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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Schefflers Golfkolumne Der Golfer auf dem Kart

 ·  14 Jahre nach seiner ersten Teilnahme bei den US Open schreibt Casey Martin wieder Schlagzeilen: Der an Durchblutungsstörungen leidende und gehbehinderte Profi qualifiziert sich zum zweiten Mal - und fährt auf einem Golfkart von Loch zu Loch.

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© dapd Dauerregen - na und: Casey Martin trotzt nicht nur dem Wetter.

Im Golf bedeutet „Open“ zumindest bei den US Open und den British Open (offiziell The Open Championship) wirklich „offen“ – offen für jedermann, der gewisse Mindestkriterien erfüllt; im Gegensatz zu den Namensvettern im Tennis (US Open, French Open oder Australian Open), bei denen in der Qualifikation nur Spieler startberechtigt sind, die in der Weltrangliste entsprechend hoch plaziert sind.

Bei den US Open, die am Donnerstag nächster Woche auf dem Lake Course des Olympic Clubs in San Francisco beginnen, konnte jeder Amateur mit einer Stammvorgabe (Handicap Index) von -1,4 und jeder Professional sein Glück versuchen, sofern er bereit war, 150 Dollar Startgeld zu zahlen.

9006 Golfer wollten zu den US Open

In diesem Jahr meldeten sich für die 156 Startplätze insgesamt 9006 Golfer an. Nur 91 kamen aufgrund verschiedener Kriterien wie zum Beispiel Siege bei Majors, Plazierung in der Weltrangliste (Top 50), Turniersiege auf der PGA Tour oder Erfolge bei den beiden wichtigsten Amateurturnieren (British und US Amateur) direkt ins Hauptfeld.

Insgesamt 8915 Profis und Amateure bemühten sich in verschiedenen Qualifikationen um einen der 65 verbliebenen Plätze; wobei man von dieser Zahl eigentlich noch 17 Plätze abziehen muss, denn die wurden in Tourspielern vorbehaltenen Internationalen Qualifikationen in England (11 Plätze für Mitglieder der European Tour) und Japan (6 für Mitglieder der Japan, Asian, Australasian und OneAsia Tour) vergeben.

Am Montag wurden die letzten 48 Plätze in elf so genannten über die ganze Vereinigten Staaten verstreuten „Sectional Qualifyings“ (der zweiten Stufen nach den 109 Local Qualifyings Anfang Mai) vergeben – und einen davon ergatterte wieder ein Mann, der vor 14 Jahren Schlagzeilen geschrieben hatte: Casey Martin. Oder wie es die amerikanische Nachrichten-Agentur AP treffend formulierte: „Casey Martin und sein Golfkart sind wieder auf dem Weg in den Olympic Club zu den US Open.“

Das Kart ist immer mit dabei

Das Golfkart, also der Wagen mit dem Golfer vor allem in Amerika über den Platz fahren, ist bei großen Turnieren den Offiziellen vorbehalten. Alle Profiturniere, alle großen Amateurturniere absolvieren die Spieler, wie es Tradition ist, zu Fuß mit einem Caddie. Casey Martin ist dazu nicht in der Lage. Der mittlerweile Vierzigjährige leidet an einer seltenen, angeborenen Durchblutungstörung, dem Klippel-Trenaunay-Weber-Syndrom, einer Krankheit, die sein rechtes Bein verkümmern lässt. Trotz dieser Behinderung spielte Martin hervorragend Golf, so gut, dass er ein Golfstipendium der Standford University erhielt und er ein Jahr gemeinsam mit Tiger Woods im Golfteam dieser Eliteschule spielte – immer mit einem Golfwagen.

Aber als er wie Woods den Schritt ins Profilager wagen wollte, berief sich die PGA Tour auf ihr Regelwerk, das vorschreibt, dass die Runde zu Fuß absolviert werden muss. Martin verklagte 1997 die PGA Tour nach dem amerikanischen Gleichstellungsgesetz für Behinderte – und durfte zunächst mit einer einstweiligen Verfügung 1998 bei PGA Turnieren fahren statt zu laufen. 2001 gewann er den Rechtsstreit endgültig vor dem amerikanischen obersten Gericht, dem Supreme Court. Der amerikanische Golfverband ließ ihn – obwohl viele Profis, darunter die Golflegende Jack Nicklaus, sich dagegen aussprachen - mit einem Golfwagen bei den US Open 1998 im Olympic Club mitspielen.

Zwischenzeitlich spielte er kaum noch

Martin belegte den 23. Platz, für einen Qualifikanten ein überaus respektables Ergebnis. Ein Jahr später schaffte er den Sprung auf die PGA Tour, verlor aber nach einem Jahr wieder die Spielberechtigung. Er schlug sich danach noch ein paar Jahre auf der Nationwide Tour und kleineren Turnierserien durch. 2006 gab er schließlich auf und nahm den Job als Golf Coach an der University of Oregon in Eugene an. Golf spielt er kaum noch: Im vergangenen Jahr absolvierte er nach eigener Aussage höchstens 15 Runden – und die letzten neun Tage vor der Qualifikation hatte er keinen Schläger in der Hand. Denn er musste sein Team, die „Ducks“, bei der amerikanischen Hochschulmeisterschaft (NCAA) betreuen, bei dem seine Mannschaft erst im Halbfinale scheiterte.

„Wenn die Qualifikation nicht in Oregon und so nah bei meinem Wohnort gewesen wäre, hätte ich wohl nicht mitgespielt“, sagte Martin. So ging er ohne große Erwartungen in das Turnier über 36 Löcher an einem Tag, aber vielleicht war gerade das sein Erfolgsgeheimnis: „Ich habe mich nicht vorbereitet. Ich hatte nur ein paar Schwunggedanken und die haben gut funktioniert. Alles schien so einfach.“ Die Bedingungen waren dagegen extrem: Dauerregen und eine zweistündige Gewitterunterbrechung, die Martin nur 22 Minuten zwischen den beiden Runden Zeit ließ, schnell ein Sandwich zu essen. Dennoch absolvierte Martin die Runden im Emerald Valley Resort in Creswell in zweimal 69 Schlägen, bei einem Par von 71 also in vier unter Par – und das obwohl er sich auf der zweiten Runde an den Löchern 16 und 17 ein Bogey einfing, der seinen Vorsprung vor den beiden Verfolgern auf einen Schlag schmelzen ließ.

Qualifikation mit einem Schlag Vorsprung

Am letzten Loch musste Martin aus 15 Metern mit zwei Putts, den letzten aus 1,50 Meter, noch das Par retten. „Eigentlich war es schon viel zu dunkel, um weiter zu spielen. Ich hätte eigentlich gar nicht mehr putten dürfen. Aber ich war hundemüde und wollte so schnell wie möglich in mein Bett“, schildert Martin die letzten Schläge auf dem Weg zu den US Open. Er konnte sein Nachtlager mit der Gewissheit eines Sieges gegen 36 Konkurrenten aufsuchen: Er gewann mit einem Schlag Vorsprung vor den Amateuren Daniel Miernicki, einem seiner Schützlinge im Team der „Ducks“, und Nick Sherwood, die am Dienstag noch in ein Stechen um den zweiten Platz mussten, der ebenfalls den Start bei den US Open garantiert.

Martin beschrieb seine letzte Teilnahme bei den US Open vor 14 Jahren als „Wirbelwind“, weil er als einziger Behinderter mit einem Golfcart unterwegs war und deshalb unheimlich viel Medieninteresse auf sich zog. Das wird in diesem Jahr nicht anders sein, aber in diesem Jahr weiß Martin zumindest, was ihn in San Francisco erwartet.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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