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Schefflers Golf-Kolumne Vorwurf der Vetternwirtschaft

01.09.2008 ·  Mit der Nominierung seines Landsmanns Ian Poulter für den Ryder Cup hat sich der englische Kapitän Nick Faldo angreifbar gemacht. Allgemein war der Nordire Darren Clarke favorisiert worden. Martin Kaymer hat seine Chancen dagegen mit einem Bogey ganz sportlich verspielt.

Von Wolfgang Scheffler
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Kaum hatte der englische Kapitän Nick Faldo mit seinen Landsleuten Paul Casey und Ian Poulter am Sonntagabend in Gleneagles die Namen der beiden Golfprofis bekannt gegeben, die er nach eigenem Gutdünken (Captain's Pick) für die Europa-Auswahl benennen darf, da gab es auch schon hinter vorgehaltener Hand Kritik von den Kollegen: „Unverständlich, Vetternwirtschaft“, lauteten nur einige der Kommentare. Selbst der amerikanische Ryder-Cup-Kapitän Paul Azinger war überrascht: „Für mich war es sicher, dass Darren dabei ist.“

Dass sich Faldo gegen den Nordiren Darren Clarke entschied, der vor zwei Jahren als einziger Europäer alle Matches gewonnen und am vorigen Sonntag mit seinem Sieg bei der Dutch Open seine gute Form unterstrichen hatte, hatte für viele einen unangenehmen Beigeschmack. Denn Poulter hatte nicht am letzten Qualifikationsturnier, der Johnnie Walker Championship in Gleneagles/Schottland, teilgenommen, obwohl er durch eine Spitzenplatzierung noch direkt ins Team hätte kommen können.

Poulter fällt vor allem durch schrille Kleidung auf

Das nährte die Spekulation, dass Faldo seinem Freund Poulter schon frühzeitig einen Platz im Team zugesichert hatte. Der Mann, der vor allem wegen seiner schrillen Kleidung auffällt, blieb in Amerika - und verpasste prompt bei der Deutschen Bank Championship in Norton/Massachusetts, dem zweiten Play-off-Turnier um den FedEx-Cup, den Cut.

Faldo begründete die Entscheidung für Poulter mit dessen glänzender Vorstellung bei den British Open in Birkdale, als der 32-jährige Engländer mit einer fulminanten Schlussrunde noch auf den zweiten Platz vorgerückt war. Für Casey gab laut Faldo die Tatsache den Ausschlag, dass er vom Abschlag bis zum Grün die ganze Saison der Beste gewesen sei und er in den letzten Wochen auch seine Putting-Probleme in den Griff bekommen habe. Deshalb habe er die beiden, die schon vor zwei Jahren zum siegreichen Team gehörten, nominiert.

Martin Kaymer knapp gescheitert

In Gleneagles (Schottland) schafften am Sonntag drei Neulinge den Sprung ins Team: die beiden Engländer Justin Rose und Oliver Wilson sowie der Däne Sören Hansen . Wilson ist übrigens der erste Spieler, der in der gesamten einjährigen Qualifikationsperiode keinen Turniersieg feierte und dennoch direkt ins Team rückte. Ihm reichten vier zweite Plätze und viele gute Platzierung für den zehnten und letzten Qualifikationsplatz.

Schon vorher hatte festgestanden, dass der Ire Padraig Harrington, die Spanier Sergio Garcia und Miguel Angel Jimenez, die Schweden Henrik Stenson und Robert Karlsson sowie der Engländer Lee Westwood und der Nordire Graeme McDowell vom 19. bis 21. September in Louisville im Bundesstaat Kentucky die blauen europäischen Farben gegen die besten Amerikaner vertreten werden. Für das amerikanische Team sind bisher Phil Mickelson, Stewart Cink, Kenny Perry, Jim Furyk, Anthony Kim, Justin Leonard, Ben Curtis und Boo Weekley qualifiziert. Azinger benennt seine vier Captain's Picks am Dienstag.

Ein Bogey am 17. Loch brachte die Entscheidung

Martin Kaymer verfehlte auf Rang elf die automatische Qualifikation für die Europa-Auswahl nur um einen Platz. Der Ryder Cup findet allerdings nicht nur ohne deutsche Beteiligung statt. Erstmals seit 1937 steht auch kein Schotte im Team. Colin Montgomerie, der nach acht Teilnahmen zuschauen muss, spielte im Gegensatz zu Kaymer nicht gut genug, um sich ins Spiel zu bringen.

Der 23-jährige Rheinländer dagegen konnte bis zum 17. Loch am Freitag hoffen, sich doch noch auf den letzten Drücker als zweiter Deutscher nach Bernhard Langer für den Erdteilkampf zu qualifizieren. Doch am 17. Loch schob er am Freitag einen Putt zum Par aus einem Meter am Loch vorbei. Dieses Bogey bedeutete das vorzeitige Aus bei diesem Turnier und kostete ihn alle Chancen, Wilson noch zu überholen.

Aber die Enttäuschung hielt sich bei dem Mettmanner in Grenzen: Wilson, schaffte nicht nur mit einem Birdie am 16. Loch am Freitag auf den letzten Drücker den Cut, sondern schob sich mit zwei guten Runden am Wochenende von 68 und 69 Schlägen auf den geteilten zehnten Platz. Was bedeutet hätte: Um Wilson noch in der europäischen Punktrangliste (jeder gewonnene Euro Preisgeld ist ein Punkt) hätte er mindestens Dritter werden müssen - nicht einmal der fünfte Platz, den der Ratinger Marcel Siem belegte, hätte gereicht.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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