in dieser Form.

Man könnte das als persönliches Scharmützel abtun, ihre Kritik aber geht weit darüber hinaus. Sie betrifft auch grundlegende Probleme: die offene Zukunft der Trainer, die fehlenden Konzepte für den neuen Olympia-Zyklus, die endlose Suche nach einem Cheftrainer, die konkrete Umsetzung der Lehren aus London.

Es herrscht der Eindruck: Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Es sind eine Menge Baustellen, und nicht immer macht der DSV dabei eine glückliche Figur. Der Cheftrainer wurde per Zeitungsinserat gesucht, in der Expertenkommission, die Empfehlungen für Reformen geben soll, sind die Stützpunkttrainer selbst außen vor. Es herrscht oft der Eindruck, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht, dass mehr übereinander als miteinander geredet wird.

Zu erleben war das auch beim Weltcup in Berlin: als Frank Embacher, Trainer von Paul Biedermann und Britta Steffen, wegen der unklaren Vertragssituation erst mit einem Wechsel ins Ausland drohte, ehe dann doch schnell ein Gespräch vereinbart und Zusagen gegeben waren.

Auf der Suche nach dem Königsweg an die Weltspitze

Es ist nicht so, dass der DSV nun mit einem tollen neuen Cheftrainer oder einem neuen Präsidenten bei Olympia 2016 in Rio richtig abräumen würde - dazu hat sich der Schwimmsport zu stark verändert, das zeigen auch Nationen wie Italien, Russland, Australien oder Großbritannien, die mit ähnlichen Schwierigkeiten kämpfen wie Deutschland.

Sie alle sind auf der Suche nach dem Königsweg zurück in die absolute Weltspitze. Der DSV ist jetzt gefordert, endlich offen darzulegen, wie er diese komplizierte Suche angehen, sein System verfeinern will. Die Zeit drängt, und die Situation ist schwierig genug.

An einem Strang ziehen - am besten am gleichen

Der einzige Weg, sie erfolgversprechend zu bewältigen, ist, dass alle, die sich über Missstände erregen, Trainer, Funktionäre, Athleten, konstruktiv zusammenwirken, um sie zu verbessern. Dass sie, Individualsport hin oder her, aufeinander zugehen, an einem Strang ziehen, nach Möglichkeit am gleichen und in die gleiche Richtung. Andernfalls ist die Suche nach dem Königsweg von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.11.2012, 18:55 Uhr

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