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Schneetreiben Manöverkritik vom Oberbefehlshaber

15.02.2006 ·  Die Athleten der Sportförderkompanien sind das Aushängeschild der Bundeswehr. In ihrem Medaillenglanz sonnen sich Verteidigungsminister alle Jahre wieder besonders gerne. Auch Franz Josef Jung macht in Turin keine Ausnahme. Schneetreiben - die FAZ.NET-Kolumne.

Von Achim Dreis, Sestriere
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Es ist kurz vor zehn; es wird laut im Deutschen Haus: der Bundesverteidigungsminister betritt den Saal. Sein militärisch-jovialer Gruß läßt Stabsfeldwebel René Sommerfeldt kurz zusammenzucken. Doch der schmale Skilangläufer nimmt schnell wieder Haltung an und plaudert auftragsgemäß ein bißchen mit seinem Oberbefehlshaber.

In einer Mischung aus Rheingauer Leutseligkeit und ministerialer Wichtigkeit gestaltete Franz Josef Jung seine zweitägige Stippvisite bei den Olympischen Spielen. „Wenn ich hier die herrlichen Pisten sehe, würde ich am liebsten selbst runterfahren“, betonte der Hobby-Skifahrer am Fuße des Slalomhangs in Sestriere.

Goldmedaille kein Beförderungsgrund

Konnte er aber nicht, statt dessen besuchte er seine Kämpfer an den olympischen Fronten in Cesana und Pragelato und gab den Befehl zu einer „guten Medaillenausbeute“. Er hatte sich keinen schlechten Tag dafür ausgesucht: Jung sah den Olympiasieg von Sven Fischer und als Tageskrönung den Dreifachtriumph der Soldatinnen Otto, Kraushaar und Hüfner. Und stand fernsehbild-bewußt im Auslauf bereit, um den Rodlerinnen gleich nach Zieleinlauf zu gratulieren.

Auch die allererste Medaille für Deutschland hatte am Samstag ein Sportsoldat gewonnen, nämlich Michael Greis, was Jung besonders freute. Ob der Biathlet deshalb befördert werde, wollte der Minister aber nicht abschließend versprechen.

Daß er den „Sport im Herzen“ trage, betonte er mehrmals und kam mit diesem Spruch ganz gut an bei seinen Truppen. „Es ist schon wichtig, daß der oberste Boss mal vorbeikommt“, bekannte Christoph Langen, Doppelolympiasieger im Bobfahren und nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport Leiter einer Sportfördergruppe.

Kaum grüne Wochen für Sportsoldaten

Rund 40 Prozent der Wintersportler im Olympiateam geben als Beruf „Sportsoldat“ an. Einer dieser 73 Athleten ist René Sommerfeldt. Der Oberwiesenthaler schätzt seine Situation als „sehr positiv“ ein. Seit der Grundausbildung kann sich der Weltcupgesamtsieger von 2004 nur an wenige „grüne Wochen“ - ohne Schnee, aber mit Uniform - erinnern.

Die Bundeswehr soll eben Sicherheit bieten, in diesem Fall soziale Sicherheit für Leistungssportler. Dem großen Förderer der deutschen Mannschaft steht jedoch bis zu den nächsten Spielen in Vancouver eine Mittelreduzierung um zehn Prozent bevor: Agenda 2010 für Sportsoldaten. Jung, jetzt wieder ganz Politiker, beruhigte aber, es solle eher an den Sportstätten, als an den Sportlern gespart werden.

Schwache Ausbeute im Ballwurf-Biathlon

Daß der Einlaß im Deutschen Haus extrem gesichert ist, bezeichnete der Militärchef als „leider notwenig“. Jeder, der seine Sicherheit liebe, müsse auch Fingerprints befürworten und ertragen. Der selbsternannte Wettkampftyp machte sogar einen Sport daraus und freute sich, daß er schneller durch die Kontrolle gekommen war als NOK-Präsident Steinbach.

Begleitet von Schiedsrichterlegende Walter Eschweiler, der als Mitarbeiter des Auswärtigen Amts für sportpolitische Begegnungen zuständig ist, versuchte sich Jung schließlich am Ballwurf-Biathlon - schaffte bei fünf Versuchen aber nur zwei Treffer. Mit dieser Ausbeute hätte Sportsoldat Greis sicher keinen Blumentopf gewonnen.

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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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