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Schefflers Golfkolumne Vom Wettkönig zum Supertalent

 ·  Alan Dunbar aus Nordirland wird britischer Amateurmeister so weit, so wenig überraschend. Die Sensation ist aber Mathias Schwab, erst 17, aus Österreich und in Deutschland vor allem durch Thomas Gottschalk bekannt.

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© dapd Vergrößern Was trinken die nur? McIlroy (l.) und McDowell haben jedenfalls beste Laune

Die amerikanische Golfzeitung „Golfweek“ fragt sich: „Was trinken die nur in Nordirland?“ Aber egal, was die Golfer aus dem nur 1,5 Millionen Einwohner zählenden Land des Vereinigten Königreichs auch die Kehle herunterspülen – es beflügelt auf jeden Fall.

Nach Graeme McDowell und Rory McIllroy (US Open 2010 und 2011) sowie Darren Clark (British Open 2011) ging schon wieder ein großer Titel an einen „Ulsterman“, wie die Bewohner der sechs Grafschaften im Nordosten der „Grünen Insel“ im Englischen genannt werden.

Alan Dunbar stammt wie McDowell aus dem Golfclub Rathmore in Portrush und spielt mittlerweile wie McDowell und Clark im grandiosen Royal Portrush Golf Club, einem Links Course, der in allen Umfragen zu den Besten der Welt gezählt wird.

Der 23-jährige Dunbar gewann am Sonntag die 117. British Amateur Championship in Troon (Schottland), neben der US Amateur Championship das wichtigste Amateur-Turnier der Welt. Er hat damit das Startrecht bei drei Majors (British Open, Masters und US Open) in der Tasche.

Sechstägiger Marathon

Aber in dieser Woche spielt Dunbar erst einmal bei der Irish Open auf den Dunluce Links des Royal Portrush Golf Club mit. Ob er die Einladung zum Masters und den US Open wahrnimmt, steht allerdings noch in den Sternen. Er will gegen Ende des Jahres versuchen, sich über die Qualifikation das Startrecht auf der European Tour zu sichern.

Bedeutende Amateur-Turniere, die nach einer Zählspiel-Qualifikation immer noch im Lochspiel-Modus für die besten 64 ausgetragen werden, sorgen immer wieder für überraschende Ergebnisse, aber hat selten ein Spieler die Experten so überrascht wie der 17-jährige Österreicher Mathias Schwab.

Der Sohn von Andreas Schwab, dem Olympiavierten im Zweier-Bob von 1976 und ehemaligen Chef der österreichischen Anti-Doping-Agentur, verlor nach einem sechstägigen Marathon und insgesamt 169 gespielten Löchern erst am letzten Loch des Finals über 36 Löcher. Der Steirer schob einen Putt aus etwas mehr als einem Meter am Loch zum Par vorbei und musste dem sechs Jahre älteren Dunbar den Sieg mit 1 auf überlassen.

Foos abgeschlagen

Der junge Schladminger war nicht unglücklich: „Es gibt Schlimmeres, als hier Zweiter zu werden. Ich bin mit Platz zwei trotzdem zufrieden.“ Noch vor drei Wochen hatte Schwab sich bei der German Boys in St. Leon-Rot mit Platz und mit fünf Schlägen Rückstand auf den 14-jährigen Karlsruher Dominic Foos geschlagen geben müssen.

Bei Kälte, Regen und Wind scheiterte Foos auf den Plätzen des Royal Troon Golf Clubs und von Western Gailes als 118. unter den 288 Teilnehmern nach zwei Runden mit jeweils drei Schlägen über Par in der Qualifikation. Der letzte Deutsche, Daniel Schmieding aus Olching, war im Achtelfinale ausgeschieden.

Die beiden derzeit besten deutschen Amateure, der Ludwigsburger Marcel Schneider, der im Januar die Australian Amateur Championship gewonnen hatte, und Moritz Lambert aus St. Leon-Rot, hatten einen Start bei der BMW International Open in Pulheim vorgezogen. Beide verpassten wie Martin Kaymer den Cut um einen Schlag.

Wettkönig und Turner

Mathias Schwab durfte dagegen schon zwei Mal als Amateur bei Turnieren der European Tour auch am Wochenende mitspielen: In den vergangenen beiden Jahren belegte er bei den Austrian Open im Diamond Country Club in Atzenbrugg den 32. und 45. Platz, 2010 war er als Fünfzehnjähriger sogar bester Österreicher im Feld. Auch in diesem Jahr wird Schwab wieder beim Heimspiel gegen Profis antreten, aber danach steht erst einmal die Matura auf dem Programm.

Nach bestandener Hochschulreife wird Schwab mit einem Golfstipendium an der Vanderbilt University in Memphis (Tennessee) studieren. Schwab (Handicap +3) ist wie sein ein Jahr jüngerer Bruder Johannes (Handicap +1,3) mitten in einem Skigebiet aufgewachsen – und doch beim Golf hängen geblieben.

Golf sei weniger gefährlich und außerdem habe der Vater seine Söhne beim Golf viel mehr gefordert. Dass Schwab, der als Lieblingsschulfach Turnen angibt, sportlich überaus begabt ist, hatte er schon als Elfjähriger bewiesen. Bei Thomas Gottschalks „Wetten dass ..?“ wurde er 2006 zum Wettkönig gekürt. Er hatte erfolgreich auf einem Einrad mit einem Golfschläger einen Ball jongliert.

Sein Leben ist der Golfplatz: Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in der FAZ.NET-Golfkolumne über Sieger und Verlierer, Kurioses und Skurriles.

Quelle: FAZ.NET
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