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Schefflers Golf-Kolumne Von allen guten Golf-Geistern verlassen

 ·  In diesem Jahr gelang Rory McIlroy noch kein einziger Turniersieg. Vielmehr sorgt er für Negativschlagzeilen. Bei den British Open scheitert er am Cut, schimpft und zeigt sich ratlos. Seine Krise liegt wohl am Lebenswandel.

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© REUTERS Vergrößern Bunker-Mentalität: Auch in Gullane scheitert McIlroy am Cut

Er ist gerade mal 24 Jahre alt, er ist steinreich, er hat eine attraktive, weltbekannte Freundin. Und er ist - zumindest laut Weltrangliste - noch immer der drittbeste Golfer der Welt. Aber wer Rory McIlroy bei der 142. British Open verfolgte, erlebte einen jungen Mann, der sich nach seiner ersten Runde von 79 Schlägen auf dem Platz der Honourable Company of Edinburgh Golfers in Muirfield, einem Ortsteil des schottischen Küstenstädtchens Gullane, bei der Ausübung seines Berufs schon seit Monaten als „gehirntot“ und „bewusstlos“ beschrieb. Am zweiten Tag spielte er mit 75 Schlägen zwar etwas besser, doch den Cut von 150 Schlägen (8 über Par) verpasste der Nordire mit insgesamt 154 Schlägen um Längen.

Erstmals, seit er vor sechs Jahren in Carnoustie (Schottland) als junger Amateur beim ältesten Turnier der Welt debütiert hatte, war das dritte Major des Jahres für ihn vorzeitig beendet. Da war es kein Trost, dass auch der Weltranglistendritte Justin Rose, vor drei Wochen noch Sieger der US Open, und dessen englischer Landsmann Luke Donald, mit dem sich McIlroy im vergangenen Jahr einen harten Kampf um den ersten Weltranglistenplatz geliefert hatte, ebenfalls an diesem Wochenende arbeitsfrei haben. Besser machte es Phil MIckelson, der das Turnier nach einer grandiosen Aufholjagd gewann.

Immerhin spielte McIlroy die letzten elf Löcher am Freitag genau in der Schlagzahl, die der Platzstandard (Par) vorgibt - ein kleiner Hoffnungsschimmer, mehr nicht. Denn nach dem katastrophalen Start hatte der Jungstar aus Holywood, einem Vorort von Belfast, nach fünf Bogeys auf den ersten sieben Löchern längst vom Wettkampf- auf Trainingsmodus umgestellt und bei jeder Gelegenheit mit seinem neuen Driver abgeschlagen - eine Taktik, die die meisten Kollegen auf dem von der Sommerhitze braun gefärbten und vollkommen ausgetrockneten, beinharten Platz weitgehend vermieden. Doch jeder Golfer weiß: Training und Turnier sind zweierlei. „Ich kann nicht einmal sagen, was derzeit schiefläuft“, klagt McIlroy.

Fest dagegen steht: Bei dem Nordiren klappt derzeit nichts. Seit er im Januar als neuer Markenbotschafter von Nike präsentiert wurde und einen Zehnjahresvertrag erhielt, der laut Forbes mit 200 Millionen Dollar dotiert ist, geht es mit dem zweimaligen Major-Sieger (US Open 2011, PGA Championship 2012) steil bergab. Der Mann, der im vergangenen Jahr die Geldranglisten auf beiden Seiten des Atlantiks gewann, scheint auf einmal von allen guten Golf-Geistern verlassen.

Viele Experten führten das auf den Materialwechsel zurück. Vor allem mit dem Driver, vormals ein Schläger, mit dem McIlroy nicht nur extrem weit, sondern auch präzise schlagen konnte, streute er auf einmal fürchterlich. McIlroy machte zwar nie Umstellungsprobleme mit den neuen Schlägern für seine Krise verantwortlich. Aber dass er mit den neuen Schlägern noch immer nicht zufrieden ist, zeigte, dass er noch unmittelbar vor dieser British Open nach London reiste, um dort im Testcenter seines Sponsors endlich einen Driver zu finden, der ihm zusagt. McIlroy wechselte freilich nicht nur den Schläger- und Bekleidungssponsor, er verließ auch seine Managementfirma Horizon, um eine eigene Vermarktungsagentur zu gründen, begleitet von der Ankündigung, dass Horizon ihn auf Einhaltung des Vertrages verklagen werde.

All das blieb nicht ohne Wirkung, in diesem Jahr hat McIlroy noch keinen einzigen Turniersieg feiern können - und nur für Negativschlagzeilen gesorgt. Im Frühjahr verließ McIlroy während der zweiten Runde der Honda Classic in Palm Beach Gardens in Florida frustriert den Platz, weil er schon sieben Schläge über Par lag. Nachdem er zunächst erklärt hatte, er sei „mental nicht in der Verfassung für Golf“, behauptete er später, ein Weisheitszahn habe ihn geplagt. Es half nichts: Dieses unprofessionelle Benehmen, noch dazu vom Weltranglistenersten, kostete ihn viele Sympathien. Bei den US Open vor drei Wochen, bei denen er weit abgeschlagen auf Rang 41 gelandet war, zerbrach er nach zwei Schlägen in ein Wasserhindernis sein Eisen 9. Für diesen im Golf inakzeptablen Wutausbruch entschuldigte er sich vor zwei Wochen bei den Irish Open in Maynooth. Aber auch dort verpasste er den Cut.

Solche Ein- und Ausbrüche brachten natürlich Ratgeber auf den Plan. Sir Nick Faldo, der einstmals beste Golfer der Welt, hat die Karriere McIlroys als Mentor begleitet, seit der Nordire als Wunderkind mit zwölf Jahren seine Jugendturnierserie gewann. Der 56 Jahre alte Faldo, der in Muirfield bei seinem ersten Turnierauftritt seit Jahren ebenfalls den Cut verpasste, ermahnte seinen ehemaligen Schützling, sich ganz auf Golf zu konzentrieren und wie jeder Arbeitnehmer von 9 bis 17 Uhr an seinem Arbeitsplatz, der Übungswiese und dem Golfplatz, zu sein. Eine deutliche Anspielung darauf, dass McIlroy zu viel Zeit mit seiner dänischen Freundin Caroline Wozniacki verbringe, der ehemaligen Weltranglistenersten im Tennis, und durch das Pendeln zwischen seinem neuen Wohnort in Florida und dem seiner Lebensgefährtin in Monte Carlo viel Energie verschwende.

Der Kritisierte verbat sich öffentlich jeden Zweifel an seiner Arbeitsmoral. Von ihm ist nur zu hören: „Ich kann nicht einmal sagen, woran es liegt. Es ist nicht die Technik. Es ist alles mental“, sagte McIlroy zu den Gründen für seine extreme Formkrise, „ich weiß nicht, was mit mir passiert ist. Ich weiß nicht, wie ich da rauskommen soll.“ Er will jetzt Hilfe bei dem amerikanischen Sportpsychologen Bob Rotella suchen. Ein Besuch beim Seelendoktor für eine arg gebeutelte Golferseele wird zum letzten Ausweg aus der Krise.

Wolfgang Scheffler beobachtet in seiner wöchentlichen Kolumne die Golf-Welt und schreibt über Kurioses, Lustiges und Skurriles. Alle Texte finden Sie auf der FAZ.NET-Sonderseite „Schefflers Golf-Kolumne”.

Quelle: F.A.S.
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23.07.2013, 11:24 Uhr

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