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Schefflers Golfkolumne Im Kreis der großen Meister

 ·  Der erst vierzehn Jahre alte Tianlang Guan wird als bisher jüngster Spieler am Masters-Turnier teilnehmen. Buchmacher bieten schon jetzt Wetten an, dass er als Achtzehnjähriger die Nummer eins der Welt sein wird. Er steht für das gewachsene Ansehen von Golf in China.

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© AFP Vergrößern Start-Ziel-Sieg: Guan mit der Trophäe der Asia-Pacific Amateur Championship

Er ist kaum größer als sein Belly-Putter, bringt gerademal 57 Kilo auf die Waage und schlägt den Ball mit dem Driver nur 250 Yards (229 Meter), eine Abschlagslänge, die viele weibliche Profis (Proetten) auf der LPGA Tour übertreffen – und dennoch wird der Hänfling aus der südchinesischen Hafenstadt Guangzhou (früher Kanton) am 11. April 2013 in Augusta im amerikanischen Bundesstaat Georgia Golfgeschichte schreiben. Tianlang Guan, der bereits zwei Mal mit Tiger Woods bei Schaukämpfen antrat, wird erstmals gemeinsam im Feld mit dem langjährigen Primus stehen.

Der Chinese wird an diesem Frühlingstag beim 77. Masters einen Altersrekord brechen: Mit 14 Jahren, fünf Monate und 17 Tagen wird der Knabe aus der drittgrößten chinesischen Stadt (9,5 Millionen Einwohner) an diesem Tag mehr als zwei Jahre jünger sein, als der Italiener Matteo Manassero, der 2011 einen Monat vor seinem 17. Geburtstag als bisher jüngster Spieler am Stelldichein der großen Meister des Golfs teilnehmen durfte, und nach Platz 13 als bester (leading) Amateur geehrt wurde.

Manassero, der nach seinem Übetritt ins Profilager mittlerweile zwei Siege auf der European Tour verbucht hat, qualifizierte sich für das Masters durch seinen Erfolg bei den British Open 2010. Guan verdiente sich seinen Startplatz am Sonntag mit seinem Start-Ziel-Sieg bei den Asia-Pacific Amateur Championship, ein Turnier, das der Veranstalter des Masters, der Augusta National Golf Club gemeinsam mit dem Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (R&A) und der Asia-Pacific Amateur Golf Association 2009 ins Leben rief.

Um Golf in dieser Region zu fördern, lobt der exklusivste Golfklub der Welt für den Sieger dieses Turniers einen Platz im meist nur rund 90 Spieler starken Feld des Masters aus, der R & A, der Veranstalter der British Open, schenkt dem Sieger einen Platz in der eigentlich Profis vorbehalten International Final Qualifying. Bei der vierten Auflage dieses Turniers, das mit TV-Übertragungen in 150 Länder der Welt als das Amateur-Turnier mit der größten Fernsehreichweite gilt, absolvierte Guan nur wenige Tage nach seinem 14. Geburtstag (25. Oktober) im Amata Spring Country Club in Chonburi bei Bangkok die vier Runden in 15 unter Par (66+64+72+71 Schläge) und verwies als 490. der Amateur-Weltrangliste Cheng-Tsung Pan aus Taiwan, immerhin die Nummer 12 dieses Rankings, den Australier Olivier Goss, der als Amateur bereits ein Profiturnier der Australasian Tour (Western Australian Open) gewonnen hatte, sowie den Japaner Hideki Matsuyama, den Sieger der letzten beiden Asia Pacific Amateur Championships, auf die Plätze.

Schwierigkeiten mit langen Par-4-Löchern

Matsuyama hatte bei seinen beiden Auftritten in Augusta jeweils den Cut geschafft und war 2011 der beste Amateur im Feld. Ob auch Guan ein solcher Coup gelingt? Der hügelige Platz des Augusta National Golf Clubs ist 6.800 Meter lang, immerhin ist er damit 129 Meter kürzer als der Amata Spring Country Club. Dass Guan auf einem solchen Platz trotz seiner kurzen Abschläge siegte, spricht für die Klasse des jungen Mannes. Dennoch: Die Schwierigkeiten des Knaben mit langen Par-4 Löchern waren nicht zu übersehen. Sie zeigten sich am 18. Loch im Amata Spring Golf Club (430 Meter). Guan, der Jüngste und einer der „Kürzesten“ im Feld, musste an diesem Loch an jedem Tag zu Driver und Holz 3 greifen, ein Loch, auf dem „Longhitter“ wie die beiden Führenden der Weltrangliste, Rory McIlroy und Tiger Woods, nach dem Drive nur noch ein kurzes Eisen ins Grün schlagen.

Aber auch wenn es dem Knaben aus dem Lion Lake Golf in Guangzhou an Länge gebricht, der Junge hat andere Stärken. Mit einem Schlag Vorsprung war er auf die letzte Bahn gegangen, hatte wie die Tage zuvor das Grün mit dem Holz 3 verfehlt. Aber er behielt die Nerven und spielte nach zwei Bogeys an den Vortagen das Par: Nach seinem Chip, den er 1,50 Meter an die Fahne gelegt hatte, lochte er mit seinem Putter, den er seit Juni am Bauch fixiert (Belly-Putter), zum Par und zum Sieg ein – für Guan nicht der erste große Erfolg.

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© AFP Vergrößern Guan beim Abschlag: Eleganter Schwung, aber es fehlt noch an Weite

Im November vorigen Jahres gewann er als gerade Dreizehnjähriger die chinesische Amateur-Meisterschaft und durfte zur Belohnung im April diesen Jahres bei der China Open der European Tour antreten – natürlich als bisher Jüngster, der bei einem Turnier dieser 1972 gegründeten Tour mitspielen durfte. Allerdings war sein Auftritt nach zwei Runden von 77 und 79 Schlägen mit denen er im 156 Spieler starken Feld den 150. Platz belegte, vorzeitig beendet. Dass Guan, der Sohn eines wohlhabenden Arztes, im Frühjahr im Masters antritt, wird Golf im Reich der Mitte weitere Schlagzeilen bescheren, einem Sport, der laut einem Bericht der Tageszeitung China Daily in den letzten acht Jahren gewaltig gewachsen ist: Die Zahl der Plätze ist von 170 auf mehr als 600 gestiegen. Der chinesische Golfverband unternimmt große Anstrengungen, um 2016 bei den Olympischen Spielen mit einer chancenreichen Mannschaft anzutreten.

Er ist nicht das einzige Wunderkind

Bei den Damen hat Feng Shanshan mit der LPGA Championship bereits eines der Majors der größten Damentour der Welt gewonnen. Und Guan ist nicht das einzige Wunderkind im chinesischen Herrengolf: Im Juni qualifizierte sich sein vierzehnjähriger Landsmann Andy Zhang als bisher Jüngster für die US Open. Er schied nach Runden von 79 und 77 Schlägen (16 über Par) als 144. vorzeitig aus. Wenn Guan beim Masters abschlägt, wird er noch einen Monat jünger sein als Zhang – und zumindest das britische Wettbüro Ladbrokes traut ihm viel zu: Die Buchmacher auf der Insel bieten eine Wette auf ihn an, dass Guan bei Vollendung seines 18. Lebensjahres die Nummer eins der Welt sein wird – mit einer allerdings noch bescheidenen Quote von 1:1000.

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